Aufnahmekapazität auf Lesbos erschöpft

Erneut Krawalle in griechischen Flüchtlingscamps

Freitag, 23. September 2016 | 12:24 Uhr

In den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln Chios und Lesbos bleibt die Lage gespannt. In der Nacht auf Freitag kam es im “Hotspot” von Chios zu Krawallen, bei denen vier Menschen verletzt wurden. Der Athener Tageszeitung “Kathimerini” zufolge randalierte eine Gruppe algerischer Migranten; die Männer warfen mit Steinen, zerstörten Inventar und das Auto eines Mitarbeiters des Lagers.

15 Personen wurden festgenommen. Andere Migranten, vor allem Familien, baten darum, woanders in Sicherheit gebracht zu werden.

Auf Lesbos wurde bereits am Donnerstagnachmittag ein Inselbewohner festgenommen, wie die Zeitung am Freitag berichtete. Der 84-Jährige sei mit einem Jagdgewehr bewaffnet vor dem Flüchtlingslager “Moria” aufgetaucht und habe Migranten beschimpft und bedroht. Aufgrund seines hohen Alters sei der Mann wieder auf freien Fuß gesetzt worden, er wird sich jedoch wegen unerlaubten Waffenbesitzes verantworten müssen.

Die Inseln in der Ostägäis beherbergen mittlerweile fast 14.000 Flüchtlinge und damit doppelt so viele, wie es Plätze für die Menschen gibt. Von Donnerstag auf Freitag verzeichnete der griechische Flüchtlingskrisenstab 241 Neuankünfte, davon 123 allein auf der Insel Chios.

Dort, wie auch auf Lesbos, ist die Aufnahmefähigkeit längst erschöpft: Für mittlerweile fast 3.800 Menschen stehen lediglich 1.100 Plätze zur Verfügung. Auf Lesbos war die Lage zu Beginn der Woche eskaliert, als Migranten im Auffanglager der Insel aneinandergerieten und Brände gelegt wurden. Der “Hotspot” fiel zum Großteil den Flammen zum Opfer, so dass nun viele der vormaligen Bewohner obdachlos oder lediglich notdürftig in Lagerhallen und Zelten untergebracht sind. Insgesamt beherbergen die Inseln Lesbos, Chios, Samos, Leros und Kos mittlerweile fast 14.000 Flüchtlinge und Migranten.

Auch in Serbien sind die Flüchtlingszahlen trotz intensiverer Grenzkontrollen weiter im Ansteigen. Derzeit halten sich nach offiziellen Angaben rund 7.000 Flüchtlinge, mehrheitlich aus Afghanistan und Pakistan, im Land auf. “Diese Menschen können nirgendwohin weitergehen, weil die anderen die Grenzen geschlossen haben”, warnte Serbiens Premier Aleksandar Vucic am Donnerstag vor der UNO-Vollversammlung.

In serbischen Flüchtlings- und Aufnahmezentren gibt es landesweit Platz für etwa 6.000 Personen. Wie Ivan Miskovic, Sprecher serbischen Regierungskommissariates für Flüchtlinge, am Freitag gegenüber dem staatlichen TV-Sender RTS erklärte, würden in den Aufnahmezentren täglich zwischen 20 und 30 Neuankömmlinge registriert.

Diejenigen, die von den Behörden als Flüchtlinge identifiziert werden, könnten mit der Integration in Serbien oder in irgendeinem anderen Land, das sie aufnehmen würde, rechnen, meinte gleichzeitig Irena Vojackova-Sollorano, UNO-Koordinatorin in Serbien. Andere müssten ihren Worten nach andere Optionen, eine eventuelle freiwillige Rückkehr in die Heimat eingeschlossen, in Erwägung ziehen.

Die serbischen Behörden hatten Ende Juli die Kontrolle der Grenze zu Bulgarien und Mazedonien durch gemischte Militär-Polizei-Teams intensiviert. Seit der Schließung der Balkanroute im März führen illegale Flüchtlingswege über die beiden Grenzen, an denen es den Militär- und Polizeiteams bisher gelungen ist, über 7.400 illegale Einreisen zu verhindern. Neu dürften Versuche sein, nach Serbien über Albanien und den Kosovo einzureisen.

In der Bewältigung der Flüchtlingskrise kann Serbien derzeit auch mit der Finanzhilfe der Europäischen Union rechnen. Mitte dieser Woche hatte die EU-Vertretung in Belgrad zusammen mit der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mit den serbischen Behörden einen entsprechenden Vertrag im Gesamtvolumen von einer Million Euro geschlossen. Ein Drittel der Finanzmittel soll laut Medienberichten für Wärmebildkameras und sonstige Ausrüstung für die Grenzsicherung gehen. Finanziert wird auch die Entsendung von bis zu 50 Grenzschützern aus EU-Ländern.

Von: APA/dpa

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