Sonderfonds-Causa: Er ruft Gerichtshof für Menschenrechte an

Durnwalder ist “wunschlos” und attestiert Kompatscher zu wenig Herz

Mittwoch, 22. September 2021 | 05:05 Uhr

Bozen – Südtirols Altlandeshauptmann Luis Durnwalder (SVP) blickt angesichts seines 80. Geburtstages am Donnerstag zufrieden auf Leben und politisches Wirken zurück. “Die Taten, die ich gesetzt habe, sind so viele, dass sie nicht vergessen werden können”, sagte Durnwalder im APA-Gespräch. Mit seinem Nachfolger Arno Kompatscher zeigte er sich weiter nicht uneingeschränkt zufrieden und attestierte diesem zu wenig Herz.

“In jedem Dorf” seien die Spuren seines beinahe 25-jährigen Wirkens als Landeshauptmann von 1989 bis 2014 noch zu sehen, zeigte sich Durnwalder “stolz”: “Ich will nicht glorifiziert werden, aber das was ich gemacht habe, wird mich schon ein bisschen überleben. Diese Zeit wird nicht aus der Geschichte Südtirols gelöscht werden können”. Er sei jedenfalls ein “glücklicher und zufriedener Mensch” und habe ein “erfülltes Leben” gehabt, so der Jubilar. Und obendrein sei er “wunschlos”. Er wolle einfach noch einige Jahre “gesund und gut leben”, mit den Mitmenschen auskommen und weiter so akzeptiert werden, wie er es derzeit erfahre. Er sei sich aber bewusst, dass die Zeit, die noch vor ihm liege, knapper werde. Ein “politisches Wesen” werde er immer bleiben – dies könne man “nie ausschalten”, betonte der Pustertaler.

Seine Vorgänger wie Silvius Magnago hätten in Bezug auf die Autonomie “das Haus gebaut” und für das Fundament gesorgt – und er habe das Glück gehabt, das “Haus einzurichten”. So habe Südtirol durch die von ihm und seine Weggefährten gesetzten Rahmenbedingungen – aber vor allem auch dank der Tüchtigkeit der Menschen und Unternehmen – von einem “armen Gebiet” zu einem der wohlhabendsten Regionen in Europa werden können. Die nun vorhandene Autonomie samt ihrer Rechte und Befugnisse sei die “bestmögliche”, aber nicht die “beste”. “Aber selbst mit der besten Autonomie gibt es keine hundertprozentige Garantie, dass die deutschsprachige Minderheit entsprechend geschützt ist”. Schließlich mache diese nur ein Prozent der gesamten Bevölkerung Italiens aus. Es gehe weiter darum, wachsam zu sein, dass Südtirol seitens des Zentralstaates “nichts weggenommen wird” – und zudem gelte es, neue Befugnisse zu erkämpfen – etwa in Zukunftsbereichen wie Technologie, Mobilität, Umweltschutz usw.

Durnwalder wünschte sich, dass sein Nachfolger und Parteikollege Kompatscher in Rom energischer auftrete, mehr Mut zeige und die Grenzen für die autonome Provinz deutlicher mache. Im Land selbst solle Kompatscher mitunter schneller Entscheidungen fällen, gab ihm der Altlandeshauptmann mit auf den Weg. Jeder Mensch und Politiker sei anders gestrickt, aber Kompatscher stelle nach wie vor “zu wenig Kontakt auf der menschlichen Ebene” zu den Menschen her. “Kopf, Herz und Hände” – dies sei wichtig. “Ein Herz wird er vielleicht schon haben, aber vielleicht kann er es nicht zeigen”, so der 80-Jährige in Richtung seines Nachfolgers. Und Durnwalder drängte darauf, dass Kompatscher seine Ankündigung wahr mache und noch im Herbst bekannt geben soll, ob er bei der Landtagswahl im Jahr 2023 wieder antreten wird. Denn alles andere würde die Chancen der nicht mehr im Besitz der absoluten Mehrheit stehenden Südtiroler Volkspartei schmälern. Dann könnten “Strömungen in der Partei” offenkundig werden, die in dem 50-Jährigen nicht mehr den idealen Spitzenkandidaten sehen und die dann sagen, dieser sei “kein gutes Zugpferd”. “Wenn er wieder kandidieren will, dann gibt es keine Alternative”, gab Durnwalder seinem Nachfolger aber auch Rückendeckung. Er halte den Landeschef jedenfalls für den bestmöglichen SVP-Spitzenkandidaten.

