Beratungen nach Fällen von Thrombosen und Embolien

EMA für weitere Anwendung von AstraZeneca und mehr Analysen

Donnerstag, 18. März 2021 | 22:06 Uhr

Der Corona-Impfstoff von AstraZeneca ist der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA zufolge sicher. Es werde aber eine Warnung vor seltenen Blutgerinnseln (Thrombosen) in Hirnvenen bei den möglichen Nebenwirkungen aufgenommen, hieß es bei einem Briefing der Behörde in Amsterdam. Die Vorteile der Vakzine würden die Nachteile überwiegen, sagte EMA-Direktorin Emer Cooke: Das Mittel sei “sicher und effektiv” gegen Covid-19.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) und Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) begrüßten die Empfehlung jeweils in spontanen Reaktionen: Kurz sah auch den Weg österreichischer Experten bestätigt, Anschober betonte zudem die Wichtigkeit eines gemeinsamen Vorgehen in Europa und verwies auf die das Nationale Impfgremium (NIG), das am Donnerstag tagt. Wie es aus dem Büro von Anschober hieß, habe das letzte Wort bei der Beurteilung der Einschätzung zwar das NIG, das noch am Abend tagt. Es sei aber davon auszugehen, dass dieses die Meinung der EMA weitestgehend teilen werde

Vonseiten der EMA hieß es, dass weitere Untersuchungen bezüglich einer Reihe von Vorfällen mit Blutgerinnseln nach einer Impfung mit dem Mittel nötig sein werden. Es lägen einige Fallberichte vor, die sich auf äußerst seltene Fälle von Thrombosen der Hirnvenen beziehen, sagte Sabine Straus vom Pharmacovigilance Risk Assessment Committee (PRAC) der EMA in Amsterdam. Die Datenlage sei noch nicht ausreichend, um sicher zu sagen, ob ein Zusammenhang mit AstraZeneca ausgeschlossen werden kann. Der Ausschuss empfiehlt daher, ein höheres Bewusstsein für Risiken zu schaffen und diese im Beipackzettel der Impfung zu berücksichtigen.

Kurz begrüßte die Entscheidung der EMA. “Die Entscheidung war erwartbar. Die EMA hat noch einmal bestätigt, dass alle Impfstoffe, die von der EMA zugelassen worden, verwendet werden sollen und insofern bestätigt das auch den Weg den die österreichischen Experten ohnehin schon eingeschlagen haben.” Er hoffe, dass das etwas Beruhigung mit sich bringe und die Verunsicherung in der Bevölkerung wieder abnehmen könne, so Kurz am Donnerstag in Berlin. “Die unterschiedlichen Reaktionen in verschiedenen Mitgliedstaaten haben natürlich zu Verunsicherung in der Bevölkerung geführt”, eine Entscheidung der zuständigen europäischen Stelle sei daher gut, betonte der Bundeskanzler.

Anschober betonte in einem Statement gegenüber der APA, dass es richtig gewesen sei, statt einer vorschnellen politischen Entscheidung von der EMA eine detaillierte Untersuchung und Empfehlung eingefordert haben. “Es ist wichtig, dass die EMA heute eine klare Entscheidung getroffen hat: die Fortführung der Impfungen mit dem Impfstoff von AstraZeneca und entsprechende Anpassungen der Fachinformationen des Impfstoffes sind die Grundaussage. Für mich ist ein gemeinsames europäisches Vorgehen besonders wichtig”, so der Ressortleiter. Er verwies weiters auf das Nationale Impfgremium (NIG), das sich noch am Donnerstag mit dieser Entscheidung und den Konsequenzen für Österreich auseinandersetzen werde.

Mehrere Länder, darunter die EU-Staaten Deutschland und Frankreich, hatten Impfungen mit der Vakzine des britisch-schwedischen Herstellers vorübergehend ausgesetzt, nachdem vereinzelt Fälle von Thrombosen und Lungenembolien gemeldet worden waren. In Deutschland gibt es inzwischen 13 gemeldete Fälle von Blutgerinnseln in Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zu Impfungen, teilte das Gesundheitsministerium in Berlin mit.

