EU-Botschafter beraten erneut über Verteilung zusätzlicher Dosen

EU-Impfstoffverteilung nach erbittertem Streit beschlossen

Freitag, 02. April 2021 | 05:00 Uhr

Im erbitterten Streit um die Verteilung von zehn Millionen vorgezogenen Biontech/Pfizer-Impfdosen haben die EU-Staaten am Donnerstag eine Lösung gefunden. Allerdings beteiligen sich nur 24 EU-Staaten an dem Solidaritätsausgleich für die ins Hintertreffen geratenen Staaten. Österreich, Slowenien und Tschechien, die gegen den Erstvorschlag der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft waren, erhalten ihren Bevölkerungsanteil. Im Fall von Österreich sind das 198.815 Dosen.

Die Impfstoffverteilung hat die EU-Staaten gespalten, die EU-Botschafter konnten sich nach zweitägigen Verhandlungen zuvor nicht auf eine gemeinsame Linie einigen. Die nunmehr vereinbarte Lösung wurde in einem vom EU-Vorsitz gestarteten Schweigeverfahren gefunden, bei dem bis 19.00 Uhr kein Einspruch erhoben wurde, wie Diplomaten mitteilten.

Rund 2,85 Millionen der zehn Millionen Dosen werden für einen Solidaritätsausgleich genutzt. Bulgarien erhält nun 1,15 Millionen Dosen mehr als nach dem üblichen Verteilungsschlüssel. Bei Kroatien sind es 683.514 Dosen, bei der Slowakei 602.255, bei Lettland 376.456 und bei Estland 41.390. Damit die Unterstützungsaktion möglich wurde, mussten alle 19 Länder jeweils auf rund 30 Prozent ihrer Impfdosen verzichten: Deutschland gab dabei 558.000 Dosen ab, Frankreich 450.000 und Italien 404.000.

Aus dem Bundeskanzleramt in Wien hieß es, die rund 199.000 Impfdosen für Österreich seien ein “solides Ergebnis”, die “mangelnde Solidarität gegenüber Tschechien” sei aber “absolut nicht nachvollziehbar”. Österreich habe auf das Problem der ungleichen Verteilung von Impfstoff hingewiesen. “Es ist gut, dass dies in der EU anerkannt wurde und dass mit dem Solidaritätsmechanismus diese Ungleichheit bei der Verteilung von Impfstoff für einige stark betroffene Staaten, wie Kroatien oder Bulgarien, reduziert werden soll.”

Österreich erhalte nicht wie im Erstvorschlag vorgesehen 139.000 Impfdosen, sondern 199.000 zusätzliche Dosen im 2. Quartal, was für Österreich ein solides Ergebnis sei. “Unverständlich ist jedoch, dass Tschechien, ein Nachbarland Österreichs mit weiterhin hohen Fall- und Todeszahlen, nicht die Impfdosen erhält, die es bräuchte, um das Ungleichgewicht auszugleichen.” Deshalb hätten Österreich, Slowenien und Tschechien diesen Vorschlag als unsolidarisch abgelehnt. “Österreich wird nun mit anderen Mitgliedstaaten beraten, wie wir Tschechien im Sinne der europäischen Solidarität bilateral unterstützen können”, hieß es aus dem Bundeskanzleramt weiter.

Portugals Regierungschefs Antonio Costa begrüßte die Solidaritätsaktion. Sie mache es möglich, dass in allen Mitgliedstaaten “mindestens 45 Prozent der Menschen bis Ende Juli geimpft würden”, erklärte er auf Twitter. “Kanzler Kurz hat sich unsolidarisch verhalten und Bulgarien, Estland, Kroatien, Lettland und die Slowakei im Stich gelassen”, sagte dagegen ein EU-Diplomat der Nachrichtenagentur AFP. “Für Österreich ist schwerer europäischer Flurschaden entstanden.”

Österreich, Tschechien und Slowenien hatten gegen den ursprünglichen Vorschlag der portugiesischen EU-Ratspräsidentschaft zur Verteilung der zehn Millionen Biontech/Pfizer-Dosen Vorbehalte geäußert. Der EU-Vorsitz wollte zunächst drei Millionen der zehn Millionen Dosen für einen Solidaritätsausgleich zu nutzen. Demnach wären auf Österreich 139.170 Dosen entfallen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) hatte zusammen mit fünf osteuropäischen Staaten auf einem Korrekturmechanismus bei der Impfstoffverteilung bestanden. Er traf zuletzt mit seinen Nachforderungen allerdings auf wenig Verständnis bei den EU-Partnern, da Österreich bereits eine relativ hohe Impfquote hat. Allerdings dürfte Österreich bis Ende Juni in Rückstand geraten, weil es sein Kontingent des Impfstoffs von Johnson & Johnson nicht ausgeschöpft hat, das ab Mitte April geliefert werden soll.

Grund für die Ungleichheiten ist der Umstand, dass nicht alle Länder die ihnen angebotenen Impfstoffmengen gekauft haben, zum Teil auch aus Kostengründen. Wer auf den Impfstoff von AstraZeneca gesetzt hat, ist nun besonders von den Lieferschwierigkeiten dieses Herstellers betroffen.

Von: apa

Kommentare

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23 Kommentare auf "EU-Impfstoffverteilung nach erbittertem Streit beschlossen"


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pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
20 Tage 7 h

Vielleicht bereitet Herr Kurz so langsam den Austritt Österreichs aus der EU vor?

