Marsch auf Bozen vor genau 100 Jahren

Erinnerung an düsteres Ereignis

Samstag, 01. Oktober 2022 | 11:12 Uhr

Bozen – Heute vor genau 100 Jahren hat der Marsch auf Bozen stattgefunden. Damals sind Tausende Faschisten aus Norditalien nach Bozen gekommen und haben die demokratisch gewählte Stadtregierung gestürzt sowie eine Schule besetzt. Die Polizei hat das Treiben geduldet und nicht eingegriffen.

Für den Südtiroler Historiker Hannes Obermair war der Marsch auf Bozen der Auftakt und die Vorlage für die faschistische Machtübernahme in ganz Italien drei Wochen später. Es markiere den Übergang zu einer autoritären gewaltförmigen Szene.

Um an dieses historische Datum zu erinnern, veranstaltet der Schützenbund heute Abend einen Gedenkmarsch durch Bozen. Beginn ist um 19.00 Uhr auf dem Landhausplatz, die Abschlusskundgebung findet auf dem Rathausplatz statt. Der Südtiroler Heimatbund ruft zur Teilnahme auf.

An den Marsch auf Bozen haben auch Landeshauptmann Arno Kompatscher und SVP-Parteiobmann Philipp Achammer erinnert.

STF: Geschichte warnt uns

Die Bewegung Süd-Tiroler Freiheit warnt hingegen davor, dass die Faschisten nun wieder da seien. “‘Faschisten besetzen das Rathaus von Bozen’ mit dieser Schlagzeile titelten alle großen Tageszeitungen, nachdem italienische Faschisten vor genau 100 Jahren, am 1. und 2. Oktober 1922, nach Bozen gekommen waren, um dort zunächst der deutschen Bevölkerung die Kaiserin-Elisabeth-Schule wegzunehmen und dann das Rathaus zu besetzen und die deutsche Stadtverwaltung abzusetzen. Die Erinnerung an dieses düstere Kapitel unserer Geschichte ist gerade heuer eine eindringliche Warnung, denn genau 100 Jahre danach bekommt Italien mit Giorgia Meloni wieder eine neofaschistische Regierung. Auch 1922 haben viele Südtiroler gedacht, dass alles nicht so schlimm werden wird, gekommen ist es bekanntlich anders”, so die Bewegung.

Italien habe sich nie vom Faschismus distanziert, sondern verschweigt und verharmlost die Verbrechen der Mussolini-Diktatur bis heute. “Die unzähligen faschistischen Relikte, Straßenbezeichnungen sowie Orts- und Flurnamen sind ein Zeugnis des noch immer lebendigen Faschismus in Südtirol. Mit Giorgia Meloni wird nun eine Frau italienische Ministerpräsidentin, die Mussolini als grandiosen Politiker bezeichnet und die schon vor ihrer Machtergreifung angekündigt hat, die ethnische Südtirol-Autonomie zu einer bedeutungslosen Territorial-Autonomie herabstufen zu wollen. Wenn an diesem Wochenende in Südtirol an den Marsch auf Bozen vor 100 Jahren gedacht wird, so muss dies im Bewusstsein geschehen, dass die Faschisten in Italien wieder an der Macht sind. Sie nennen sich anders, geben sich staatstragend und pseudoeuropäisch, aber hinter dieser Maske steckt noch immer die Fratze des Faschismus. Südtirol sei daher auf gewarnt! Mit Italien wird es keine sichere Zukunft für unser Land geben”, so die Süd-Tiroler Freiheit.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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27 Kommentare auf "Erinnerung an düsteres Ereignis"


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Faktenchecker
1 Monat 26 Tage

Heute marschieren die Schützen mit militärischem Gehabe. Noch Fragen?

PeterSchlemihl
PeterSchlemihl
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

Die Schützen gehören zu Südtirol wie der Senf zum Würstchen. Die Italiener hingegen gehören nicht zu Südtirol. So ist das.

ischJOwurscht
ischJOwurscht
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

Fakty@

aber die Schützen stehen nicht x l´italianità, oder???? ;-))

Staenkerer
1 Monat 26 Tage

tjo, wer verhindern will das a wunde mit der man es mitleid woch holtn will,
zuhoalt muaß de olle mittelei setzn das se ofn bleib …

Joosi
Joosi
Grünschnabel
1 Monat 26 Tage

Schützen gehören zu lokale autohtone traditionelle Bewegung aus Zeiten des Napoleon. Faschisten sind Bewegung grossten Verlierer,wider von religiösen Seite noch von gesellschaftlichen akzeptiert.

Zugspitze947
1 Monat 26 Tage

Fakten: LÜGNER ! Die Schützen sind ganz sicher EINE Gefahr denn sie haben nicht mal taugliche Waffen ! 🙁

Faktenchecker
1 Monat 26 Tage
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

@Faktenchecker Sind tägliche provokante und unsachgemäße Kommentare ne Waffe? Oder einfach nur unfair. Bringen sie sonst wie Spaß?

Staenkerer
1 Monat 26 Tage

mit an strommen marsch gegn an strommen marsch von vor 100 johr protestiern…. ob sell zum friedlichen mitanonder unreg ….???