Auch in Österreich wird seit rund zwei Wochen der Todesfall einer Krankenschwester (49) untersucht, die zeitnah zur Impfung in Niederösterreich verstarb, ein kausaler Zusammenhang wurde bisher nicht festgestellt. Das Nationale Impfgremium (NIG) riet von einem Impfstopp ab. Auch die Weltgesundheitsorganisation meldete sich mit Empfehlungen für die Weiterverwendung zu Wort. Am Freitag will sich die WHO erneut zu AstraZeneca äußern.

Großbritanniens Arzneimittelbehörde MHRA erklärte am Donnerstag, dass bisher nichts darauf hindeute, dass der Impfstoff Blutgerinnsel verursacht. Man untersuche aber eine sehr seltene und spezielle Art solcher Vorfälle im Gehirn: “Eine weitere, detaillierte Überprüfung von fünf britischen Berichten über eine sehr seltene und spezifische Art von Blutgerinnseln in den Hirnvenen, die zusammen mit verminderten Blutplättchen auftraten, ist im Gang.”

Die EU und auch Österreich setzen stark auf AstraZeneca, weil das Mittel nicht stark gekühlt werden muss, leichter transportiert und auch von den Hausärztinnen und -ärzten eingesetzt werden kann. Bis Ende des zweiten Quartals 2021 sollten 4,6 Millionen Menschen in Österreich bzw. 63 Prozent der Erwachsenen einen Impfschutz erhalten haben, sofern alles glattgeht und die verschiedenen Hersteller die erwarteten Liefermengen einhalten, hatte Anschober kürzlich festgestellt. Darin eingeplant sind 5,9 Millionen Dosen von AstraZeneca.

Der Verband der pharmazeutischen Industrie Österreichs (Pharmig) reagierte auf die EMA-Empfehlung per Aussendung, die schnelle Reaktion zeige das Funktionieren der Überwachungssysteme: “Nationale Alleingänge verunsichern und führen zu Verzögerungen, die uns wirtschaftlich und auch persönlich enorm belasten”, warnte Pharmig-Generalsekretär Alexander Herzog, Generalsekretär der PHARMIG: “Die schnelle Reaktion der Behörde zeigt, wie gut die Überwachungssysteme funktionieren.

Von: apa

Kommentare

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15 Kommentare auf "EMA für weitere Anwendung von AstraZeneca und mehr Analysen"


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Jiminy
Jiminy
Kinig
27 Tage 12 h

ahhh wenn’s der Kurz sagt… 🤦‍♂️ Den Politikern ist wohl nichts zu blöd!

Doolin
Doolin
Superredner
27 Tage 14 h

…nützt nichts mehr…die 💩 ist schon passiert…
🤪

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
27 Tage 10 h
Die Entscheidung zeichnet sich bereits ab. Ob sich nach all dem medialen Rummel noch jemand mit dem Wirkstoff impfen lässt ist eine andere Frage. Mein Vorschlag: gebt den Impfstoff an arme Länder weiter wenn sich die kritischen Europäer dafür zu fein sind, denn es gibt noch sehr viele Staaten, die bisher völlig leer ausgegangen sind, in puncto Impfungen. In diesen Ländern wird das Virus weiter grassieren und vor allem mutieren, während wir alle immunisiert der Normalität entgegen fiebern, kommt vielleicht in 1-2 Jahren die, sagen wir mal, nicaraguanische Variante daher gegen die dann evtl keine Impfung wirkt. Das Problem besteht… Weiterlesen »
primetime
primetime
Universalgelehrter
26 Tage 22 h

Starkes Stück jemand als “zu fein” zu erklären wenn er diesen Impfstoff nicht will weil es Zwischenfälle gegeben hat. Solange man nicht (wie auch immer) ausschließen kann warum es einen trifft sollte man vorsichtig sein. Ich persönliche würde auch passen und auf was anderes warten bei dem es bisher keine Meldungen gab.
Oder kaufst du dir auch freiwillig einen Golf bei welchem es im voraus vereinzelt Meldungen über defekte Bremsen gibt? Wartest du wohl eher bis dieses Problem behoben wurde und wenn es nötig ist kaufst du ein anderes?

