Zahl der Asylanträge auf 1,23 Millionen zurückgefallen

Einwanderung in OECD-Staaten ging zuletzt zurück

Mittwoch, 20. Juni 2018 | 12:05 Uhr

Die restriktivere Einwanderungspolitik vieler Industriestaaten macht sich bemerkbar: Im Vorjahr ist die Zahl der Einwanderer in den OECD-Staaten erstmals seit 2011 gesunken. Fünf Millionen Menschen ließen sich 2017 in den 35 Staaten nieder, das sind um fünf Prozent weniger als 2016, heißt es am Mittwoch im “International Migration Outlook 2018” der Organisation.

Grund dafür ist die “deutliche Reduktion in der Zahl der anerkannten Flüchtlinge”, schreibt die Organisation für Wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (OECD). Andere Zuwanderungsarten seien stabil geblieben oder sogar gestiegen, hieß es etwa mit Blick auf die Personenfreizügigkeit innerhalb der Europäischen Union. Diese sei in allen EU-Staaten mit Ausnahme von Finnland, Frankreich und Schweden der “wichtigste Einwanderungskanal”.

Die Zahl der Asylanträge sei nach den Rekordjahren 2015 und 2016 auf 1,23 Millionen zurückgefallen, aber immer noch “höher als in jedem Jahr vor 2015”. Die USA blieben auch im ersten Amtsjahr des rechtspopulistischen Präsidenten Donald Trump das OECD-Land mit den meisten Asylanträgen (330.000), gefolgt von Deutschland (198.000).

Erstmals legte die OECD in ihrem alljährlichen Bericht auch umfassende Zahlen zur temporären Arbeitsmigration vor. Demnach gab es 4,2 Millionen Gastarbeiter in den OECD-Staaten, was einen Anstieg von elf Prozent bedeutet. Die größten Aufnahmeländer waren Polen (672.000 Gastarbeiter, hauptsächlich aus der Ukraine) sowie die USA (660.000, Hauptherkunftsland Indien), die Zahl der Auslandsstudenten nahm um acht Prozent auf 3,3 Millionen zu.

Der Bericht tritt auch der Darstellung entgegen, wonach die massive Aufnahme von Flüchtlingen in den vergangenen Jahren den europäischen Arbeitsmarkt über Gebühr belasten könnte. Der Zuzug von Flüchtlingen dürfte die Bevölkerung im arbeitsfähigen Alter in Europa bis zum Jahr 2020 “um marginale 0,4 Prozent erhöhen”. Allerdings seien die Auswirkungen von Land zu Land unterschiedlich, und würden auch einzelne Altersschichten besonders betreffen.

Im Bereich von schlecht ausgebildeten Männern könnte sich das gesamte Arbeitskräfteangebot aufgrund der hohen Flüchtlingszahlen in den nächsten zwei Jahren um bis zu 15 Prozent erhöhen. Diesen Spitzenwert erreichen Deutschland und Österreich. Noch stärker werde der Effekt bei den schlecht ausgebildeten 18- bis 34-Jährigen ausfallen. So schätzt die OECD für Österreich, dass sich in diesem Bevölkerungssegment das Arbeitskräfteangebot bis 2020 um 21 Prozent im Vergleich zum Jahr 2013 erhöhen wird.

Daher sei es “genauso wichtig” die Einheimischen zu unterstützen wie Flüchtlinge. Allerdings zeigen vergangene Flüchtlingswellen, etwa jene vom Balkan in den 1990er Jahren, “dass Flüchtlinge nur eine geringe mittel- bis langfristige Auswirkung auf den Arbeitsmarkt für Einheimische haben. Wenn es eine Auswirkung gab, dann war sie positiv.” Kurzfristig dürfte es aber zu einem Anstieg der Arbeitslosenzahlen kommen, der in Deutschland bis zu sechs Prozent erreichen könnte, in Österreich, Luxemburg und Schweden um zwei bis vier Prozent.

Von: apa