Auch Joe Biden sprach per Video-Schaltung zu den Trauernden

Emotionale Trauerfeier für George Floyd in Houston

Dienstag, 09. Juni 2020 | 21:21 Uhr

Gut zwei Wochen nach seinem Tod bei einem brutalen Polizeieinsatz haben die Angehörigen und Hunderte Ehrengäste Abschied von dem Afroamerikaner George Floyd genommen. Vor der Beisetzung kam die Trauergemeinde am Dienstag in der Kirche “The Fountain of Praise” in Houston im US-Bundesstaat Texas bei einer berührenden Trauerfeier zusammen.

Der designierte demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden drückte seine Anteilnahme in einer Videobotschaft aus, die in der Kirche gezeigt wurde. Biden rief zur Überwindung von Rassismus auf. Amerika habe keine andere Wahl, als es in Zukunft besser zu machen. “Wir können die Wunden dieser Nation heilen”, sagte Biden.

Bereits am Montag waren Tausende zu Floyds aufgebahrtem Leichnam in die Kirche in Houston geströmt. Floyd war in der texanischen Metropole aufgewachsen. Auch am Dienstag nahmen noch Menschen Abschied am goldfarbenen Sarg. Auf der Bühne standen zwei Bilder Floyds, die ihn mit Engelsflügeln und einem Heiligenschein zeigten. Ein Künstler malte während der von Gospel-Musik begleiteten Zeremonie ein weiteres Porträt von ihm.

Der Bürgerrechtler Al Sharpton und andere Würdenträger schritten am Dienstag bei brütender Hitze mit Verwandten und Freunden Floyds durch ein Spalier von Trauernden und amerikanischen Fahnen in die Kirche. Sharpton wollte auch die Trauerrede für den 46-Jährigen halten, der in Houston im US-Bundesstaat Texas aufgewachsen war. Nach dem Gottesdienst mit rund 500 geladenen Gästen sollte eine Kutsche Floyds sterbliche Überreste zum knapp 25 Kilometer entfernten Friedhof Houston Memorial Gardens bringen. Dort war die Beisetzung Floyds neben seiner Mutter geplant.

An der Zeremonie in Houston nahmen auch andere Afroamerikaner teil, deren Verwandte durch Weiße getötet worden waren. Unter ihnen waren die Mutter von Eric Garner, einem New Yorker, der im Würgegriff der Polizei starb, sowie die Familie von Ahmaud Arbery, einem 25-Jährigen aus dem Bundesstaat Georgia, der im Februar beim Joggen erschossen wurde. Drei Weiße sind in dem Fall als Tatverdächtige angeklagt.

Floyd war am 25. Mai bei einem brutalen Polizeieinsatz ums Leben gekommen. Ein weißer Polizeibeamter hatte sein Knie fast neun Minuten lang in den Nacken des am Boden liegenden Mannes gedrückt – trotz seiner wiederholten Bitten, ihn atmen zu lassen. Der Polizist und drei an dem Einsatz beteiligte Kollegen wurden entlassen, festgenommen und angeklagt. Floyd war wegen des Verdachts, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben, festgenommen worden. Sein Tod löste Massenproteste gegen systematischen Rassismus und Polizeigewalt im ganzen Land und auch weltweit aus.

Ex-US-Vizepräsident Biden war am Montag persönlich nach Houston gereist, um Familienangehörige von Floyd zu treffen, darunter dessen sechs Jahre alte Tochter Gianna. In seiner Videobotschaft zeigte er sich am Dienstag empathisch, sprach von einem “tiefen Loch” in den Herzen der Familie und der Freunde – und bekam Applaus der Trauergemeinde.

“Wir wissen, dass ihr nie wieder dasselbe fühlen werdet”, sagte Biden. Zu viele Schwarze in den USA “wachen auf und wissen, dass sie ihr Leben verlieren können, indem sie einfach ihr Leben leben”, beklagte Biden. “Wenn George Floyd Gerechtigkeit erfährt, werden wir wirklich auf unserem Weg zur Rassengerechtigkeit in Amerika sein.” Dann würden Giannas Worte wahr, fügte Biden an die Adresse der Tochter hinzu: “Dein Vater wird die Welt verändert haben.”

