Frère Alois ist "spezieller Gast"

Erstmals Jugendliche im Mittelpunkt einer Bischofssynode

Dienstag, 02. Oktober 2018 | 05:54 Uhr

Eine Premiere gibt es in den kommenden drei Wochen in der katholischen Kirche: Erstmals stehen Jugendliche im Mittelpunkt einer Weltbischofssynode im Vatikan. Nach den beiden vorherigen Bischofsversammlungen zu Ehe und Familie 2014/15 lautet das Thema von 3. bis 28. Oktober “Jugend, Glaube und Berufungsunterscheidung”, wie Kathpress berichtet.

Im Zentrum der dreiwöchigen Beratungen steht die Lebenswelt von rund 1,8 Milliarden Menschen zwischen 16 bis 29 Jahren. Schwerpunktmäßig geht es um Lebensentscheidungen junger Menschen sowie ihre Beziehung zu Glaube und Kirche. “Die Kirche möchte auf Eure Stimme hören, auf Eure Sensibilität, auf Euren Glauben, ja auch auf Eure Zweifel und Eure Kritik”, hatte sich Papst Franziskus im Zuge der Vorbereitungen an Jugendliche in aller Welt gewandt.

Für die Themen der Synode hat der Vatikan im vergangenen Juni ein umfassendes Arbeitspapier vorgelegt, das die Ergebnisse mehrere Umfragen und Vorbereitungstreffen bündelt – auch unter Beteiligung Jugendlicher. So nahmen mehr als 200.000 junge Menschen an einer im Voraus initiierten Online-Umfrage teil. Das in der Folge erstellte 214 Punkte umfassende Arbeitspapier (“Instrumentum laboris”) soll eine möglichst breite Sicht auf die Lage der Jugend und ihre Glaubens- und Lebensentscheidungen bieten. Es dient als Beratungsgrundlage.

Der Leitung der Weltbischofssynode gehört dieses Mal kein einziger Europäer oder Amerikaner an. Die vom Papst delegierten Präsidenten der Synodenversammlung sind der irakische Kardinal Louis Raphael I. Sako (70), Oberhaupt der mit Rom unierten chaldäischen Kirche, Kardinal Desire Tsarahazana (64) aus Madagaskar, der myanmarische Kardinal Charles Bo (69) sowie Kardinal John Ribat (61) aus Papua-Neuguinea.

Mit der wichtigen Aufgabe des Generalrelators betraut der Papst den Vorsitzenden der Brasilianischen Bischofskonferenz, Kardinal Sergio da Rocha (58). Er wird Berichterstatter der Bischofsversammlung und hat damit großen Einfluss auf die Formulierung der Synodenergebnisse.

Erst gut drei Wochen vor Beginn gab der Vatikan auch die übrigen der insgesamt rund 360 Bischöfe, Ordensleute, Experten und Auditoren bekannt. Mitte September folgte noch eine neue Synodenordnung, die Apostolische Konstitution “Episcopalis communio”. Mit dem Dekret stärkt Franziskus in Vor- und Nachbereitung vor allem die Mitsprache der Gläubigen. Die Ordnung schreibt viel von dem fest, was bei den Vorbereitungen von Familien- und Jugendsynode de facto schon gemacht worden ist.

Für die Österreichische Bischofskonferenz nimmt “Jugendbischof” Stephan Turnovszky teil. Zusätzlich berief der Papst Kardinal Christoph Schönborn. Der Wiener Erzbischof gehört seit einigen Jahren dem zwölfköpfigen begleitenden Rat des Generalsekretariats der Bischofssynode an, das als zuständige Kurieneinrichtung die Weltbischofssynoden vorbereitet.

Insgesamt stellen die Delegierten aus den weltweiten Bischofskonferenzen zusammen mit den Teilnehmern der römischen Kurie rund 260 Bischöfe. Außerdem finden sich auf der Teilnehmerliste zehn Ordensleute aus der “Union der Generaloberen”, fünf Vertreter der Ökumene sowie rund 30 weitere vom Papst zusätzlich benannte Geistliche, Theologen und andere Experten. “Spezieller Gast” ist der Prior der Ökumenischen Gemeinschaft von Taize, Frere Alois.

Von: APA/ag.