Proteste vor dem Parlament in London

Druck auf Facebook wird immer größer

Dienstag, 26. Oktober 2021 | 03:44 Uhr

Die Publikation weiterer interner Informationen verstärken den Druck auf Facebook immer mehr. In den am Montag koordiniert erschienenen Berichten großer US-Medien hieß es, Facebook falle es in vielen Ländern schwer, Falschinformationen und Hassrede zu bekämpfen. Während sich das Unternehmen der Probleme bewusst sei, präsentiere es nach außen nur Erfolge. Gründer und Chef Mark Zuckerberg weist alles als “koordinierten Versuch” zurück, Facebook im falschen Licht darzustellen.

Die Artikel gehen vor allem auf interne Unterlagen zurück, die von Ex-Mitarbeiterin Frances Haugen heruntergeladen wurden. In London wiederholte sie vor einem Ausschuss des britischen Parlaments am Montag ihre Vorwürfe gegen Facebook und Zuckerberg, Profite über das Wohl der Nutzer gestellt zu haben. Haugen tritt als Whistleblowerin auf und übergab Facebooks Dokumente der Börsenaufsicht SEC und dem US-Kongress. Auch mehrere US-Medien bekamen Zugang und veröffentlichten am Montag zur gleichen Zeit Artikelserien. Haugen hatte bereits massive Kritik an Facebook mit dem Vorwurf ausgelöst, dass der Konzern sich zu wenig um das Wohlergehen von Teenagern bei der Fotoplattform Instagram sorge.

In den neuen Berichten geht es unter anderem darum, dass Facebook nach der US-Präsidentenwahl die Maßnahmen gegen Falschinformationen schnell gelockert und dadurch Donald Trump und seinen Anhängern Raum für Behauptungen über Wahlfälschung gelassen habe. Am 6. Jänner stürmten die Anhänger des abgewählten Präsidenten den US-Kongress in Washington. Den internen Unterlagen zufolge hat Facebook zudem in den USA ein Problem mit jungen Nutzern, die weniger auf die Plattform zugreifen als früher.

Eine Facebook-Sprecherin sagte der “Washington Post”, die Berichte gingen auf ausgewählte Dokumente ohne jeglichen Kontext zurück. Das Online-Netzwerk wies erneut den Kern-Vorwurf zurück, dass es Profit über das Wohl der Nutzer stelle. Die Wahrheit sei, dass man 13 Milliarden Dollar investiert habe und 40.000 Personen beschäftige, um für die Sicherheit der Nutzer zu sorgen.

In London erneuerte Haugen ihre Vorwürfe gegen ihren früheren Arbeitgeber. Der Algorithmus, den Facebook nutze, sei “gefährlich”, sagte sie am Montag vor einem Ausschuss des britischen Parlaments. So würden Beiträge mit vielen Likes und Kommentare prominent angezeigt, aber gefährliche Inhalte dabei nicht aussortiert. Vielmehr würden polarisierende Inhalte vom Algorithmus “priorisiert” und “überkonzentriert”.

Facebook will unterdessen unter dem Konkurrenzdruck des chinesischen Rivalen Tiktok attraktiver für junge Nutzer werden. Alle Facebook-Apps bekämen das Ziel, zu besten Diensten für junge Erwachsene im Alter zwischen 18 und 29 Jahren zu werden, “statt für eine größere Zahl älterer Leute zu optimieren”, sagte Zuckerberg am Montag. Zugleich steckt Facebook Milliarden in den Aufbau einer virtuellen Welt, in der Zuckerberg die nächste Kommunikations-Plattform sieht.

Den Videodienst Tiktok bezeichnete der Facebook-Chef als “einen der effizientesten Konkurrenten, dem wir je gegenüberstanden”. Konkret scheinen die Pläne unter anderem zu bedeuten, dass bei Facebook und dem Fotodienst Instagram kurze Videos – das Tiktok-Kerngeschäft – stärker in den Vordergrund rücken werden. Zuletzt kamen bereits 60 Prozent der Werbeerlöse im Videobereich von Clips im Hochformat, die weniger als 15 Sekunden lang waren.

Einen Änderung des Konzernnamens, über die seit vergangener Woche spekuliert wird, gab es zur Vorlage der aktuellen Quartalszahlen am Montag nicht. Medienberichten zufolge soll ein neuer Name andere Apps wie Instagram aus dem Schatten von Facebook – der ersten und wichtigsten Plattform der Firmengruppe – führen. Zugleich gehe es auch darum, die Evolution hin zum “Metaverse” zu verankern – einer virtuellen Umgebung, in der reale und digitale Welten ineinander greifen. Zuckerberg bekräftigte erneut, dass er darin die Zukunft der Kommunikation sehe.

