Die Trauer nach dem Mord ist groß

Ermordeter Journalist Kuciak in der Slowakei beigesetzt

Sonntag, 04. März 2018 | 01:44 Uhr

Mehrere hundert Trauernde haben dem in der Slowakei ermordeten Enthüllungsjournalisten Jan Kuciak am Samstag das letzte Geleit gegeben. Der 27-Jährige wurde am Nachmittag in der nordslowakischen Ortschaft Stiavnik beigesetzt. Kurz vor der Beerdigung wurden sieben italienische Geschäftsleute wieder auf freien Fuß gesetzt, die im Zuge der Ermittlungen festgenommen worden waren.

Das Paar wollte im Mai heiraten, sie waren am vergangenen Sonntag in Velka Maca, 65 Kilometer östlich von Bratislava, erschossen aufgefunden worden. Die Trauerfeier in Stiavnik begann mit der Verlesung eines von Kuciak verfassten Gedichts für seine Verlobte, das er bei der Hochzeit vorlesen wollte.

Kuciak schrieb für das zur deutsch-schweizerischen Mediengruppe Ringier Axel Springer Media gehörende Nachrichtenportal “aktuality.sk” und hatte mehrfach Artikel über korrupte Machenschaften in der Slowakei veröffentlicht. Als er erschossen wurde, wollte er gerade einen Artikel über mutmaßliche Verbindungen der slowakischen Regierungspartei zur italienischen Mafia veröffentlichen.

Wenige Stunden vor seiner Beerdigung wurden sieben italienische Geschäftsleute wieder freigelassen, die im Zuge der Mordermittlungen festgenommen worden waren. Kuciak hatte ihre Namen in seinem Artikel genannt. Die Polizei teilte mit, die sieben Männer seien nach einer Überprüfung gemäß den gesetzlichen Vorgaben binnen 48 Stunden wieder auf freien Fuß gesetzt worden.

Slowakischen Medienberichten zufolge handelte es sich bei den Festgenommenen um den italienischen Geschäftsmann Antonino Vadala und mehrere Mitglieder von dessen Familie. Kuciak hatte sie im Verdacht, Beziehungen zur italienischen Mafia-Organisation ‘Ndrangheta zu unterhalten.

Die Ermordung des Journalisten und seiner Verlobten hatte europaweit Empörung und Sorgen über die Wahrung der Pressefreiheit in EU-Staaten ausgelöst. Am Freitag gingen mehrere tausend zumeist junge Slowaken auf die Straßen, um Kuciaks zu gedenken und gegen Korruption zu demonstrieren. Regierungschef Robert Fico warf der Opposition vor, den Mord an dem Journalisten zu instrumentalisieren, um Proteste zu schüren und in Bratislava an die Macht zu gelangen.

Fico steht im In- und Ausland zunehmend unter Druck. Das Europaparlament werde kommende Woche voraussichtlich eine Delegation in die Slowakei schicken, um den Fall zu untersuchen, sagte die deutsche Europaabgeordnete Ingeborg Gräßle (CDU) am Samstag.

Die Partei Most Hid, die zu Ficos Drei-Parteien-Koalition gehört, kündigte derweil an, am 12. März über ein Ende der Zusammenarbeit zu beraten. Most Hid hatte wegen des Mordes an Kuciak den Rücktritt von Innenminister Robert Kalinak gefordert. Weil dieser sich weigerte, stellt die Partei nun die Koalition mit Ficos sozialdemokratischer Partei Smer-SD in Frage.

Von: APA/ag.