Hier werden die Flüchtlinge untergebracht

Erstes Aufnahmezentrum in Paris eröffnet Mitte Oktober

Dienstag, 06. September 2016 | 15:53 Uhr

Mehr als ein Jahr nach Beginn der massiven Flüchtlingsbewegung nach Europa werden nun auch in Paris die ersten Flüchtlingslager errichtet. Bürgermeisterin Anne Hidalgo sagte am Dienstag, in einer Unterkunft würden Männer untergebracht, in einer zweiten Frauen und Kinder. Eines der künftigen Heime wurde in der Nacht in Brand gesetzt.

Insgesamt sollten in der französischen Hauptstadt Kapazitäten für die Aufnahme von rund 1.000 Flüchtlingen geschaffen werden. Das erste Lager werde bis Mitte Oktober fertiggestellt, so Hidalgo. Die französische Hauptstadt reagiert damit auf die wachsende Anzahl von Migranten, die auf den Straßen von Paris campieren. Unter ihnen sind viele Frauen und Kinder. “So kann es nicht weitergehen, wir müssen neue Lösungen finden”, sagte Hidalgo.

Eines der Aufnahmezentren soll Platz für insgesamt 400 männliche Flüchtlinge bieten und wird in einem früheren Depot der Staatsbahn SNCF im Norden der Stadt eingerichtet. Bis Ende des Jahres soll die Kapazität auf 600 Plätze wachsen. Flüchtlinge sollen dort nur zwischen fünf und zehn Tage bleiben und dann in andere Unterkünfte gebracht werden. Angeboten werden soll in dieser Zeit unter anderem eine medizinische und psychologische Untersuchung.

Hidalgo kündigte auch ein zweites neues Aufnahmezentrum an, das bis Jahresende im südlichen Vorort Ivry-sur-Seine entstehen soll. Dieses soll für etwa 350 Frauen und Kinder bereitstehen. Hidalgo hatte die Absicht zu einem offiziellen Lager überraschend im Mai verkündet. Weil die bestehenden Aufnahmemöglichkeiten ausgelastet seien, brauche es neue Einrichtungen, sagte die Sozialistin nun.

Im Großraum Paris wurde indes ein künftiges Asylbewerberheim offenbar von Unbekannten in Brand gesetzt. Nach einem Feuer in dem Gebäude in der südwestlich von Paris gelegenen Gemeinde Forges-les-Bains in der Nacht auf Dienstag sprach die Staatsanwaltschaft von mutmaßlicher Brandstiftung. Bereits vor einigen Tagen seien in dem Gebäude die Wasserhähne geöffnet worden, die Räume seien dabei überflutet worden. Innenminister Bernard Cazeneuve erklärte am Dienstag, sollte sich der Verdacht der Brandstiftung bestätigen, werde “alles unternommen”, um die Verantwortlichen so schnell wie möglich zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen. Wohnungsbauministerin Emmanuelle Cosse beklagte, dass die Unterbringung von Flüchtlingen “starken Widerstand, sogar Gewalt” hervorrufen könne. Nach Angaben des Rathauses demonstrierten am Montagabend rund hundert Menschen gegen das künftige Asylbewerberheim.

Wegen der Flüchtlingskrise gerät die Regierung zunehmend unter Druck. Erst am Montag hatten Landwirte und Lkw-Fahrer die Autobahn in Calais blockiert, um ihrer Forderung nach einem konkreten Termin für die mehrfach angekündigte Räumung des improvisierten Flüchtlingscamps am Hafen von Calais Nachdruck zu verleihen. In dem “Dschungel” genannten Camp leben schätzungsweise 7.000 bis 9.000 Migranten, die von dort aus versuchen, nach Großbritannien zu gelangen. Es kommt immer wieder zu Protesten gegen den “Dschungel”, dessen Bewohner für die gestiegene Kriminalität und die schlechte Wirtschaftslage in Calais verantwortlich gemacht werden.

Von: APA/ag.

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