Reste einer Rakete in Odessa

Ein Toter und Verletzte bei Angriffen auf ukrainische Städte

Donnerstag, 20. Juli 2023 | 13:05 Uhr

Von: APA/Reuters/dpa

Russland hat die dritte Nacht in Folge die südukrainischen Hafenstädte Odessa und Mykolajiw aus der Luft angegriffen. Dabei seien ein Mensch getötet und mindestens 19 weitere verletzt worden, teilten die ukrainischen Behörden am Donnerstag mit. Insgesamt hätten die russischen Streitkräfte in der Nacht 19 Raketen und 19 Drohnen abgefeuert. Fünf der Raketen und 13 Drohnen habe die Luftabwehr abgefangen.

Nach Angaben der örtlichen Behörden gerieten durch den Beschuss ein dreistöckiges Gebäude sowie mehrere Garagen in Brand. Aus mehreren anderen Wohngebäuden stieg Rauch auf. Außerdem sei ein Gebäude des chinesischen Konsulats in Odessa beschädigt worden. Der Gouverneur der gleichnamigen Oblast, Oleh Kiper, postete ein Foto von den Schäden. “Der Angreifer attackiert gezielt die Hafeninfrastruktur – Verwaltungs- und Wohngebäude in der Nähe wurden beschädigt, auch das Konsulat der Volksrepublik China”, erklärt Kiper auf Telegram. “Das zeigt, dass der Feind auf nichts achtet.” Russland und China sind miteinander verbündet.

Präsident Wolodymyr Selenskyj schrieb im Kurznachrichtendienst Twitter: “Russische Terroristen setzen ihre Versuche fort, das Leben unseres Landes zu zerstören.” Auch seine Frau Olena Selenska verurteilte die verheerenden Angriffe am Donnerstag auf Twitter. Odessas Bürgermeister Truchanow veröffentlichte im Internet ein Video, bei dem er in einem Kinderzimmer stand, das bei dem Angriff beschädigt worden war. “Ich halte meine Emotionen zurück, weil sie zu groß sind”, sagte er darin.

In Mykolajiw und Odessa schlugen laut der ukrainischen Luftwaffe russische Marschflugkörper vom Typ Oniks (NATO-Code: SS-N-26 Strobile) ein. Diese Waffen werden normalerweise gegen Schiffe eingesetzt. Sie können mit einer Stundengeschwindigkeit von mehr als 3.000 Kilometern auf einer Höhe von zehn bis 15 Metern fliegen.

Russland teilte unterdessen mit, dass bei einem Drohnenangriff auf die annektierte Halbinsel Krim eine Jugendliche ums Leben gekommen sei. “Durch einen feindlichen Drohneneinschlag sind in einer Ortschaft im Nordwesten der Krim vier Verwaltungsgebäude beschädigt worden”, schrieb der von Moskau eingesetzte Statthalter der Halbinsel, Sergej Aksjonow, am Donnerstag auf seinem Telegram-Kanal. Dabei sei auch eine Jugendliche getötet worden, so Aksjonow. Er sprach den Angehörigen sein Beileid aus und kündigte Hilfe für die Hinterbliebenen an.

Russland hat seine Raketen- und Drohnenangriffe auf die ukrainischen Hafenstädte und die umliegenden Gebiete verstärkt. Am Dienstag hatte die Führung in Moskau die Angriffe als Vergeltung für die Explosionen auf der Krim-Brücke bezeichnet. Sie wirft der Ukraine einen erneuten Angriff auf die Brücke vor, die wichtig für die Versorgung der 2014 von Russland annektierten Halbinsel ist. Am Montag zog sich Russland zudem aus dem von der UNO und der Türkei vermittelten Abkommen zum Export von Getreide über das Schwarze Meer zunächst zurück.