Grantelbart
Grantelbart
Universalgelehrter
26 Tage 7 h

@primetime:
Die Daten sind da! ZigMillionen wurden geimpft. Bei jeder Kopfschmerztablette kann einem der Magen bluten oder der Herzinfarkt drohen. Aber sobald es ums Impfen geht gelten andere Massstäbe, wehe es gibt Nebenwirkungen und seien sie noch so selten. Lieber die Wirtschaft und Psyche der Menschen noch für ein weiteres Jahr mit Schwung an die Wand fahren. Hier geht es um Verhältnismässigkeit. Auch die Medien tragen Verantwortung wenn nun im grossen Stil Impftermine abgesagt werden wegen viel Lärm um nichts.

primetime
primetime
Universalgelehrter
26 Tage 4 h

Schlechter Vergleich mit dem Aspirin. Aber egal, gewisse wollen das Prinzip einfach nicht verstehen. Zum Glück kann jeder selber entscheiden wie er will

Reader
Reader
Grünschnabel
27 Tage 11 h

Die Leute die so etwas zulassen werden euch immer die richtigen Informationen und die absolute Wahrheit präsentieren

Diezuagroaste
Diezuagroaste
Superredner
27 Tage 10 h

Herr Kurz kann nicht mehr zurückrudern. 🙈🙉🙊

eisern
eisern
Tratscher
27 Tage 4 h
Diese ganze Diskussion ist einfach furchtbar. Jedes Medikament hat Nebenwirkungen und die müssen auch genannt werden. Wenn jemand sich freiwillig gegen Malaria impfen lässt rechnet er mit Nebenwirkungen. Nur weil die Politiker Angst vor Schadensersatzforderungen haben ist jetzt das ganze Theater. Natürlich ist es furchtbar wenn jemand nachweislich durch eine Impfung stirbt aber wenn man dadurch Millionen Menschen retten kann muss man leider abwägen. Ich bin mit Astra-Zeneca geimpft und sehr dankbar das ich die Möglichkeit hatte und auch die zweite Impfung möchte ich gerne bekommen weil ich bei uns im Krankenhaus einige Covid-Erkrankte erlebt habe und Kollegen von mir… Weiterlesen »
Guennl
Guennl
Tratscher
27 Tage 56 Min

11 Millionen Dosen verimpf und nur” 3 Tote. kann das jemand ausrechen ?

info
info
Tratscher
27 Tage 4 h

Nach wirklich neuen Erkenntnissen klingt das jetzt nicht…

Trina1
Trina1
Universalgelehrter
27 Tage 1 h

Sollen mal aufhören mir kommt grad vor, dass das Thema behandelt wird wie die Apfelsorten. Um so mehr um so besser.😷

primetime
primetime
Universalgelehrter
26 Tage 22 h

“Die Vorteile der Vakzine würden die Nachteile überwiegen” Das stimmt soweit, aber wenn man mit den Gedanken im Hinterkopf hat DASS es zum Tod führen kann überlege ich mir 2 Mal ob ich nicht passe bis was anderes verfügbar ist bei dem es keine Zwischenfälle gibt.

Joo
Joo
Grünschnabel
26 Tage 12 h

Tuesch sel nof a jeds mol wenne a paracetamol nimmsch oder? I tet mor amol die nebenwirkungen fa die medikamente durchlesn, nor wersch sechn, dass so epps relativ normal isch und zwor deswegn weil du koan medikament entwickeln konnsch des wos koane nebenwirkungen hot. Apor leit triffts holt und wenns 3 von 11Mio. sein nor isch sel a gueter wert.

primetime
primetime
Universalgelehrter
26 Tage 10 h

Ich gebs auf zu erklären denn die windfahndltaktik hier ist einfach zu groß

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