Die Waffenruhe hält nicht

Erneut Verstöße gegen Waffenruhe in Berg-Karabach

Dienstag, 13. Oktober 2020 | 11:05 Uhr

Ungeachtet internationaler Appelle zur Einhaltung der neuen Waffenruhe dauern die schweren Gefechte um die Südkaukasusregion Berg-Karabach nach Angaben von Behörden an. Die verfeindeten Nachbarländer Aserbaidschan und Armenien warfen sich am Dienstag gegenseitig massiven Beschuss in der Konfliktregion vor. Die Behörden der nicht anerkannten Republik Berg-Karabach teilten mit, dass es Raketen- und Artilleriefeuer von aserbaidschanischer Seite gebe.

Das Verteidigungsministerium in der aserbaidschanischen Hauptstadt Baku wiederum warf Armenien vor, zuerst geschossen zu haben. Betroffen sei unter anderem die Region Terter. “Das ist eine absolute Lüge, Aserbaidschan bereitet den Boden für aggressive Handlungen gegen friedliebende Ortschaften vor”, sagte eine Sprecherin des armenischen Verteidigungsministeriums in Eriwan. Der Gegner sei zum Angriff aus allen Richtungen übergangen, hieß es.

Die Anzahl der getöteten Zivilisten sei auf 31 gestiegen, teilten die Behörden in Berg-Karabach mit. Die Anzahl der getöteten Karabach-Soldaten liege bei 525. Aserbaidschan machte bisher keine Angaben zu Verlusten in den eigenen Reihen. Es kamen auch dort viele Zivilisten ums Leben.

Der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan sagte, dass die in der Nacht auf Samstag vereinbarte Waffenruhe nicht halte. Die Außenminister beider Länder hatten unter russischer Vermittlung in Moskau die Übereinkunft erzielt, die aber schon kurz nach Inkrafttreten gebrochen wurde. Russlands Außenminister Sergej Lawrow forderte am Montag mit Nachdruck eine Einhaltung der Waffenruhe.

Da durch die Gefechte viele Familien und Kinder ihr Zuhause verloren, hat SOS-Kinderdorf 57 vertriebene Kinder aus Berg-Karabach im SOS-Kinderdorf Kotayk in Armenien aufgenommen. Wie die Organisation am Dienstag mitteilte, ist ein Großteil der Kinder von seinen Familien getrennt worden. Einige seien zusammen mit ihren Müttern aufgenommen worden, berichtete Spartak Sargsyan, der Leiter von SOS-Kinderdorf in Armenien. Der Zustand der Kinder sei besorgniserregend. “Sie sind verängstigt und traumatisiert. Mehrere Kinder haben aufgrund ihrer aktuellen Erlebnisse aufgehört zu sprechen”, sagte Sargsyan. Sie bräuchten dringend psychologische Unterstützung.

Die beiden Ex-Sowjetrepubliken kämpfen seit Jahrzehnten um die bergige Region, in der rund 145.000 Menschen leben. Berg-Karabach wird von Armenien kontrolliert, gehört aber völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Es wird von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 gilt eine brüchige Waffenruhe. Die Türkei steht in dem Konflikt auf der Seite Aserbaidschans, während Armenien Russland als Schutzmacht sieht.

Von: APA/dpa

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