In Kabul gab es heuer 20 schwere Anschläge

Drei Tote bei IS-Angriff auf Geheimdiensthaus in Kabul

Montag, 18. Dezember 2017 | 17:19 Uhr

Bei dem Angriff mutmaßlicher Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) auf ein Gebäude des Geheimdienstes NDS sind in der afghanischen Hauptstadt Kabul alle drei Angreifer getötet worden. Außerdem sei ein Polizist verletzt worden, sagte der Sprecher des Innenministeriums, Najib Danish, am Montag. Zivilisten kamen demnach bei dem mehr als sechsstündigen Polizeieinsatz nicht zu Schaden.

Der IS hatte die Tat über die üblichen Kanäle im Internet für sich reklamiert und behauptet, zwei Selbstmordattentäter geschickt zu haben. Die Angreifer waren in der Früh in ein unbewohntes Haus neben dem NDS-Trainingszentrum im Viertel Afshar eingedrungen und hatten von dort aus auf das Gebäude geschossen. Ein Geheimdienstmitarbeiter, der namentlich nicht genannt werden wollte, sagte, man habe ein Auto voller Waffen und Sprengstoff sichergestellt.

Der Sender Sheba hatte auf Twitter Bilder von einer verrauchten Straße, Mauerbruchstücken und zwei brennenden Autowracks gezeigt. In Kabul gab es in diesem Jahr rund 20 schwere Anschläge mit Hunderten Toten und Verletzten.

Das Trainingszentrum des Geheimdienstes war bereits im September attackiert worden. Damals ließen die Angreifer ein mit Sprengstoff beladenes Fahrzeug vor dem Haupteingang des Gebäudekomplexes detonieren. Drei Menschen wurden laut Innenministerium verletzt. Nach Angaben aus Sicherheitskreisen ist das Ausbildungszentrum eine Pflichtstation für alle Geheimdienstagenten in Afghanistan.

Die IS-Miliz und die radikalislamischen Taliban hatten ihre Angriffe auf Sicherheitskräfte und Moscheen in der Hauptstadt in den vergangenen Monaten intensiviert. Kabul gilt inzwischen als einer der gefährlichsten Orte für Zivilisten in dem Land.

Bei einem Anschlag im Kabuler Diplomatenviertel Ende Mai waren etwa 150 Menschen getötet und 400 weitere verletzt worden. Im November wurden bei einem Selbstmordanschlag in der Hauptstadt, zu dem sich der IS bekannte, 14 Menschen getötet. Im Oktober wurden bei mehreren Taliban-Angriffen insgesamt rund 150 Menschen getötet worden. Eine US-Beobachtungsstelle sprach zuletzt von “schockierend hohen” Opferzahlen unter den afghanischen Sicherheitskräften.

Der NATO-Kampfeinsatz in Afghanistan war Ende 2014 offiziell beendet und durch die Beratungs- und Ausbildungsmission “Resolute Support” ersetzt worden. Nur wenige ausländische Kampfeinheiten verblieben im Land, aber die einheimischen Sicherheitskräfte bekommen die Lage nicht in den Griff. US-Präsident Donald Trump kündigte im August an, das Truppenkontingent in Afghanistan aufzustocken.

In Afghanistan flohen seit Jahresbeginn mehr als 400.000 Menschen vor Kampfhandlungen aus ihren Heimatorten. Das geht aus einem am Montag veröffentlichten Bericht der UNO-Agentur zur Koordinierung humanitärer Hilfe hervor. Demnach waren allein in der vergangenen Woche rund 12.300 Menschen heimatlos geworden.

Im vergangenen Jahr waren mehr als 660.000 Afghanen aus ihren Dörfern geflohen. Für 2017 hatten die UNO zu Jahresbeginn rund 450.000 weitere Zwangsvertriebene erwartet.

Von: APA/dpa/ag.