US-Präsident Donald Trump äußerte sich zunächst nicht zu der Trauerfeier, stattdessen griff er einen verletzten Demonstranten per Twitter an. Trump sprach am Dienstag im Kurzbotschaftendienst mit Blick auf eine Polizeiattacke gegen einen 75-jährigen Demonstranten in der Stadt Buffalo von einem möglichen “abgekarteten Spiel”.

Bei dem Demonstranten Martin Gugino könnte es sich um einen “Antifa-Provokateur” handeln, schrieb Trump. “Ich habe es mir angeschaut, er ist härter gefallen, als er gestoßen wurde.” Gugino habe außerdem anscheinend “die Polizeikommunikation gescannt, um die Ausrüstung auszuschalten”, schrieb der Präsident weiter. Womöglich handle es sich um ein “abgekartetes Spiel”.

Ein Video von der Polizeiattacke auf Gugino in Buffalo im Bundesstaat New York hatte vergangene Woche für Empörung gesorgt: Bei Demonstrationen gegen Polizeigewalt nach Floyds Tod hatten zwei Polizisten den 75-Jährigen niedergestoßen, der sich ihnen genähert hatte. Gugino fiel rücklings auf den Boden und blieb regungslos, am Kopf blutend liegen. Er befindet sich nach wie vor im Krankenhaus. Die beiden Polizisten wurden suspendiert, gegen sie laufen Ermittlungen.

New Yorks Gouverneur Andrew Cuomo kritisierte Trumps Tweet am Dienstag scharf. Der Präsident verbreite “Verschwörungstheorien”, erklärte der Demokrat auf Twitter. Gugino befinde sich immer noch im Krankenhaus, und Trump diskreditiere ihn. “Das ist grausam und rücksichtslos.”

Trump hat Floyds Tod mehrfach verurteilt. Ihm wird aber vorgeworfen, sich nicht klar gegen Rassismus zu positionieren und nicht genug Verständnis für den Zorn über Diskriminierung und Ungerechtigkeit im Land zu zeigen.

Floyds Nichte Brooke Williams sagte beim Gottesdienst: “Keine Hassverbrechen mehr, bitte. Jemand hat gesagt: “Make America Great Again”. Aber wann war Amerika jemals großartig?” “Amerika wieder großartig machen” war Trumps zentraler Wahlkampfslogan 2016. Williams bekam für ihre Worte viel Applaus.

Am Trauergottesdienst nahmen auch Floyds Kinder Gianna und Quincy Mason teil. Sein ältester Sohn trug wie andere Trauergäste eine Schutzmaske mit der Aufschrift: “I can’t breathe” (“Ich kann nicht atmen”). Dies und Rufe nach seiner Mutter waren Floyds letzte Worte, als ein Polizist am 25. Mai in Minneapolis fast neun Minuten lang auf seinem Hals kniete, bis er erstickte. Sie sind zu einem Motto bei den Protesten gegen Polizeigewalt und Rassismus geworden.

Der Tod Floyds hat nicht nur Massenproteste in aller Welt ausgelöst, sondern auch eine Debatte über Polizeireformen in den USA. Der Bürgermeister von Houston, Sylvester Turner, kündigte bei der Trauerfeier für Floyd ein Verbot von Würgegriffen und andere Maßnahmen gegen Polizeigewalt an. “In dieser Stadt werden wir Deeskalation verlangen. In dieser Stadt wird man eine Warnung geben müssen, bevor man schießt”, sagte Turner. “In dieser Stadt hat man die Pflicht, einzuschreiten.”

Nach der Zeremonie in der Kirche sollte Floyds Leichnam am Dienstagnachmittag (Ortszeit) – eskortiert von der Polizei – zu einem Friedhof in der Nachbarstadt Pearland gebracht werden. Die letzte Meile (etwa 1,6 Kilometer) der Prozession sollte sein Sarg offiziellen Angaben zufolge in einer Pferdekutsche transportiert werden. Nach übereinstimmenden Medienberichten sollte Floyd anschließend neben dem Grab seiner Mutter beigesetzt werden. Entlang der Strecke wurde mit vielen Zuschauern gerechnet. Die Stadt Pearland warnte vor extremen Temperaturen von weit mehr als 30 Grad.

