Erodgan führte auch bilaterale Gespräche

Erdogan bittet Auslandstürken um “Rekordzahl an Stimmen”

Sonntag, 20. Mai 2018 | 22:21 Uhr

Gut einen Monat vor den Wahlen in der Türkei hat Präsident Recep Tayyip Erdogan die Türken im Ausland am Sonntag um massenhafte Unterstützung gebeten. “Seid ihr bereit, mich mit einer Rekordzahl an Stimmen in der Präsidentenwahl zu unterstützen?”, fragte Erdogan bei einer Wahlkampfveranstaltung vor etwa 20.000 jubelnden Auslandstürken im bosnischen Sarajevo. Aus Österreich kamen rund 1.300.

Bei den Präsidenten- und Parlamentswahlen am 24. Juni gehe es um eine Entscheidung “für das nächste Jahrhundert unseres Landes”, so Erdogan weiter. “Seid ihr bereit, den Terrororganisationen und ihren lokalen und ausländischen Handlangern eine Osmanische Ohrfeige zu verpassen?”, fragte er. Die “Osmanische Ohrfeige” oder auf türkisch “Osmanli tokadi” hat ihren Ursprung in der osmanischen Armee. Hatten die Soldaten während eines Kampfes keine Waffen mehr zur Verfügung, benutzten sie ihre Hände.

Nach den Worten des türkischen Präsidenten haben die europäische Staaten, die sich als Wiege der Demokratie betrachteten, “die Prüfung nicht bestanden”. “Wir sind heute in Sarajevo. Bosnien-Herzegowina hat damit gezeigt, dass es ein demokratischer Staat ist.”

Die meisten Teilnehmer an der Wahlkampfveranstaltung für Auslandstürken in Sarajevo waren aus Deutschland, Österreich und den Niederlanden, aber auch aus den Nachbarstaaten wie Serbien angereist. “Das bosnische Volk hat gezeigt, dass unsere Jahrhunderte alte Freundschaft weiter bestehen wird”, unterstrich Erdogan. Der Balkan war einige Jahrhunderte Teil des Osmanischen Reiches.

Die Türkei habe keine versteckten Absichten gegenüber Bosnien-Herzegowina, Ankara wolle zur Stabilität des Balkan-Landes beitragen, versicherte Erdogan nach Angaben der kroatischen Agentur Hina. Er erwarte aber volle Kooperation im Kampf gegen den “FETÖ-Kraken”, also die Bewegung des Prediger Fethullah Gülen, die Erdogan für den fehlgeschlagenen Putsch 2016 verantwortlich macht.

Der von der Union der Europäisch-Türkischen Demokraten (UETD) – sie gilt als Auslandsorganisation der Erdogan-Partei AKP – organisierten Kundgebung wohnte auch Bakir Izetbegovic, das bosniakische Mitglied der bosnischen Staatsführung, bei. Izetbegovic hatte zuvor mit Erdogan Gespräche über bilaterale und regionale Beziehungen geführt. Die beiden anderen Mitglieder des Staatspräsidiums, der Serbe Mladen Ivanic und Kroate Dragan Covic, nahmen an den Gesprächen nicht teil.

Erdogan war nach Sarajevo in Begleitung von mehreren Regierungsmitgliedern gereist. Unter anderem wurde auch eine Absichtserklärung über den seit langem geplanten Bau einer Autobahn, welche Sarajevo mit Belgrad verbinden soll, unterzeichnet. Für die Finanzierung sollen türkische Banken aufkommen.

Zahlreiche bosnische Spitzenpolitiker kritisierten den Besuch Erdogans als antieuropäisch, weil Länder wie Deutschland, Österreich oder die Niederlande Wahlkampfauftritte türkischer Politiker verboten hatten. In der Türkei finden am 24 Juni vorgezogene Präsidentschafts- und Parlamentswahlen statt. Erdogan hofft dadurch seine Macht weiter zementieren zu können.

Erdogans Besuch in Sarajevo war noch kurz vor Beginn von Berichten über einen möglichen Attentatsversuch überschattet worden. Bosniens Sicherheitsminister Dragan Mektic bestritt am Samstagabend jedoch energisch, irgendwelche Informationen in diese Richtung zu haben.

Medien hatten zuvor gemeldet, türkische Nachrichtendienste hätten über einen möglichen Attentatsversuch berichtet. Diese wären an Informationen gelangt, wonach von Personen türkischer Abstammung ein Attentat auf Präsident Erdogan vorbereitet sei, hieß es am Sonntag laut Medien in Sarajevo.

Eine indirekte Bestätigung dieser Information war dem Internetportal Klix.ba zufolge auch vom türkischen Vizepremier Bekir Bozdag gekommen. “Die Attentatsversuche erinnern uns daran, dass unser großer Führer für manche eine Irritation darstellt”, kommentierte Bozdag auf Twitter mit dem Hinweis, dass Erdogan keine Angst vor Morddrohungen habe.

Von: APA/dpa