Kardinal Donald Wuerl will dem Papst seinen Rücktritt anbieten

Erzbischof von Washington kniete vor Missbrauchsopfern

Samstag, 15. September 2018 | 12:56 Uhr

Der Erzbischof von Washington, der den massenhaften sexuellen Missbrauch von Kindern durch katholische Priester in den USA gedeckt haben soll, ist als Zeichen seiner Reue während einer Messe vor den Opfern auf die Knie gegangen. Der 77-jährige Kardinal Donald Wuerl warf sich zu Beginn eines Bußgottesdienstes für die Opfer in der Kathedrale St. Matthew am Freitag (Ortszeit) auf den Boden.

Der Geistliche will Papst Franziskus demnächst seinen Rücktritt anbieten. Wuerl war von 1988 bis 2006 der Bischof von Pittsburgh in Pennsylvania. In dem Bundesstaat hatten einem Untersuchungsbericht zufolge mehr als 300 katholische Priester über Jahrzehnte hinweg über tausend Kinder sexuell missbraucht. Wuerls Name taucht in dem Bericht mehrfach auf, ihm wird vorgeworfen, den Skandal unter der Decke gehalten zu haben.

“Unsere Gebete gehen an diejenigen, die Opfer schweren Missbrauchs durch die Priesterschaft und der zusätzlichen Missachtung durch eine unangemessene Antwort waren”, sagte Wuerl nun während der Messe. In einem Brief an die Priester von Washington hatte er mit Blick auf seinen geplanten Rücktritt erklärt: “Man muss bereit sein, das Notwendige zu tun, einschließlich eines Rücktritts. Dieser Schritt meinerseits wird ein wichtiger Teil der Heilung sein.”

Nach der Veröffentlichung des Untersuchungsberichts Mitte August war wiederholt der Rücktritt des Kardinals gefordert worden. Er hatte sich verteidigt und versichert, dass er im Interesse der Opfer gehandelt habe. Seine Anhänger verwiesen darauf, dass Wuerl bestimmte Priester selbst gegen Widerstand aus dem Vatikan bestraft habe. Doch der Generalstaatsanwalt von Pennsylvania, Josh Shapiro, hielt dem Kardinal vor, er lüge: Seine Erklärungen widersprächen den internen Dokumenten der Kirche und seien “trügerisch”.

Einem katholischen Bischof in Indien wird unterdessen vorgeworfen, eine Nonne vergewaltigt zu haben. Der Bischof der Diözese Jalandhar im nordindischen Punjab legte am Samstag sein Amt nieder, bestreitet aber die Tat.

Die 44 Jahre alte Frau wirft dem Bischof vor, sie ab 2014 zwei Jahre lang immer wieder missbraucht zu haben. Dies geht aus einem Polizeibericht aus dem südindischen Bundesstaat Kerala hervor. Die Nonne stammt aus der Region. Der Beschuldigte wies in einem Brief die Vorwürfe zurück und erklärte, das Opfer wolle eine Affäre mit einem anderen Mann vertuschen. Er warte nun auf das Ergebnis der Untersuchungen, fügte er hinzu.

Nonnen und Frauenrechtsaktivistinnen forderten seine Festnahme. Am Montag soll der Bischof von der Polizei vernommen werden. Indische Medien berichteten, der Vatikan sei über den Fall informiert worden. In den vergangenen Monaten hatten mehrere Missbrauchsskandale auch die Kirche in Indien erschüttert.

Nur etwa 2,3 Prozent der 1,3 Milliarden Inder sind Christen. Mehr als 70 Prozent von ihnen sind Katholiken.

Von: APA/ag.

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