Erdogan und Trump haben miteinander telefoniert

Erdogan bot Trump Übernahme der syrischen Stadt Manbij an

Montag, 21. Januar 2019 | 14:11 Uhr

Die Türkei erklärt sich bereit, die Sicherheit in der nordsyrischen Grenzstadt Manbij zu übernehmen. Einen entsprechenden Vorschlag unterbreitete der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan am Sonntag in einem Telefonat seinem US-Amtskollegen Donald Trump, wie das türkische Präsidialamt mitteilte.

In der Kurden-Hochburg Manbij wurden vergangene Woche vier US-Bürger durch einen Selbstmordanschlag getötet, den die Extremistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) für sich reklamierte. Im Gespräch mit Trump nannte Erdogan das Attentat nach Angaben seines Büros eine Provokation, die Trumps Entscheidung beeinflussen solle, die US-Truppen aus Syrien abzuziehen.

Die USA haben nach Beginn des Truppenabzugs aus Syrien nach Worten des Ex-US-Sondergesandten für den Kampf gegen den “Islamischen Staat” (IS), Brett McGurk, keinen Plan für die Zukunft des Landes. “Es gibt keinen Plan, was als nächstes kommen soll”, sagte McGurk am Sonntag der CBS-Sendung “Face the Nation”. Dies bedeute erhöhte Risiken für die US-Truppen.

Bei einem Selbstmordanschlag auf einen Konvoi der US-Truppen und ihrer kurdisch-arabischen Verbündeten in sind am Montag zudem laut Aktivisten fünf Menschen getötet worden. Wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilte, riss der Attentäter in der Provinz Hasaka fünf Kämpfer der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) in den Tod.

Auch zwei US-Soldaten seien bei der Explosion der Autobombe verletzt worden. Die US-geführte Koalition gegen die Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) war zunächst nicht für eine Bestätigung der Angaben erreichbar. Die Beobachtungsstelle erklärte, der Attentäter habe auf der Straße zwischen Hasaka und Shadadi sein Auto in den Konvoi gesteuert. Ein Augenzeuge sagte laut Berichten, die Explosion habe sich an einer Straßensperre kurdischer Kräfte nahe der Stadt Shadadi ereignet.

Erdogans Angebot wurde in der Erklärung des US-Präsidialamts zu dem Telefonat nicht erwähnt. Darin hieß es lediglich, die beiden Staatschefs stimmten darin überein, eine Vereinbarung zur Wahrung der beidseitigen Sicherheitsinteressen im nordöstlichen Syrien umzusetzen. Trump habe unterstrichen, wie wichtig es sei, verbliebene “terroristische Elemente” in Syrien zu besiegen. Trump und Erdogan hätten darin übereingestimmt, eine Verhandlungslösung für die Region anzustreben, die Sicherheitsbedenken beider Seiten berücksichtige.

Manbij befindet sich unter Kontrolle der Syrischen Demokratischen Streitkräfte (SDF), die mit der Kurdenmiliz YPG an der Spitze und mit Hilfe der USA den IS 2016 aus der Stadt vertrieben hatten. Diese grenzt an ein Gebiet, das von den türkisch unterstützten Milizen kontrolliert wird. Die Türkei wertet die YPG als Terrororganisation und hat mit ihrer Zerschlagung gedroht. Die Kurden befürchten eine Offensive der Türkei, sobald das US-Militär wie von Trump überraschend im Dezember angekündigt aus Syrien abgezogen ist. Trump hatte dem NATO-Partner Türkei mit wirtschaftlicher Zerstörung gedroht, sollte sie die kurdischen Milizen in Nordsyrien angreifen.

Schon am Montag vor einer Woche hatten Trump und Erdogan telefoniert. Dabei war es den Angaben zufolge unter anderem um die Einrichtung einer “Sicherheitszone” entlang der syrisch-türkischen Grenze gegangen. Es ist fraglich, ob die Kurdenmiliz YPG einer solchen – wahrscheinlich weitgehend entmilitarisierten – Zone zustimmen und sich aus ihr zurückziehen würde.

Von: APA/dpa/ag.