Ost-Ghouta ist weiterhin schwer umkämpft

Erste Evakuierung von Rebellen aus Ost-Ghouta

Freitag, 09. März 2018 | 22:48 Uhr

Eine erste Jihadisten-Gruppe ist am Freitag laut syrischen Staatsmedien und Rebellen aus der umkämpften Enklave Ost-Ghouta bei Damaskus gebracht worden. Das Staatsfernsehen zeigte Kämpfer, die das Gebiet an Bord eines Busses verließen. Demnach handelte es sich um 13 Männer und ihre Familien. Welcher Rebellengruppe sie angehören, blieb unklar.

Zuvor hatte die Rebellengruppe Jaish al-Islam in einem Kommunique angekündigt, dass eine “erste Gruppe” von Jihadisten die Rebellen-Enklave verlassen werde. Die Jihadisten der Al-Kaida-nahen Organisation Tahrir al-Sham (Ex-Al-Nusra-Front) sollen in die Provinz Idlib evakuiert werden, die vollständig von den Aufständischen kontrolliert wird. Das Jihadistenbündnis ist von der Feuerpause ausgenommen, die die UNO fordert.

Trotz andauernder Kämpfe erreichte am Freitag zum zweiten Mal innerhalb einer Woche ein Hilfskonvoi Ost-Ghouta. 13 Lastwagen mit Lebensmitteln für 12.000 notleidende Menschen trafen am Freitag in der Stadt Duma ein, wie eine Sprecherin des UNO-Nothilfebüros Ocha erklärte. Allerdings beklagten die UNO, Beschuss habe die Hilfslieferung bedroht. Trotz Sicherheitsbeteuerungen der Konfliktparteien, darunter auch Russland, sei die Gegend um Duma weiter beschossen worden. Wer dafür die Verantwortung trug, blieb zunächst unklar.

Ocha zufolge brachte der Konvoi der Vereinten Nationen, des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) und des Syrischen Roten Halbmondes Hilfsgüter, die am vergangenen Montag nicht hatten abgeladen werden können. Die erste Lieferung Anfang der Woche musste wegen der heftigen Kämpfe um das Rebellengebiet abgebrochen werden. Viele medizinische Güter hatten zuvor auf Druck der syrischen Regierung aus der Lieferung genommen werden müssen. Eine UNO-Sprecherin bestätigte der Deutschen Presse-Agentur, dass alle Mitarbeiter das Rebellengebiet am späten Freitagabend wieder sicher verlassen hatten.

Ost-Ghouta vor den Toren der Hauptstadt Damaskus gehört zu den letzten Gebieten in Syrien, die noch von Rebellen kontrolliert werden. Die Region erlebt seit Mitte Februar die schwerste Angriffswelle der Regierung seit Beginn des Bürgerkriegs vor fast sieben Jahren. Aktivisten zufolge konnten die Armee und Verbündete mittlerweile mehr als die Hälfte des bisherigen Rebellengebietes einnehmen.

Rund 400.000 Menschen sind in Ost-Ghouta seit 2013 von der Regierung eingeschlossen. Die humanitäre Lage ist katastrophal. Es fehlt an Nahrung, Trinkwasser, Medikamenten, medizinischen Gütern und Strom. Seit Beginn der Offensive vor gut drei Wochen sind Ärzte ohne Grenzen zufolge mehr als 1.000 Menschen in dem Gebiet getötet worden.

Das UN-Kinderhilfswerk forderte die Konfliktparteien auf, Hilfslieferungen für Ost-Ghouta zu ermöglichen. “Wir brauchen endlich eine Waffenruhe, die diesen Namen verdient”, sagte der Unicef-Regionaldirektor für Nahost und Nordafrika, Geert Cappelaere, in Amman. “Wie soll unser medizinisches Personal dort arbeiten, wenn Konfliktparteien medizinische Güter aus den Konvois entfernen?” Nach Angaben von Unicef sind inzwischen 40 Prozent der rund 200.000 Kinder in dem umkämpften Gebiet chronisch unterernährt.

Eine vom UNO-Sicherheitsrat geforderte 30-tägige Waffenruhe für ganz Syrien ist in Ost-Ghouta ohne Wirkung geblieben. Die Gewalt geht jedoch während einer von Russland angeordneten täglichen fünfstündigen Feuerpause zurück. Hilfsorganisationen beklagen allerdings, die Zeit reiche für Lieferungen nicht aus. Russland ist einer der wichtigsten Verbündeten der syrischen Regierung.

Von: APA/dpa