In der Sonderfonds-Causa, in der Durnwalder wegen der Veruntreuung öffentlicher Gelder nach einem Freispruch doch noch rechtskräftig zu zwei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt wurde, bereite er gerade eine Beschwerde an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg vor. Er empfand das Urteil als grob ungerecht und habe nie auch nur einen Cent in die eigene Tasche gewirtschaftet, was sogar dezidiert festgehalten worden sei: “Der Sonderfonds ist über Jahre mit Landesgesetz zur Verfügung gestellt und vom Rechnungshof überprüft worden”. Dies werde in allen Ländern auf dieselbe Art gehandhabt, auch bei seinen Regierungskollegen sei dies der Fall gewesen. Das Gericht der letzten Instanz in Rom hatte es im Juni als erwiesen angesehen, dass der frühere Südtiroler Landeshauptmann mehrmals über den Sonderfonds private Ausgaben vorfinanziert hatte. Die Haftstrafe wird Durnwalder aufgrund der Gesetzeslage nicht antreten müssen, er habe bis dato auch keine Aufforderung zur Leistung eines Sozialdienstes erhalten, erklärte er.

Glückwünsche an Durnwalder kamen indes bereits am Mittwoch von “seiner” Partei, der SVP. “Luis Durnwalder hat sich um unser Land verdient gemacht – so wie sein Vorgänger an der Landesspitze, Silvius Magnago”, würdigte SVP-Obmann und Landesrat Philipp Achammer den Jubilar. Als beliebter “Landesvater” sei Durnwalder über die Landesgrenzen geschätzt worden. Seine Popularität sei auch nach dem Ende seiner letzten Amtszeit ungebrochen, meinte Achammer: “Noch immer ist er ein gerne gesehener Gast bei Veranstaltungen, bei denen seine Erzählungen interessiert verfolgt werden. Und auch auf seine Meinung wird immer noch gehört”.

Von: apa

Bezirk: Bozen

Kommentare

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31 Kommentare auf "Durnwalder ist “wunschlos” und attestiert Kompatscher zu wenig Herz"


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inni
inni
Universalgelehrter
25 Tage 22 h

Er sollte sich zurückhalten mit seinen Ratschlägen an Kompatscher. Er hätte auch keine angenommen, wenn Magnago ihm seinerzeit welche gegeben hätte.

sophie
sophie
Universalgelehrter
25 Tage 21 h

Ich finde es gut, wenn er offen und ehrlich seine Meinung sagt

Lana2791
Lana2791
Superredner
25 Tage 20 h

@inni Sogn Sie lei nit , dass er do nit recht hot !

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
25 Tage 17 h

Wieso soll er das,seine Meinung kann er sagen,so wie du auch

Summer
Summer
Tratscher
25 Tage 15 h

@sophie
Nun ja, ich habe keine Lust auf seine Meinung, vor allem deshalb nicht, weil seine Meinung einem demokratischen Grundprinzip widerspricht, das er nach einem Leben in der Politik eines demokratischen Landes eigentlich kennen sollte.

josef.t
josef.t
Superredner
25 Tage 14 h

In den ersten 20 Jahren war der Landeshauptmann der seien
Vorgänger würdig vertrat !
Schade um die letzten Jahre, wo die Vetternwirtschaft
überhand nahm und andere Ungereimtheiten Ihn um sein
“einstiges Ansehen” brachte…..
Er war sicher nicht der Typ, der in die eigene Tasche wirtschaftet !

Simba
Simba
Superredner
21 Tage 1 h

@Summer Brauchst ja nicht zu lesen.Aber deinen Senft willst doch beigeben.

Sigo70
Sigo70
Tratscher
25 Tage 21 h

Ich komme mir derzeit vor wie in einem Betrieb, wo die 3. Genaration, mit voller Überheblichkeit, herzlos, den Karren an die Wand fährt.