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Universalgelehrter
20 Tage 6 h

Mir eigentlich 💩 egal. Würde uns allerdings für die Anreise nach Südtirol ein paar Hindernisse bringen. Obwohl, wenn ich für meine Cessna Citation in Bozen eine Start- und Landeerlaubnis sowie einen Stellplatz bekomme, kannst du bei Bedarf mitfliegen 🤣

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
20 Tage 6 h

Das wäre doch auch recht stilvoll.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
20 Tage 4 h

@offline,
Vielen Dank. Das ist wirklich nett.
Aber, bin mal mit Cirrus Airlines (gibts nicht mehr) von Saarbrücken nach Bozen geflogen. Bzw. Wollte.
Das Gerät landete aber in Trient.

Doolin
Doolin
Superredner
20 Tage 3 h

@pfaelzerwald …was machst du in Saarbrücken?…dort wandere ich von Rentrisch auf den Stiefel und esse Schwenkbraten…
😆

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Universalgelehrter
20 Tage 2 h

@pfaelzerwald..die sind bestimmt nach einem alten Navi (ohne update) geflogen. Oder haben die Ansage “Bitte versuchen Sie, zu wenden” ignoriert 😉

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Universalgelehrter
20 Tage 2 h

@Doolin..abfliegen ???

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
20 Tage 17 Min

@Doolin
Wenn man in der Pfalz wohnen darf, fähjrt ,man auch gerne nach Saarbrücken.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
20 Tage 14 Min

@Offline,
war ne kleine, aber super bequeme Kiste. Navi gab es damals wohl nur, wenn man vorher bezahlt hat. Aber die Jungs flogen auf Sicht.

Ninni
Ninni
Kinig
19 Tage 23 h

@Offline

…bin bereit mitzufliegen, organisiere Start – Landeerlaubniss..😅😅

Ninni
Ninni
Kinig
19 Tage 22 h

@pfaelzerwald

…hattest wohl das falsche “Gerät”…😓😜🤣..

di halt nicht nach Bozen 🙈

Ninni
Ninni
Kinig
19 Tage 22 h

@Doolin

hi Doolin, aufn Stiefel gewandert ?

🤣 kennst dich aus ? Dachte bist ein IRE ??
ähh, dies ist ein Hügele…
Jaaa und Schwenkebrate ohh
lecker 😜👍😅

Ninni
Ninni
Kinig
19 Tage 22 h

@pfaelzerwald

…au ja 👍 die guten alten Zeiten, die Jungs flogen auf Sicht 💪
das soll mal heute einer nachmachen können 😎

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Universalgelehrter
20 Tage 6 h

Österreich, Tschechien und Slowenien, drei echte europäische Schwergewichte 😉😉

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
20 Tage 4 h

@offline
Wir sollten noch Liechtenstein und San Marino dazugeben.

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Universalgelehrter
20 Tage 2 h

@pfaelzerwald..und nicht zu vergessen, Andorra und Vatikan Staat.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
20 Tage 12 Min

@Offline,
da gäbe es noch Monaco und Malta

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
20 Tage 6 h

Ich würde die Ösis gar nicht mehr fragen… wie lange will die EU jetzt über die Verteilung diskutieren? Bis die Impfdosen nicht mehr gebraucht werden oder womöglich schon verfallen sind…???

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Universalgelehrter
20 Tage 2 h

@nuisnix..da fragt auch niemand, die melden sich, wie ich 😉, auch ungefragt

Neumi
Neumi
Kinig
20 Tage 20 Min
Cool … Kurz will jetzt das genaue Gegenteil von letzter Woche Letzte Woche: UNBEDINGT UMVERTEILUNG!!!! Solidarität ist wichtig. Heute: Nein, keine Umverteilung. Sch*** auf die Solidarität. Er wollte letzte Woche etwas vom 3 Millionen Dosen Kuchen abhaben. Da das nicht ging, verhindert er ihn jetzt, was heißt, dass Österreich einen Anteil an den 10 Millionen kriegt und nicht nur an 7 Millionen. Damit hat sich die Anzahl an Dosen für Österreich um ein gutes Drittel erhöht. Die Solidarität überlässt er anderen. Wer nochmal über Fähnchen im Wind lästern will, braucht nicht nach Bozen zu schauen. Wien führt uns alle vor,… Weiterlesen »
Neumi
Neumi
Kinig
19 Tage 12 h

Jetzt, wo er erfolgreich den Solidaritätsbeitrag verhindert hat, Österreich dadurch 70000 mehr und Tschechien 17000 weniger kriegt, will er sich dafür einsetzen, dass Tschechien von den ANDEREN (nicht Österreich, Österreich wird sich daran nicht beteiligen) mehr an Tschechien abgeben … ich wusste immer, dass er ein Populist ist, aber da muss man doch langsam an seiner Zurechnungsfähigkeit zweifeln.

Man sollte ihn bei den Sitzungen einfach reden lassen und gepflegt ignorieren. Was die anderen freiwillig machen, geht ihn nicht das Geringste an.

LouterStyle
LouterStyle
Tratscher
19 Tage 8 h

vorollem, wenn dor kurz viel af AstraZeneca und wianig Johnson&Johnson setzt, isch sell dechtnet is problem va die ondersn stooten. Worum miasn donn die onderen drauzohln?

hoffnung
hoffnung
Tratscher
19 Tage 19 h

Kein Wunder, daß die Briten aus der EU ausgetreten sind…..

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