Großbritanniens Premier Johnson "vorsichtig optimistisch"

Einigung bei COP26 auf Minderung von Methan-Ausstoß

Dienstag, 02. November 2021 | 21:29 Uhr

Mit Vereinbarungen zum geringeren Methan-Ausstoß und zum Schutz von Wäldern wollen dutzende Staaten den Klimaschutz vorantreiben. Mehr als 80 Staatenlenker schlossen sich bei der Weltklimakonferenz in Glasgow am Dienstag einer Initiative der EU und der USA zur Methan-Emissionsminderung an. Zuvor war eine Erklärung zum Stopp der Entwaldung bis 2030 verabschiedet worden.

Der Methan-Ausstoß soll bis 2030 um mindestens 30 Prozent im Vergleich zu 2020 sinken. Methan ist eines der stärksten Treibhausgase, es ist etwa 80 Mal klimaschädlicher als CO2. Freigesetzt wird es unter anderem in der Landwirtschaft beim Verdauungsprozess von Rindern sowie in der Erdgas-, Erdöl- und Kohleindustrie. Die jüngste Initiative könnte laut Experten eine starke kurzfristige Wirkung im Kampf gegen die Klimakrise haben.

“Eines der wichtigsten Dinge, die wir bis 2030 tun können, um das 1,5-Grad-Ziel in Reichweite zu halten, ist die schnellstmögliche Reduzierung unserer Methan-Emissionen”, sagte US-Präsident Joe Biden mit Blick auf das im Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 gesetzte Ziel, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu begrenzen.

Beteiligt an dem Abkommen sind demnach Länder, die für rund die Hälfte der weltweiten Methan-Emissionen verantwortlich sind. Einige der größten Emittenten wie China, Indien, Russland und Australien schlossen sich dem Vorstoß jedoch nicht an.

Mehr als hundert Staaten einigten sich am Dienstag zudem auf einen verstärkten Kampf gegen die globale Vernichtung der Wälder. Zu den Unterzeichnern zählen auch Brasilien und Russland. “Ich bin froh, dass wir jetzt hier diese Zusammenarbeit hinbekommen haben”, sagte der deutsche Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth zu der Initiative.

Er betonte jedoch, Geld allein reiche nicht für den Schutz der Wälder: “Man braucht schon auch das bewusste Mittun der Länder, die diese Wälder hüten.” Insofern mache es “schon ein Stück Hoffnung”, dass auch Brasilien sich der Vereinbarung angeschlossen habe. Das südamerikanische Land steht genau wie Russland wegen der raschen Abholzung seiner Wälder in der Kritik.

Die hinter der Erklärung stehenden Länder verfügen gemeinsam über mehr als 85 Prozent der Wälder weltweit, darunter die borealen Nadelwälder in Kanada, der Amazonas-Regenwald in Brasilien und der tropische Regenwald im Kongobecken. Unterstützt wird das Vorhaben mit fast 20 Milliarden Dollar (17 Milliarden Euro) an Finanzzusagen.

Der britische Premierminister Johnson zeigte sich angesichts der Vereinbarungen “vorsichtig optimistisch”, dass die Klimakonferenz in ein bedeutsames Abkommen münden könnte. Zur Rettung des Planeten sei es aber noch “ein langer Weg”, betonte er.

Johnson hob die Bedeutung der Wälder für das 1,5-Grad-Ziel hervor. “Der Klimawandel und die biologische Vielfalt sind zwei Seiten derselben Medaille”, sagte er. Auch US-Präsident Biden betonte, die Wälder seien ein “unverzichtbarer Bestandteil, um unsere Klimaziele zu erreichen”.

Allerdings hatten rund 200 Teilnehmer eines UN-Klimatreffens in New York bereits 2014 angekündigt, die Entwaldungsrate bis 2020 zu halbieren und die Entwaldung bis 2030 zu stoppen. Dennoch geht die Abholzung in industriellem Maßstab bisher ungebremst weiter, nicht zuletzt im Amazonas-Regenwald unter der Regierung des rechtsradikalen brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte die Glasgower Initiative als unzureichend. Damit werde praktisch grünes Licht gegeben “für ein weiteres Jahrzehnt der Entwaldung”. Ureinwohner forderten zurecht, dass 80 Prozent des Amazonas bis 2025 geschützt werden müssten, betonte Greenpeace.

Überschattet wird die Klimakonferenz von der Abwesenheit mehrerer Staatschefs großer Treibhausgas-Emittenten wie China und Russland. Dass der chinesische Präsident Xi Jinping nicht nach Glasgow gereist sei, sei ein “großer Fehler”, beklagte US-Präsident Biden am Dienstag. China ist der weltgrößte Treibhausgas-Emittent.

Von: APA/AFP

Kommentare

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17 Kommentare auf "Einigung bei COP26 auf Minderung von Methan-Ausstoß"


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heris
heris
Tratscher
1 Monat 19 h

Die Wiederaufforstung gerodeter Wälder muß viel schneller voran gehen davon würden alle Profitieren  der Mensch und das Klima.