Lana2791
Lana2791
Superredner
25 Tage 20 h

@Sigo70 ….es isch traurig zu sogn ober leider die Wohrheit! sou a Spaltung der Südtiroler Bevölkerung hat es weder unter Magnago nou unter Durnwalder geben! Wenn man denkt wos a domols für Witschoftliche Situationen kerrscht hobm , ober zem worn insere Leit a nou mit a wianigkeit zu Frieden! Heint zählt teils lei mear Protz ….!

Opa1950
Opa1950
Tratscher
25 Tage 21 h

Herr Durnwalder hat Recht wenn er sagt, Kompatscher sei zu schwach und hat kein Herz.

Ratziputz
Ratziputz
Tratscher
25 Tage 13 h

@opa1950
Dem Kompatscher kann der der Durnwalder in Bezug auf Diplomatie und Herz, wie auch Kompetenz keine Ratschläge geben, dazu benötigt man mehr als Bauernschläue.

Zudem ist es ein schlechter Stil, dauernd subtile Sticheleien gegenüber seinem Nachfolger zu lanzieren

Sellwoll
Sellwoll
Grünschnabel
25 Tage 21 h

Langsam wir das
aber mühsam! Ok, alles Gute zum Geburtstag Herr Durnwalder, aber irgendwie geht
es bei diesen Berichten wohl immer nur darum den Herrn Kompatscher schlecht
hinzustellen……

anonymous
anonymous
Universalgelehrter
25 Tage 20 h

Luis hat vollkommen Recht, Arno kann sich in Rom nicht dursetzten, mehr härte  zeigen ,wer einmal nachgibt hat schon verloren .Mit Almosen verteilen erreicht man heute nichts

Zugspitze947
25 Tage 14 h

anonymus: lächerlich auch Durnwalder hat sich nicht durchgesetzt ! Oder warum hat er zugestimmt JÄHRLICH 800.000.000,00 € im Mailänder Abkommen an Italia zu verschenken ? Einfach erbärmlich 🙁

ebbi
ebbi
Universalgelehrter
25 Tage 19 h

Herr Durnwalder, alles Gute zum Geburtstag und Sie haben viel erreicht und so manches ist auch gut gegangen, manches aber auch nicht, dafür zahlen wir und unsere Kinder auch in Zukunft noch. Lassen Sie Ihre Stichelleien gegen Kompatscher, er macht seine Sache gut (oder wollte jemand mit ihm tauschen, die letzten 2 Jahre?). Irgenwann muss der Bauer akzeptieren, dass der Hof übergeben wurde. Die jüngere Generation hat halt andere Ideen, Arbeits-und Sichtweisen und das ist auch gut so.

vunmirausgsechn
vunmirausgsechn
Tratscher
25 Tage 13 h

@ebbi gefällt mir, gut geschrieben

Ratziputz
Ratziputz
Tratscher
25 Tage 11 h

@ebbi
👍👍👍👍👍genau so isches

wellen
wellen
Universalgelehrter
25 Tage 20 h

Schlechter Stil, seinen Nachfolger zu kritisieren. Kompatscher hat viel Hirn, und das braucht es in einer Pandemie. Vor allem weil die SVP Landesräte und seine Koalitionspartner allesamt grobe Schwächen zeigen, Stichwort zerstrittener Haufen. 2023 abwählen!

Hudy17
Hudy17
Tratscher
24 Tage 21 h

omg🤦‍♂️

Summer
Summer
Tratscher
25 Tage 19 h

Zwei Bemerkungen:
1. In jedem Dorf sieht man die Spuren der fleißigen und arbeitsamen Bevölkerung, ohne deren Steuern wäre nichts zu verteilen gewesen.
2. Durnwalder ist rechtskräftig verurteilt. Wann nimmt er dies endlich zur Kenntnis? Das Gericht für Menschenrechte ist hier genauso sinnvoll wie Berlusconis Zug vor das genannte Gericht.

So ist das
25 Tage 17 h

Viele haben noch nicht verstanden, das Landesgelder und Landesbeiträge unser aller Steuergelder und daher sinnvoller einzusetzen sind, für alle und nicht vielfach für Lobbys.