Die Reality Labs dürften der Unternehmensteil sein, in dem das “Metaverse” in den kommenden Jahren vor allem entwickelt wird. Im aktuellen Quartalsbericht hieß es, dass die Investitionen in die Sparte den operativen Gewinn von Facebook allein in diesem Jahr um rund zehn Milliarden Dollar drücken würden. Mehr Kosten folgen: In den nächsten ein bis drei Jahren werde der Konzern erst eine Basis für das “Metaverse” legen, sagte Zuckerberg. “Das ist keine Investition, die für uns in absehbarer Zukunft profitabel sein wird.”

Das Geld für die Zukunftsprojekte liefert nach wie vor das Werbegeschäft. Im dritten Quartal stiegen die Anzeigenerlöse im Jahresvergleich um rund ein Drittel auf 28,3 Milliarden Dollar. Dabei beklagte Facebook noch “Gegenwind” vor allem durch Apples neue Regeln für mehr Privatsphäre auf dem iPhone.

Beim gesamten Konzernumsatz im vergangenen Quartal verfehlte Facebook nun die Erwartungen der Analysten. Sie hatten im Schnitt mit gut 29,5 Milliarden Dollar gerechnet. Facebook schaffte ein Plus von 35 Prozent auf 29 Milliarden Dollar (rund 24,5 Mrd Euro). Allerdings übertraf der Konzern die Marktprognose beim Gewinn je Aktie. Unterm Strich verdiente Facebook rund 9,2 Milliarden Dollar – ein Plus von 17 Prozent im Jahresvergleich.

Die Zahl täglich bei Facebook aktiver Nutzer stieg binnen drei Monaten von 1,91 auf 1,93 Milliarden. Auf mindestens eine App aus dem Facebook-Konzern – wie zum Beispiel Instagram oder WhatsApp – griffen zuletzt täglich 2,81 Milliarden Nutzer zu. Zum Ende des zweiten Quartals waren es 2,76 Milliarden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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12 Kommentare auf "Druck auf Facebook wird immer größer"


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KoanTiroler
KoanTiroler
Grünschnabel
1 Monat 11 Tage

Zum glück gibts gscheide leit wos sich gegen sowos wehren und net gegen an greenpass

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Dort wo etwas nichts kostet, den Service zu benutzen, genau dort ist es am teuersten, denn dort bist “Du” die Ware!

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

und dia gonzn Emails dia ih seit johren va Facebook kriag isch a Frechheit 😤

BabaYaga
BabaYaga
Neuling
1 Monat 10 Tage

Warsch auch nicht brav und verstößt gegen ihre Regeln. 😮 😮

Trina1
Trina1
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Von mir aus könnte Facebook verschwinden, das käme vielen Kinder zu Gute.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Herr Yogeshwar hat für das Geschäftsmodell eine Beschreibung: Erregungsbewirtschaftung.

Man kann das Business auch härter beurteilen: Öl ins Feuer gießen (lassen). In Indien, den USA… Tote wegen der Aufhetzerei.
Unschuld heucheln.

Ranga Yogeshwar über Erregungsbewirtschaftung – ZDFmediathek

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

Das Wort trifft das Ganze relativ gut. Das ist nun mal das Geschäft!
Ohne Südtirol News nahe treten zu wollen, aber auch Sie sind auf Werbe Einnahmen angewiesen bzw. damit verdient man sein Geld. Was legitim ist! Und viele User die man bei der Stange hält, viele “Klicks” bringen nun mal Einnahmen. Der Unterschied zu Facebook liegt darin, dass eine Medium wie Südtirol News seine Berichte recherchiert und auf Fakten prüft und bei Facebook lässt man unerfahre User, auch Bildungs schwächere User ins offene Messer laufen.
Es gibt aber auch unmündige User und die gilt es zu schützen.

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

PS:man siehe Facebook Rechter Hass, Wahl Manipulation, Mobbing in jedweder Form, Facenews zur Pandemie, geschlossene Gruppen in denen “unglaubliches” passiert, Facebook aber geflissentlich verschweigt….

Neuling
1 Monat 11 Tage

Entweder wollen oder können die von FB das nicht, bei uns “Kleinen” gehts sehr wohl, möchte man 2 gleiche (wirklich harmlose) Beiträge rein setzen, gibts Meldung man verstoße gegen ihre Standards, war auch schon bei Geburtstagsgruß so und das soll man mal Verstehen.

Sehe das so:  „Die Kleinen hängt man und die Großen lässt man  laufen”

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
1 Monat 11 Tage

So in etwa hatte ich auch mal ein Problem. “Pustertal mistet aus” und ich wollte da einige meiner Steeldarts verkaufen. Nach unzähligen Versuchen, sogar Mails an Facebook wurde mir das nicht genehmigt, da es Waffen wären.
Soviel zur Sicherheitsvorkehrungen von Facebook. Aber sonst findet man bei denen jeden Schei..!

Buergerle
Buergerle
Grünschnabel
1 Monat 10 Tage

Aufhetze, Fake News, Cyber Mobbing…. habe für mich einen logischen Schritt gemacht und mein Konto gelöscht… ich vermisse nichts

OrB
OrB
Universalgelehrter
1 Monat 10 Tage

Abschalten und Ruhe genießen.

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