Erdogan vor seiner Rede in Istanbul

Erdogan will Putsch-Drahtziehern “den Kopf abreißen” lassen

Samstag, 15. Juli 2017 | 22:55 Uhr

Ein Jahr nach dem gescheiterten Militärputsch hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan ein erbarmungsloses Vorgehen gegen die Verantwortlichen angekündigt: “Wir werden diesen Verrätern den Kopf abreißen”, sagte Erdogan am Samstagabend auf einer Kundgebung vor zehntausenden Anhängern in Istanbul.

Der Präsident erneuerte sein Plädoyer für eine Wiedereinführung der Todesstrafe. Sollte das Parlament eine derartige Vorlage verabschieden, werde er sie unterzeichnen, sagte er unter dem Jubel seiner Anhänger. Erdogan wollte in der Nacht an einer Bosporus-Brücke in Istanbul ein Denkmal für die 249 Opfer des Putschversuchs enthüllen. Kurz nach Mitternacht war die Bevölkerung aufgerufen, zu “Demokratiewachen” auf den Straße zusammenzukommen.

Erdogan äußerte sich in seiner Rede voller Abscheu über die Putschisten. Die inhaftierten Drahtzieher sollten “Uniformen wie in Guantanamo” tragen, schlug er vor. Damit spielte er auf das umstrittene US-Gefangenenlager an, in dem Terrorverdächtige festgehalten wurden und werden.

Die Türkei begeht am Samstag mit einer Reihe von Gedenkfeiern und Kundgebungen den ersten Jahrestag des gescheiterten Militärputsches gegen Präsident Erdogan. Am Abend des 15. Juli 2016 hatte eine Gruppe Militärs versucht, die Macht in der Türkei an sich zu reißen. Sie besetzten Straßen und Brücken und bombardierten das Parlament und den Präsidentenpalast, doch scheiterte der Umsturzversuch am Widerstand der Bevölkerung.

Das Parlament in Ankara kam zuvor am Samstag zu einer Sondersitzung zusammen, bei der die “Märtyrer und Helden” der Putschnacht vom 15. Juli 2016 gewürdigt wurden. “Es ist ein Jahr her, dass aus der dunkelsten Nacht die Nacht der Helden wurde”, sagte Regierungschef Binali Yildirim bei seiner Ansprache vor den Abgeordneten in Ankara. Er bezeichnete die Putschnacht als einen siegreichen “zweiten Unabhängigkeitskrieg” und bezog sich damit auf den Krieg nach dem Zerfall des Osmanischen Reichs, aus dem 1923 unter Führung von Mustafa Kemal Atatürk die Türkische Republik hervorgegangen war. Zu seinen Zuhörern im Parlament gehörte auch Staatspräsident Erdogan.

Oppositionsführer Kemal Kilicdaroglu warf der Regierung hingegen “Behinderungen” bei der Aufarbeitung der Putschnacht vor. “Über das vergangene Jahr hinweg haben sich alle Rechtsabläufe immer weiter vom gesetzlichen Rahmen entfernt. Die Justiz wurde zerstört”, sagte Kilicdaroglu, Chef der größten Oppositionspartei CHP, bei der Sondersitzung des Parlaments. “Statt einer schnellen Normalisierung haben sie einen bleibenden Ausnahmezustand erschaffen.”

Im Zuge der Notverordnungen griff die Regierung mit aller Härte gegen ihre Kritiker und politischen Gegner durch. Mehr als 50.000 Menschen wurden seit der Putschnacht in der Türkei inhaftiert, mehr als 100.000 Staatsbedienstete entlassen oder vom Dienst suspendiert. Betroffen sind neben tausenden Militärs, Polizisten, Staatsanwälten und Richtern auch kurdische Oppositionelle, kritische Journalisten und unabhängige Wissenschafter.

Für eine vollständige Aufarbeitung des Putsches müssten diejenigen, die die Putschisten und Unterstützer “an den empfindlichsten Stellen des Staates” platziert hätten, zur Rechenschaft gezogen werden, forderte der CHP-Chef weiter mit Blick auf die Regierung.

Der stellvertretende Chef der pro-kurdischen Oppositionspartei HDP, Ahmet Yildirim, kritisierte unter anderem die Massenentlassungen und Inhaftierungen von HDP-Abgeordneten und warf der Regierung vor, einen “zweiten Putsch” durchgeführt zu haben.

Die türkische Führung macht die Bewegung um den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den gescheiterten Putsch vom 15. Juli 2016 verantwortlich. Dieser bestreitet das. Bis zum offenen Bruch 2013 waren Staatspräsident Erdogan und Gülen lange Weggefährten.

Von: APA/dpa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Erdogan will Putsch-Drahtziehern “den Kopf abreißen” lassen"


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Dublin
Dublin
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

…selbstinszenierter Putsch zur Entfernung aller Kritiker…selbstgefällige Feier…

MickyMouse
MickyMouse
Universalgelehrter
1 Monat 4 Tage

Dublin……………….stimmt zu 100% schönen Sonntag!

andy215
andy215
Grünschnabel
1 Monat 4 Tage

Wie will er sich selbst den Kopf abreißen? 😁

Savonarola
Savonarola
Superredner
1 Monat 4 Tage

zweifelsfrei eu-reif das ganze

nixischfix
nixischfix
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Die Hoffnung stirbt zuletzt, Größenwahn hat auch irgendwann ein Ende!

iglabnix
iglabnix
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Des isch ein off. Wio do hitla und noa datns mit den no redn und vohandln.
Zi wos?

orso
orso
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Und Jean Claude Junker will ihm weiterhin die Tür zur Eu offenhalten. Ein Mensch, der die Todesstrafe wieder einführen will. Dümmer geht nimmer.

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