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
25 Tage 20 h

……………………da kann Durnwalder auch in den “Himmel” rufen,er wird zahlen und das ist gut so!😡

Savonarola
25 Tage 19 h

recht viel Herz wird der Luis bei gewissen Dingen auch nicht gehabt haben…

Storch24
Storch24
Kinig
25 Tage 19 h

Herr Durnwalder, sie verlangen mehr Herz von unserem LH . Er hätte dich mehr für sie einbringen sollen ? Dürfte er das überhaupt ? Denke nein. Es ist und war bislang richtig wie er sich verhält

Nobbs
Nobbs
Tratscher
25 Tage 16 h

Ja,jaa,ein Herr Kompatscher hat halt ein ruhigeres Wesen in sich,im Gegensatz zu Durni,immerhin hat und bringt er auch vieles vorwärts,begrüsse auch voll seine Einstellung zu allen Bürgern im Land,ob arm oder reich,was bei einen Durni bei weiten fehlte,viel Bauernfreindllobby,beim Watterle,,wo eben jetzt die Herz Ass nicht mehr im Mittelpunkt steht und die Uhr doch weizergeht,ob energisch oder sanft mit Fingerspitzengefühl,mit viel Bildung,würde ich sagen,alle Wege führen nach Rom.
Weiter so Herr Kompatscher alles Gute.

Staenkerer
25 Tage 20 h

na, jo, ban “sich überheblich auf de eigenen schultern klofn” wor er ollm schun groaß,
für des “einrichten des hauses” hot er sich 8berbezohln lossn obwohl de “einrichtung” bis zum letztn löffele de bevölkerung selber bezohlt hot,
und jo, sauteure denkmähler, de es oft nit pder zumindest in der größe und um den preis nit gebraucht hat, hot er sich a genua aufgszellt!
do i nit zu de lobbyisten, sondern zu de kloanen steuerzohlrden fuaßvolk ghear konn i ihn nit als jemand gratuliern der je von sein ‘großes’ herz eppas gspürt hot!

Storch24
Storch24
Kinig
25 Tage 19 h

Ps komisch, dass Herr Durnwalder über jemanden , vielleicht durch die Blume oder auch nicht, über jemanden herziehen darf. Kommentatoren dürfen das nicht.

Paschtasciutta
25 Tage 15 h

Und wenn der Kompatscher dopplt so long LH war, tat er nie des doleistn wos do Durnwalder fir Südtirol geleistet hot..man konn ihn megn odo net, obo sel isch a Fakt..
Do Durnwalder ot sich va jedn di Sorgn, Vorschläge usw ungelost..a van klienstn Bauer van obgelegnstn Tol und ot Ideen, wos Kopf und Fueß kop obm, gfördert und unterstützt..
Heint schaugnse olla lei mear af sich selbo..

Summer
Summer
Tratscher
25 Tage 15 h

Respekt vor LH Kompatscher, der soviel moralischen Anstand bewiesen hat, nicht politisch in ein laufendes Gerichtsverfahren einzugreifen, denn er weiß als guter Jurist genau, dass in einer Demokratie nicht zufällig eine Gewaltenteilung zwischen der Legaislativen und der Jurisdiktion besteht.
Was Durnwalder fordert, sind Zustände wie in Polen, wo die Gerichte nicht mehr unabhängig sind, sondern der Politik unterstellt werden, was völlig gegen europäische Grundwerte verstößt.
Herzlos ist hier als auf keinem Fall der amtierende LH, sondern vielleicht jemand anderes.

Opa1950
Opa1950
Tratscher
25 Tage 16 h

O mein Südtiroler Landl, wie weit bist du gesunken. Nur noch Neid und Hass.

inni
inni
Universalgelehrter
25 Tage 11 h

Durnwalder hat seine Zeit als Politiker gehabt … nun soll er
es mal gut sein lassen. Er hat schon genug den Ton angegeben bis hinein in die
letzte Amtsstube und glaubte zu guter Letzt sogar die Justiz gängeln zu können,
bis diese ordentlich zurückschlug und ihn strafrechtlich verurteilte.   

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