Von: APA/dpa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

17 Kommentare auf "Emotionale Trauerfeier für George Floyd in Houston"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Mrs_Pocahontas
24 Tage 4 h

Ich bin davon überzeugt, dass der Tod von George Floyd, so tragisch er auch ist, und diese ganze Rassismusdebatte bewusst von den Medien hochgespielt und instrumentalisiert wird. Ein geschickter Schachzug, um schwarze Nichtwähler zu mobilisieren, damit sie im Herbst für die Demokraten stimmen…

falschauer
24 Tage 7 Min

wäre das so schlimm…? demokratie ist unser höchstes gut, wer weiß wie lange noch!… das gegenteil wäre eine diktatur, nein danke!

felixklaus
felixklaus
Superredner
23 Tage 23 h

Schon wieder so eine verschwörungstheorie!

M_Kofler
M_Kofler
Superredner
23 Tage 22 h
Mrs_Pocahontas Sicherlich nicht ganz unwahr, aber 1. das als Hauptgrund abzustempeln zeugt auch von deinem Unwissen, wie es der afroamerikanischen Gesellschaft im Alltag geht; das ist nicht was erfundenes, das ist Realität. EIn Präsident, der in der kritischsten Phase dann nochmal Öl ins Feuer gießt und eigentlich nur Hass und Ablehnung über die Jahre gezeigt hat, macht dann den Rest, dass dies nun verwendet wird 2. wie war das damals mit der Trump-Wahl? Social-Media Trollerei, Cambridge Analytics, Beeinflussung durch russische Institutionen, etc. Achtung, auch eine reine Behauptung, wie halt deine auch 🙂 das us-amerikanische System ist als ganzes kaputt, das… Weiterlesen »
Pacha
Pacha
Superredner
23 Tage 21 h

@falschauer……..schlimm ist, wenn ein Kandidat für das Präsidentenamt eine Trauerfeier indirekte als Wahlwerbung mißbraucht. Den Demokraten scheint sowieso jedes Mittel recht zu sein um das gewünschte Wahlergebnis zu erreichen. Sie zeigen mit den Finger auf andere und glauben selbst über den Dingen zu stehen, schöne Demokratie!

Mrs_Pocahontas
23 Tage 20 h
@M_Kofler Möglicherweise liege ich mit meiner Annahme falsch und es handelt sich um einen puren Zufall, der dem bereits totgeglaubten Biden in die Hände spielt. zu 1. Ich bestreite nicht, dass es in den Usa ein Problem mit Rassismus gibt, wobei man auch sagen muss, dass sich vieles relativiert, wenn man Statistiken richtig lesen kann. Es ist aber auffällig, dass, obwohl es bereits ähnliche Fälle, wie die von George Floyd gab, genau dieser extrem hochgespielt wird. Und das kurz vor dem Wahlen. Trumps Wahlsieg war nahezu sicher und plötzlich wackelt seine Wiederwahl. Ein Schelm der Böses dabei denkt… zu 2.… Weiterlesen »
M_Kofler
M_Kofler
Superredner
23 Tage 20 h

Pacha
und dass immer mehr Republikaner gegen Trump sind, dazu möchtest dann lieber nix sagen? Natürlich, würde dann gegen die linksversifften Demokraten kein Vorteil sein.
Als ob irgendeine Seite in den USA besser ist als die andere … aber bitte, sei naiv und glaube das.

