Ukrainische Gegenoffensive kommt langsam voran

Drohnenangriffe auf Kiew und Odessa kurz vor NATO-Gipfel

Dienstag, 11. Juli 2023 | 11:16 Uhr

Wenige Stunden vor Beginn des NATO-Gipfels in Vilnius hat Russland die ukrainische Hauptstadt Kiew und Odessa im Süden erneut mit Drohnen angegriffen. Die russischen Streitkräfte hätten insgesamt 28 sogenannte Kamikaze-Drohnen gestartet, teilte das ukrainische Militär am Dienstag mit. 26 der im Iran gefertigten Shahed-Drohnen seien von der ukrainischen Luftabwehr abgefangen worden. Allein 24 Drohnen seien auf die Schwarzmeer-Hafenstadt Odessa gerichtet gewesen.

Zwei Drohnen hätten ein Verwaltungsgebäude im Hafen getroffen, die anderen 22 seien zerstört worden. Ein Getreideterminal und ein weiterer Terminal in der Nähe des Hafens seien in Brand geraten. Das Feuer sei aber rasch gelöscht worden, teilte Gouverneur Oleh Kiper auf Telegram mit. Es gebe keine kritischen Schäden, niemand sei verletzt worden.

Alle Drohnen, die Richtung Kiew abgefeuert wurden, seien abgefangen worden, erklärte das Militär. Allerdings hätten herabstürzende Trümmer eine Reihe von Häusern in der die Hauptstadt umgebenden gleichnamigen Region beschädigt. Verletzte seien nicht gemeldet worden. “Der Feind hat Kiew in diesem Monat zum zweiten Mal aus der Luft angegriffen”, teilte Serhij Popko, der Chef der Militärverwaltung in der Hauptstadt, auf Telegram mit.

Der von Russland im Februar 2022 begonnene Krieg gegen das Nachbarland Ukraine ist das beherrschende Thema des zweitägigen NATO-Gipfels in der litauischen Hauptstadt Vilnius, der am Mittag offiziell beginnt. In dem Krieg wurden Tausende Menschen getötet. Millionen Ukrainerinnen und Ukraine wurden vertrieben, viele sind ins Ausland geflohen. Zahlreiche Städte im Osten und Süden der Ukraine sind zerstört.

Die Ukraine hat seit Beginn ihrer Gegenoffensive vor fünf Wochen nach Einschätzung von US-Experten fast so viel Terrain befreit wie Russland in mehr als sechs Monaten erobert hatte. Seit dem 4. Juni habe das ukrainische Militär etwa 253 Quadratkilometer Land zurückerobern können, teilte das US-Institut für Kriegsstudien (ISW) mit Sitz in Washington am Montag (Ortszeit) auf Grundlage eigener Daten mit. Im Vergleich dazu habe Russland während seiner am 1. Jänner gestarteten Winteroffensive in sechs Monaten 282 Quadratkilometer erobern können, so das ISW. Das Institut verweist darauf, dass es eigene Daten verwendet, um die Bodengewinne beider Länder vergleichen zu können.

Russland hatte das Nachbarland am 24. Februar 2022 angegriffen. Seitdem wehrt sich die Ukraine gegen die Invasoren und wird dabei militärisch und finanziell von westlichen Staaten unterstützt. Die mit großen Erwartungen verknüpfte Gegenoffensive der Ukraine läuft seit Anfang Juni. Nach Einschätzung auch westlicher Militärbeobachter kommt sie nur langsam voran. Die jüngsten ISW-Zahlen legen aber nahe, dass sie trotz allem erfolgreicher verläuft als die russische Winteroffensive.

Von: APA/dpa/Reuters