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
1 Monat 18 h

Gerodeter Urwald lässt sich nicht aufforsten!
Vielleicht sollten wir erst mal anfangen alle weniger Fleisch zu essen, dann bräuchte Bolsonaro nicht Land für seine Kühe!

sophie
sophie
Universalgelehrter
1 Monat 17 h

@heris

Genau hab ich vergessen vorher, die Aufforstung ist ein wesentlicher Teil, müsste vor allem im Amazonas geschehen

Faktenschlecker
Faktenschlecker
Grünschnabel
1 Monat 18 h

in Südtirol ist mehr Wald wie früher.wir sind die beschtigschten wieder amol

oli.
oli.
Kinig
1 Monat 17 h

Mag sein , dann musst Du aber die anderen Klimavernichter wie die spritzerei der Obstbauern , Verkehr , Tourismus etc. abziehen was immer mehr wird.

Offline1
Offline1
Superredner
1 Monat 15 h

@oli….mindestens 2 der 3 von Ihnen erwähnten “Sünder” bescheren Südtirol das, was man gemeinhin als Arbeitsplätze, Einkommen, Steuern und Wohlstand bezeichnet. Landwirtschaft und Tourismus tragen im Gegensatz zu der Südtiroler Miniindustrie maßgeblich zum Landeshaushalt bei.

oli.
oli.
Kinig
1 Monat 7 h
@Offline1 , Weinbau und Obstbau kann man mit wenig Aufwand auf Bio , Öko umbauen. Es gibt biologische Spritzmittel die der Chemieindustrie gewachsen ist. Dann wird halt eine Flasche Wein 1 € teurer oder 1 kg Äpfel 0,5 / 1 € , damit der Bauer und seine Arbeiter leben können. War in Geisenheim / Weinsberg Weinbauschule , leider hat es mit St.Michele nicht funktioniert , da wurden einige Themen erarbeitet. Man muss es nur wollen . Mit dem Verkehr und Tourismus das gleiche , der Wille muss da sein. Für mich als Frührentner zu spät um noch mehr zu erarbeiten… Weiterlesen »
halihalo
halihalo
Universalgelehrter
1 Monat 20 h

das wäre ein guter Schritt wenn es nicht nur leere Worte bleiben …hoffen wir !
Wenn wir die Natur zerstören vernichten wir auch unseren Lebensraum , man muß endlich umdenken !

schlauer
schlauer
Tratscher
1 Monat 15 h

@halihalo
Und in Brixen will man allen Ernstes daran denken den Auwald für ein 3D-BETON-Drucker Industriegebäude der Firma Progress zu roden! Ein Wahnsinnsvorhaben in Zeiten des rasanten Klimawandels! Scheinbar ist dies in der Brixner Gemeindestube noch nicht angekommen bzw. die Wirtschaft darf sich auf Kosten der Natur alles erlauben!!
PS. Jetzt im Herbst ist der Auwald eine Farbenpracht ohnesgleichen…

Storch24
Storch24
Kinig
1 Monat 19 h

Bolsonaro weiß davon wahrscheinlich nichts, denn er lässt sich in Norditalien feiern 👎👎👎

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
1 Monat 18 h

Italien hat bekanntlich schon Einiges “gutes” gen Westen exportiert.
Gegen Bolsonaro waren die Zustände in den 20 iger Jahren des letzten Jahrhunderts, Chicago, New York… Kinderkram.

ex-Moechteg.Lhptm.
ex-Moechteg.Lhptm.
Universalgelehrter
1 Monat 19 h

das könnte man doch auch heute schon stoppen ….oder nicht?

Aber 2030 ist auch gut, dann müssen lediglich andere aufhören Genehmigungen auszustellen ….

oli.
oli.
Kinig
1 Monat 17 h

Solange Russland , China und Brasilien keine richtige Interessen für das Klimaziel zeigen wird das nix.
Kleine Länder oder Staaten können die Welt im Alleingang nicht retten , ein Tropfen auf den heißen Stein.
Es muss jeden klar sein es gibt nur diese Erde eine 2. haben wir nicht bei Eurospar zu kaufen.

buggler2
buggler2
Tratscher
1 Monat 15 h

Ob das auch für Südtirols Skipisten gilt

sophie
sophie
Universalgelehrter
1 Monat 18 h

Guter Schritt, Richtung Natur, aber wenn Brasilien und andere wichtige Länder mit grossen Landschafts Flächen mit im Boot sitzen, dann ist dieser Entschluss für die Katz…
Es ist Zeit zum handeln und nicht zum reden….

hundeseele
hundeseele
Superredner
1 Monat 16 h

…und mehr Bäume wieder pflanzen…

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
29 Tage 19 h

Bei der ganzen Walddiskussion hat man einen wichtigen Wald offenbar übersehen: den “Pfälzerwald”.

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