Die Feuerpausen bringen Ost-Ghouta nur vorübergehend Ruhe

Dritte fünfstündige Feuerpause im syrischen Ost-Ghouta

Donnerstag, 01. März 2018 | 18:08 Uhr

Am dritten Tag in Folge sollen im belagerten syrischen Rebellengebiet Ost-Ghouta an diesem Donnerstag für mehrere Stunden alle Kampfhandlungen eingestellt werden. In den vergangenen Tagen brachte die von Russland verkündete temporäre Waffenruhe in dem umkämpften Gebiet einen zeitweisen Rückgang der Gewalt.

Sie ermöglichte aber weder die angepeilten Hilfskonvois für Hunderttausende notleidende Menschen noch konnten Zivilisten das Kampfgebiet verlassen. Syrische Jets flogen Aktivisten in Ost-Ghouta zufolge in der Nacht erneut Luftangriffe auf das Gebiet.

UNO-Vertreter und Hilfsorganisationen halten das fünfstündige Zeitfenster für zu klein, um große Hilfslieferungen mit dringend benötigten medizinischen Produkten und Nahrungsmitteln in die Region zu bringen. Die humanitäre Situation dort ist Helfern zufolge dramatisch.

Auch am Donnerstag gestaltete sich die geplante Hilfe für die Menschen in der Regionnach Angaben Russlands weiter schwierig. Zwar hätten viele Zivilisten darum gebeten, das Gebiet verlassen zu dürfen, zitierte die Agentur Tass am Donnerstag den russischen Generalmajor Wladimir Solotuchin. Rebellen würden den Korridor, der für die Hilfen eingerichtet worden sei, aber weiter beschießen.

Die von Russland verkündete Feuerpause soll täglich zwischen 8.00 und 13.00 Uhr MEZ (9.00 bis 14.00 Uhr Ortszeit) gelten. Die ersten Waffenruhen am Dienstag und Mittwoch waren zwar brüchig, reduzierten die Gewalt aber zwischenzeitlich deutlich. Regierung und Rebellen warfen einander vor, die Feuerpause nicht einzuhalten. Vor und nach dem Zeitfenster gingen Luftangriffe, Artilleriebeschuss und Bodenkämpfe allerdings weiter.

Das seit 2013 belagerte Ost-Ghouta östlich von Damaskus hatte zuletzt eine der schlimmsten Angriffswellen der Regierung seit Beginn des fast siebenjährigen Bürgerkriegs erlebt. Nach Angaben von Aktivisten kamen in den vergangenen zehn Tagen etwa 600 Zivilisten ums Leben.

Unterdessen ist erstmals seit Beginn der dortigen türkischen Offensive ein Hilfskonvoi in die momentan ebenfalls schwer umkämpfte nordsyrische Region Afrin gelangt. Der Konvoi aus 29 Lastwagen sei am Donnerstag im Zentrum von Afrin eingetroffen, teilte das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) mit. Demnach enthielten die Lastwagen 430 Tonnen Nahrung, Medikamente, Kleidung, Matratzen, Decken und andere Artikel des täglichen Bedarfs für 50.000 Menschen. Die türkische Armee geht seit Jänner mit verbündeten syrischen Rebellen gegen die kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) in Afrin vor.

Von: APA/dpa/ag.