Mafiaorganisation 'Ndrangheta unterwanderte ein Auffanglager

Druck auf Rom für Transparenz in Flüchtlingslagern

Mittwoch, 17. Mai 2017 | 11:10 Uhr

In Italien wächst der Druck auf die Regierung für mehr Transparenz bei der Verwaltung der Flüchtlingslager. Nachdem laut den Ermittlern die mafiöse Organisation ‘Ndrangheta jahrelang Gelder in Millionenhöhe für die Flüchtlingsversorgung in Aufnahmelagern für Migranten in Süditalien unterschlagen haben soll, forderte EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani Transparenz.

Tajani meinte, es sei dringend notwendig, Klarheit über die Vorwürfe der Geldunterschlagung zu schaffen. “Es ist unannehmbar, dass öffentliche Gelder unterschlagen und Personen ausgenutzt werden, die in Flüchtlingslagern untergebracht sind. Das EU-Parlament wird wachen, damit es immer strengere Kontrollen in Zusammenhang mit dem öffentlichen Geldern für die Flüchtlingsversorgung gibt”, so Tajani laut Medienangaben.

Den Ermittlern zufolge gelang es der kalabrischen Mafia ‘Ndrangheta bereits vor einem Jahrzehnt, das Aufnahmelager in der Stadt Isola Capo Rizzuto zu unterwandern. Dabei handelt es sich um eines der größten Flüchtlingszentren in ganz Europa.

Die Opposition geht auf die Barrikaden. “Schon 2007 hatte die Polizei Probleme im Umgang mit Auffanglagern gemeldet. Warum sind in elf Jahren keine Schritte unternommen worden, um dem Verdacht der mafiösen Unterwanderung nachzugehen”, fragte Maurizio Gasparri, Fraktionschef der rechtskonservativen Forza Italia im Senat.

Die populistische Fünf Sterne-Bewegung klagte, dass die Regierung in Rom nicht in der Lage sei, den Flüchtlingsnotstand zu bewältigen. Italien gebe 4,3 Milliarden Euro pro Jahr für die Flüchtlingsversorgung aus. “Wir verlangen strengere Kontrollen, um festzustellen, wie diese Gelder effektiv verwendet werden”, so der EU-Abgeordnete der Fünf-Sterne-Bewegung, Marco Valli.

Die Polizei nahm am Montag bei einer Großrazzia 68 Verdächtige im Süden des Landes fest, darunter einen Pfarrer und den Vertreter einer Hilfsorganisation. Von den 103 Millionen Euro, die zwischen 2006 und 2015 in die Einrichtung flossen, landeten demnach mindestens 36 Millionen in den Kassen der Kriminellen.

Von: apa