Russischer Angriffskrieg in der Ukraine

EU berät am Montag über Ausweitung der Russland-Sanktionen

Sonntag, 17. Juli 2022 | 18:35 Uhr

Vor dem Hintergrund verschärfter russischer Raketen- und Artillerieangriffe in der Ukraine wollen die EU-Außenminister am Montag in Brüssel über eine Ausweitung der Sanktionen gegen Moskau beraten. Dabei geht es unter anderem um einen Importstopp für russisches Gold. Russland will indes seine Offensive weiter verstärken. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte an, besetzte Gebiete zurückzuerobern.

“Es ist uns bereits gelungen, einen Teil des nach dem 24. Februar besetzten Territoriums zu befreien”, sagte Selenskyj in der Nacht auf Sonntag in seiner täglichen Videoansprache. “Nach und nach werden wir auch andere Regionen unseres Landes befreien, die zurzeit besetzt sind.”

Mehr als 20 Wochen nach Beginn der Invasion ordnete der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu bei einer Inspektion von am Krieg beteiligten Truppen eine Ausweitung der Angriffe auf das Nachbarland an, wie dessen Ministerium mitteilte. Datum und Ort von Schoigus zweitem Besuch der russischen Einsatzkräfte ließ das Ministerium offen.

Russland verstärkt bereits seit Tagen seine Raketen- und Artillerieangriffe. Ziele waren am Wochenende unter anderem Städte in den Regionen Charkiw im Nordosten, Donezk im Osten sowie Mykolajiw und Nikopol im Süden. Der Generalstab in Kiew teilte am Sonntag mit, es habe in der Umgebung der Stadt Slowjansk im östlichen Gebiet Donezk massiven russischen Artilleriebeschuss auf militärische und auf zivile Infrastruktur in verschiedenen Ortschaften gegeben. Russische Angriffe seien jedoch erfolgreich abgewehrt worden.

Auch in Richtung der Orte Siwersk und Bachmut im Gebiet Donezk habe das russische Militär erneut massiv mit Artillerie gefeuert. Dutzende Ortschaften seien von den Angriffen betroffen gewesen. “Angesichts der großen Verluste in den eigenen Reihen ist die Mehrheit der Einheiten der Besatzungsstreitkräfte in einem sehr schlechten moralisch-psychologischen Zustand und sucht nach einer Möglichkeit, der Teilnahme an den weiteren Kampfhandlungen zu entgehen”, hieß es im Bericht des ukrainischen Generalstabs weiter. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Zudem nutzen die russischen Truppen das Areal des AKW Saporischschja für Raketenangriffe auf die benachbarte Region Dnipropetrowsk, wie der Leiter der ukrainischen Atomenergiebehörde Energoatom, Petro Kotin, im Onlinedienst Telegram mitteilte. Die Situation im Kraftwerk sei “extrem angespannt” und verschärfe sich täglich. Es ist seit Anfang März von der russischen Armee besetzt.

Die weiter eskalierende Kriegslage ist der Kontext, in dem sich die EU mit einer weiteren Verschärfung ihrer Russland-Sanktionen befasst. Der entsprechende Vorschlag von Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sieht neben einem Gold-Embargo unter anderem auch eine weitere Einschränkung europäischer Lieferungen von sowohl zivil wie militärisch nutzbaren Gütern vor. Da die EU-Außenminister am Montag erstmals über das neue Sanktionspaket beraten, sei für den Tag allerdings noch keine Entscheidung darüber zu erwarten, sagte ein hochrangiger EU-Vertreter.

Das russische Militär gab unterdessen an, von den USA und anderen Nato-Staaten gelieferte Waffen zerstört zu haben. In Odessa am Schwarzen Meer sei ein Depot mit Harpoon-Raketen und im Gebiet Donezk ein von den USA gelieferter Mehrfachraketenwerfer vom Typ Himars vernichtet worden, teilte der Sprecher der russischen Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Sonntag in seinem täglichen Briefing mit.

Auch diese Angaben konnten von unabhängiger Seite nicht überprüft werden. Experten weisen darauf hin, dass die Himars-Systeme nur schwer zu orten und zu zerstören seien. Die Harpoon-Raketen wurden nach ukrainischen Angaben zuletzt immer wieder gegen die russische Kriegsmarine eingesetzt. Als erfolgreich bezeichneten die Ukrainer auch den Einsatz von Himars.

In der Region Charkiw hätten die russischen Streitkräfte einen Kampfjet vom Typ Suchoi Su-25 sowie in der Region Slowjansk einen Kampfhubschrauber vom Typ Mi-17 abgeschossen. Im Gebiet Charkiw seien zudem etwa 200 ukrainische Soldaten bei den Angriffen getötet worden, sagte Konaschenkow.

Moskau nimmt nach Ansicht von britischen Geheimdienstexperten die Gefahr für seine Truppen in der Ukraine durch Gegenoffensiven der Verteidiger ernst. Russland verstärke seine defensiven Positionen im Süden der Ukraine, hieß es im täglichen Geheimdienst-Update des britischen Verteidigungsministeriums am Sonntag. “Das beinhaltet die Bewegung von Personal, Material und defensiver Vorräte zwischen Mariupol und Saporischschja sowie in Kherson.” Die russischen Truppen verstärkten zudem auch ihre Sicherheitsmaßnahmen in der besetzten südukrainischen Stadt Melitopol, hieß es weiter in der Mitteilung auf Twitter.

