Eine nachhaltige Strategie ist notwendig

Duzdar: “Wir sehen nicht die Chancen, die Afrika bietet”

Mittwoch, 13. Dezember 2017 | 06:18 Uhr

“Wir sehen Afrika immer als Kontinent der Krisen, wir sehen aber nicht die Chancen und Möglichkeiten, die Afrika bietet”, zeigt sich Staatssekretärin Muna Duzdar (SPÖ) bei der Diskussionsveranstaltung “Agents of Change – African Youth between Narratives and Reality” am Dienstagabend in Wien überzeugt. Gerade die Digitalisierung biete hier viele Projekte zur weiteren Entwicklung, so Duzdar.

Dazu brauche es freilich eine nachhaltige Strategie und nicht nur Gipfeltreffen alle drei bis vier Jahre, betonte sie. Beim jüngsten gemeinsamen Gipfel der Europäischen und der Afrikanischen Union in Abidjan in Cote d’Ivoire sei sie gerade vom “selbstbewussten und fordernden” Auftreten der afrikanischen Jugendvertreter positiv überrascht gewesen, so Duzdar, als diese meinten, “unsere Führer tun zu wenig”.

Die Kooperation zwischen Afrika und Europa müsse freilich vertieft werden, Österreich könne hier viel anbieten, und unterstütze etwa dem Lehrlingsausbildungssystem ähnliche Programme in Burkina Faso und Äthiopien. Außerdem sei in Uganda ein Wasserprojekt finanziert worden, von dem zwei Millionen Menschen profitieren würden, so Duzdar.

Der ehemalige SPÖ-Europaabgeordnete Hannes Swoboda betonte, es gebe verschiedene Ansichten zur Kooperation zwischen Europa und Afrika. Während manche nur die Migration verhindern möchten, wollten andere Menschen wirklich helfen. Europa brauche jedenfalls eine starke Afrikanische Union als Partner, stimmte Swoboda einer entsprechenden Aussage des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zu. “Die ökonomische und soziale Entwicklung Afrikas ist am Wichtigsten”, so Swoboda, und jedes Land müsse definieren, was für es am besten sei. “Ein großes Thema ist der Kampf gegen die Korruption”, sagte Swoboda.

Der UNHCR-Berater und Direktor des African Youth Networks, Victor Ochen aus Uganda, betonte, dass die Afrikaner “selbst Lösungen für die Probleme finden müssen”. Viele Ursachen und Probleme Afrikas gebe es, aufgrund mangelnder Führung. Afrikanische Politiker würden die Migration ihrer Landsleute oft begrüßen, so Ochen. Zudem sei die Politik oft von Stammesdenken geprägt. Wer in Afrika reich werden wolle, müsse in die Politik gehen. So würde in Uganda ein Parlamentarier zehn Mal so viel verdienen wie ein Arzt.

Der Vorsitzende des “African Diaspora Youth Forum in Europe” (ADYFE), der in Österreich lebende Youssouf Diakite aus Mali, betonte, wie wichtig Bildung für Afrika sei. “Es kann nicht sein, dass die Unternehmen nur nach Afrika kommen, um die Rohstoffe auszubeuten”, so Diakite. Diese müssten stärker besteuert werden und etwa Schulen und Krankenhäuser bauen, forderte er. Denn, “es ist Zeit in junge Menschen in Afrika zu investieren.”

Von: apa