M_Kofler
M_Kofler
Superredner
23 Tage 18 h
Mrs Pochahontas 1. ok dann sind wir uns einer Meinung, dass wir uns nicht einig werden. Es geht immer mehr auf eine Verschwörung der Demokraten raus und auf das Thema gehe ich nicht ein. Liest man die Blogs und Beiträge von Blacklifemathers-Aktivisten, versteht man auch warum dieser Fall besonders polarisiert; Trump hat hier einen riesen Anteil, auch wenn das vielleicht nicht gern gehört wird. Alle “Thoerien” über die achso bösen Demokraten glaube ich erst, wenn man ENDLICH mal was beweisen kann. Ich finde es interessant, dass nur mehr den Demokraten diese Karte hingeschoben wird, seit Trump da ist, sind Republikaner… Weiterlesen »
M_Kofler
M_Kofler
Superredner
23 Tage 18 h

P.S. Trumps Wahlsieg war nahezu sicher? da ist mir wohl was entgangen, aber hier noch ein Gedanke dazu: bei Trumps Bekanntgabe der Kandidatur, hatte ihn auch keiner auf dem Schirm, das Ergebnis kennen wir …. ist das nun auch eine Verschwörung,die dort stattgefunden hat? 🙂

falschauer
23 Tage 17 h

@Pacha… allen ist jedes mittel recht um das gewünschte wahlziel zu erreichen, diesbezüglich muss sich niemand etwas vormachen, trump war das beste beispiel

Mrs_Pocahontas
23 Tage 13 h
@M_Kofler Warum Trump einen besonders großen Anteil an George Floyds Tod haben soll, müsstest du erklären. Du stellst eine Behauptung ohne Argumentation in den Raum. Dass sich die Demokraten die aktuelle Debatte zu nutze machen und dabei von den Medien unterstützt werden, wirst du sicher nicht abstreiten. Unabhängig von Verschwörungstheorien. 🙂 Von den Republikanern (von denen ich im übrigen auch kein Fan bin), habe ich nichts geschrieben. Eine nahezu sichere Wiederwahl Trumps war wohl etwas übertrieben, aber mit Zustimmungswerten im Mai von 49% auch nicht unwahrscheinlich. Biden hingegen hat durch diverse Versprecher und Pannen bereits im Vorwahlkampf für Verwunderung gesorgt.… Weiterlesen »
M_Kofler
M_Kofler
Superredner
22 Tage 23 h
Ein Präsident, der tlw. von KKK- und Neonazi-Gruppierungen supported wird, wo überall konföderierten-Fahnen schwingen kaum tritt er irgenwo auf und der in seinem Wahlkampf ganz gezielt diese Wählerschaft anvisiert hat, wird wohl kaum viele Menschen mit anderer Kultur / Hautfarbe ansprechen oder? Er sagte ja selbst einige in diesen (rassistischen) Gruppierungen seien “very fine people” …….. Während seines Wahlkampfes und auch danach ignorierte er das Thema Rassismus, hat mit verschiedensten Aussagen dazu noch Öl ins Feuer gegossen. Charlottesville lässt grüßen. Das meine ich damit, dass Trump seinen Teil dazu beigetragen hat. Soll aber in keinster Weise heißen, dass er der… Weiterlesen »
Zeus
Zeus
Grünschnabel
24 Tage 2 h

Er wurde verdächtigt mit gefälschten Geld bezahlt zu haben ?
Engelsflügel und Heilgenschein ????

Mrs_Pocahontas
23 Tage 20 h

Er war auch wegen bewaffnetem Raubüberfall an einer Schwangeren 5 Jahre im Gefängnis. Einige Medien bezeichnen ihn deshalb als “kleinkriminell”

Jean
Jean
Neuling
23 Tage 23 h

Nach meiner Meinung wird das alles übertrieben!

Tantemitzi
Tantemitzi
Universalgelehrter
23 Tage 23 h

Traurig, das heint Veränderungen lai stottfinden, wenn sich die Medien dofier interessieren! So long kämpfen ondre schun (ohne Kameras) für Gerechtigkeit und gegen Polizeigewalt und es hot NIX gebracht.  Itz hupfn plötzlich weltweit olle af den Zug auf und folln vor laufenden Kameras af die Knie ……  noa hoffmo holt, dass sel itz wenigstens für die Zukunft eppas bring a wenns in de, de vorher sterben gimisst hom nicht mehr hilft und deren “Mörder” olm no frei umma lafn.

Server
Server
Tratscher
23 Tage 21 h

George, R.I.P.
Du hast die Welt verändert.
Und ich sage: ” Every life matters, here and everywere”@ Thanks!

wpDiscuz