Angesichts des Personalmangels, unter dem die russischen Truppen zu leiden hätten, zeige eine Truppenverstärkung im Süden bei gleichzeitigem Kampf um den Donbass im Osten, wie ernst die Russen die Gefahr durch eine Gegenoffensive nähmen, so das Fazit der britischen Experten.

Von: APA/AFP/dpa

Kommentare

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15 Kommentare auf "EU berät am Montag über Ausweitung der Russland-Sanktionen"


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Mico
Mico
Superredner
23 Tage 19 h

europa wird wegen politiker die nur Sanktionen als lösung haben in den Ruin getrieben… danke an unsere tollen politiker die auf unsere kosten sich es ganz einfach machen… warum redet man nicht mehr miteinander… ich denke man hat angst dass es zu schnell zu komprimissen kommen könnte…und die ganze schlechte politik zum vorschein kommen wird…. und dass sich Manager und poitiker zur zeit eine goldene nase verdienen… und alles auf den krieg in der ukraine schieben können……

Philingus
Philingus
Superredner
23 Tage 18 h

Dann reden sie doch mit dem russischen Tyrannen Putin. Der ist zwar gerade mal wieder dabei einen Staat und dessen Bevölkerung zu vernichten – so langsam das Putin’sche „business as usual“ – aber vielleicht hört er ihnen zu. Gelegenheit den westlichen Politikern zuzuhören hat Putin ja genug gehabt. Das Ergebnis sehen sie aktuell in der Ukraine. Die Verfahrensweise seiner Politik war natürlich auch vorab in Syrien deutlich zu sehen. Tja, der Mann geht über Leichen. Probieren sie es trotzdem …

N. G.
N. G.
Kinig
23 Tage 16 h

@Philingus Einfach süß, wie du unsere westliche mediale Front und Freiheit verteidigst! Man muss dich echt loben, soviel Einsatz zeigen nicht viele.

Sigo70
Sigo70
Superredner
23 Tage 15 h

@Philingus wer hat eigentlich die Verhandlungen abgebrochen und redet vom Sieg auf dem Schlachtfeld?

gogogirl
gogogirl
Tratscher
23 Tage 14 h

@Philingus einer allein macht keinen Krieg

Philingus
Philingus
Superredner
23 Tage 2 h

@gogogirl Da kommt auch der/die Dümmste drauf. Bedeutend ist: wer und warum hat angefangen. Und sorry: da sieht’s für Vladi schlecht aus.

Faktenchecker
21 Tage 23 h

“westliche mediale Front” ist rechtes AFD-Sprech.

Faktenchecker
23 Tage 16 h

Sanktionen gegen den Terroristen können nicht schwer genug sein.

Blitz
Blitz
Universalgelehrter
23 Tage 16 h

Sofort alle Sanktionen zurücknehmen, oder wollt ihr einen Aufstand .

Entequatch
Entequatch
Tratscher
23 Tage 16 h

Weitere sanktionen, kein import von gold… lächerlich. Zudem wird die EU bereits von anderen mächte in schach gehalten… wir sind dem abgrund sehr nah

gamer6401
gamer6401
Grünschnabel
23 Tage 15 h

Mit jedem Sanktionspacket ruiniert man Verbraucher und Wirtschaft ein bisschen mehr. 

Selbstbewertung
Selbstbewertung
Superredner
23 Tage 14 h
Was wären die Alternativen zu den Sanktionen? Den Überfall auf die Ukraine einfach durchwinken und russische Waffen mit unserem Geld finanzieren, die ganz Unterhosen auch auf uns gerichtet werden? Business as usual, Augen zu und durch? Was machen wir dann beim nächsten Überfall auf Moldavien, Georgien, wieder nichts gesehen, nichts gehört? Was machen wir, wenn das Baltikum an die Reihe kommt? Alles nur wilde, abstruse Fantasien paranoider Menschen? Ein Blick auf das russische Staatsfernsehen, Putins offene großrussische Pläne sowie die Ausführungen des Dumapräsidenten sowie von Medvev und vielen anderen Spitzenpolitikern sprechen eine andere Sprache. Bleiben noch Verhandlungen, aber worüber genau,… Weiterlesen »
2x nachgedacht
2x nachgedacht
Grünschnabel
23 Tage 13 h

@selbstbewertung
sie haben es auf den punkt gebracht: paranoid.

Brauni
Brauni
Tratscher
23 Tage 13 h

Welche Sanktionen will man noch machen,wo die bisherigen kaum oder gar keine Wirkung gezeigt haben außer dass der Rubel gegenüber dem Dollar seinen größten Höhenflug seid 2015 hat. Das Öl verkauft man nach China und Indien alles Länder die ein Embargo gegen Russland gar nicht mittragen. Die Menschen in Europa werden durch diese Politik immer mehr verarmen und sonst nichts. Der Krieg geht trotzdem unaufhaltsam weiter.

sophie
sophie
Kinig
23 Tage 7 h

Putin lässt sich sicher nicht aufhalten von den von Europa verhängten Sanktionen,
Im schlimmsten Fall wird ihm der grosse Bruder aus China weiter helfen,
Nir wir normalen Menschen werden es am meisten spüren, besonders im Port Money…..

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