Wie lange kann das noch gut gehen?

Entsetzte Reaktionen auf Trumps Schweineblut-Tweet

Freitag, 18. August 2017 | 15:17 Uhr

US-Präsident Donald Trump hat nach dem Anschlag von Barcelona mit einem Tweet entsetzte Reaktionen ausgelöst. Trump legte der Welt nahe, im Kampf gegen Terrorismus die Methoden des US-Generals John Pershing zu studieren. Dieser soll vor mehr als 100 Jahren Moslems mit Projektilen erschossen haben, die er vorher in Schweineblut getränkt hat. Diese Legende ist mehrfach widerlegt.

Der Legende nach hat der US-General vor mehr als 100 Jahren auf den Philippinen 50 muslimische Gefangene mit Projektilen exekutiert haben, die er zuvor in Schweineblut getaucht hatte. Mit dem Blut der für gläubige Muslime unreinen Tiere sei ihnen der Weg ins Paradies versperrt gewesen. Trump dazu: “Danach gab es 35 Jahre keinen islamistischen Terror mehr!”

In zahlreichen Reaktionen auf Trumps Tweet hieß es in sozialen Netzwerken und anderen Medien, während die Welt noch um die Toten von Barcelona trauere, verweise der Präsident der Vereinigten Staaten auf eine Lüge, in der die Exekution Gefangener glorifiziert werde.

Die “New York Times” schrieb, der US-Präsident lasse in offensichtlich großer Bedrängnis wieder ganz den ungezügelten Wahlkämpfer heraus. Andere US-Medien wiesen darauf hin, dass Trump nur Stunden gebraucht habe, um sich zu Barcelona in eindeutigster Weise zu positionieren. Dagegen wolle er die tödliche Gewalt bei einer Kundgebung von Rassisten in Charlottesville auch nach mehr als fünf Tagen nicht als Terrorismus brandmarken.

Abgesehen vom fehlenden Wahrheitsgehalt des Trump-Tweets wiesen Historiker am Freitag auf die möglicherweise weitreichenden Folgen hin, wenn ein Präsident der Vereinigten Staaten nahelege, man könne Terroristen nur mit brutalsten Kriegstechniken beikommen.

Trump hatte diese Legende bereits mehrfach im Wahlkampf 2016 zitiert. Laut Historikern gibt es keinerlei Anlass, die Geschichte um Pershing für wahr zu halten, die sich angeblich in den Jahren der Moro-Rebellion (1899-1913) zugetragen haben soll.

Trump, der Medien die Verbreitung von gefälschten Nachrichten vorwirft, interessierte sich schon im Wahlkampf nicht dafür, dass seine Behauptung nicht wahr ist. Auch die moralisch fragwürdige Ebene seiner Einlassungen und ein klarer Verstoß gegen das Völkerrecht, hätte Pershing denn tatsächlich so gehandelt wie behauptet, waren ihm gleichgültig.

Für Trump geht eine bemerkenswert schlechte Woche zu Ende. Ihm schlägt besonders scharfe Kritik entgegen, weil er nach gewalttätigen Zusammenstößen in Charlottesville Rassisten und Gegendemonstranten auf eine Stufe gestellt hatte. Kommentatoren sahen dies als Wendepunkt und potenziellen Bruch seiner Präsidentschaft. Andere verweisen darauf, dass Trump bisher alles politisch überlebt hat.

Vonseiten der Republikaner kam die mit schärfste und direkteste Kritik vom prominenten US-Republikaner Bob Corker: “Der Präsident war bisher nicht fähig, die Stabilität oder etwas von der Kompetenz an den Tag zu legen, die er braucht, um erfolgreich zu sein”, sagte er.

Der Senator sprach Trump das Verständnis für das Wesen der USA ab. “Er hat zuletzt nicht zu erkennen gegeben, dass er verstanden hätte, was dieses Land gestern und heute groß gemacht hat”, sagte Corker.

Ein ehemaliger Ghostwriter von Donald Trump ist inzwischen überzeugt, dass der US-Präsident noch dieses Jahr zurücktreten wird. Der Verfasser von Trumps berühmtem Buch “The Art of the Deal” (Die Kunst des Erfolges), Tony Schwartz, erklärte über Twitter: “Trump wird zurücktreten und seinen Sieg verkünden”, bevor er wegen der Russland-Affäre gezwungen werde.

Schwartz schrieb weiter: “Trumps Präsidentschaft ist tatsächlich vorbei. Wäre überrascht, wenn er bis zum Ende des Jahres überlebt.” Er prognostizierte, dass Trump wahrscheinlich im Herbst, wenn nicht früher, zurücktreten werde – bevor ihm der US-Sonderermittler Robert Mueller und der Kongress keine Wahl mehr lassen würden. Mueller untersucht mögliche Absprachen zwischen dem Trump-Team und russischen Regierungsvertretern im Wahlkampf.

Der Ghostwriter Tony Schwartz hatte 18 Monate mit dem Immobilienmilliardär verbracht, während er den 1987 erschienenen Bestseller schrieb. Im vergangenen Jahr während des Wahlkampfes hatte er zugegeben, ein schlechtes Gewissen zu haben, weil “ich dazu beigetragen habe, Trump auf eine Weise darzustellen, die ihm mehr Aufmerksamkeit brachte und ihn ansprechender machte, als er ist”.

Von: APA/ag.