Doolin
Doolin
Kinig
1 Monat 26 Tage

…so lange noch Liktorenbündel am Siegesdenkmal andächtig angebetet werden, ist man in dieser ital. Provinz den Faschismus noch nicht los…
🤪

Targa
Targa
Superredner
1 Monat 26 Tage

Ja, es wird immer wieder zum Unfrieden gerührt. Eigentlich Schade! Es ist gut sich an die Geschichte unseres Landes zu erinnern, aber es ist nicht gut, wenn Hetze betrieben wird!

N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

@Doolin Glaube du hast deun Wohnzimmer nie verlassen!

Targa
Targa
Superredner
1 Monat 26 Tage
Damals war die Südtiroler Bevölkerung kriegsmüde. Der 1. Weltkrieg wurde erst 1918 beendet und die Südtiroler Bevölkerung hat sich damit abgefunden, daß Südtirol an Italien fiel. Der Faschismus bekam in ganz Italien und auch in Deutschland die Überhand und den Rest kennen wir Alle! Jedenfalls haben wir nicht zu den Waffen gegriffen und haben versucht die Situation in den Griff zu bekommen. Für die deutschsprachigen Südtiroler war es Anfangs sehr sehr schwer, da sie nicht die italienische Sprache beherrschten. Alle, die damals bei uns ansässig waren mußten in Ämtern, Schulen, Gericht usw. nur mehr in italienischer Sprache kommunizieren. Unsere Großeltern… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Kinig
1 Monat 26 Tage

Meinst du der Faschismus wäre bekämpft wenn wir Italien verlassen könnten? Meinst du irgend jemand will Faschismus gegen rechtes Gedankengut tauschen?
Ich NICHT!

Zugspitze947
1 Monat 26 Tage

Targa: Diese schwere Zeit ging bis in die 70er,denn als Deutscher war man überall benachteiligt und aus diesem Grund sind viele gut Qalifizierte Bürger ausgewandert ! Mein 3. Lehrlingsjahrgang hatte 1965 27 Tischler in der Berufsschule Meran ,davon sind 18 ausgewandert und über die Hälfte ist nicht mehr zurück gekommen 🙁

spitzname
spitzname
Grünschnabel
1 Monat 26 Tage

… 1918 beendet und die Südtiroler Bevölkerung hat sich damit abgefunden… Das stimmt ja nicht! Gott sei Dank haben sich Menschen gegen die folgende Barbarei mutig gewehrt und so können wir uns hier sogar in unserer Muttersprache unterhalten. Es sollte endlich thematisiert werden, wieviel Entgegenkommen den neuen Herrn hier entgegen gebracht wurde und wird. Des Friedens willen!

ANTONIO
ANTONIO
Tratscher
1 Monat 26 Tage

Es ist natürlich schlimm was damals passiert ist, man darf aber nicht vergessen dass die Österreicher vorher mit italienischsprachige Gebiete das gleiche gemacht hat.. 👌

Savonarola
1 Monat 26 Tage

@ Antonio

erzähle mal, was konkret vorgefallen ist.

magari
magari
Superredner
1 Monat 25 Tage

@Antonio: du meinst wenn schon Österreich-Ungarn. Was konkret sprichst du an? In dem Vielvölkrrstaat gab es nicht wirklich ein Nationalistischen Programm …

ANTONIO
ANTONIO
Tratscher
1 Monat 25 Tage

@Savonarola Die Österreicher haben fast ganz Italien dominiert..Sogar in Neapel und Sardinien..In Mailand gabs die berühmten ‘ Cinque giornate di Milano’ um die Österreicher loszuwerden..In Jugoslawien haben sie Bosnien annektiert und Slowenien und Kroatien besetzt..

magari
magari
Superredner
1 Monat 25 Tage

@Antonio: Also genau das gleiche würde ich das nicht behaupten. Die Faschisten haben ja die deutsche Sprache verboten, was Österreich zu Napoleons Zeiten nicht gemacht haben. Stichwort “Italianisierung”.

Savonarola
1 Monat 26 Tage

wenn du einen Schützen nach den Unterschied zwischen Landesschützen, Kaiserschützen, Tiroler Kaiserjäger, berittene Landesschützen, Standschützen, Landsturm und Marschbataillone fragst, herrscht Schweigen im Walde.

Dolomiticus
Dolomiticus
Universalgelehrter
1 Monat 26 Tage

Bei diesen Fotos kriege ich Gänsehaut und es schaudert mir.

artim
artim
Neuling
1 Monat 17 Tage
Fratelli-d’Italia-Koordinator Galateo sieht in einem Auftritt eines Traditions- und Trachtenvereins gegen den Faschismus 2.0 eine Provokation gegen Wahlsiegerin Meloni. Wieso? Von eigenen doppelzüngigen Selbstwidersprüchen soll da wohl abgelenkt werden. Auch Hannes Obermair stoßt dieser sichtbare “etablierte Anti-Faschismus in Südtirol” in der Tradition eines Hans Egarters auf. Als was weisen sich eigentlich Obermairs Animositäten gegenüber der Einheit des Landes Tirols, den Bozner Bürgermeister Perathoner, sein Umgang mit Geschichte aus? Wer nach dem 24. April 1921 diesen weiteren Gewalthöhepunkt des Mussolini-Faschismus als “gewaltförmigen Versuch”, (Hannes Obermair, Rai – Südtirol, Tagesschau vom 01.10.2022) abtut, verharmlost nicht nur, sondern verfälscht postfaktisch die Ereignisse jener… Weiterlesen »
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