BionTech Pfizer Impfstoff

EU-Kauf von bis zu 1,8 Mrd. weiterer Biontech-Impfdosen fix

Samstag, 08. Mai 2021 | 14:23 Uhr

Die EU hat den Kauf von bis zu 1,8 Milliarden weiteren Dosen Corona-Impfstoff von Biontech/Pfizer bis 2023 fixiert. Das teilte EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Samstag auf Twitter mit. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprach von einem “wichtigen Meilenstein”. Die Dosen für 2022/2023 würden EU-intern nach Bevölkerungsgröße der Länder verteilt, “wie es sinnvoll ist”, sagte Kurz am Samstag beim EU-Gipfel in Porto. An Österreich würden 2 Prozent der Lieferung gehen.

Das werde fast 18 Millionen Dosen pro Jahr entsprechen, stellte Kurz fest. 900 Millionen Dosen sollen bei Biontech/Pfizer fest bestellt werden, weitere 900 Millionen Dosen sind eine Option. Damit sollen Impfungen von Erwachsenen aufgefrischt und die 70 bis 80 Millionen Kinder in der EU gegen das Coronavirus immunisiert werden, hieß es seitens der EU.

Der Vertrag hat nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur ein Volumen von bis zu 35 Milliarden Euro. Er bedeutet zugleich weitere Investitionen in Deutschland und Belgien. Zwar sagt die EU-Kommission in der Regel offiziell nichts über die Kosten der gekauften Impfstoffe. Nach dpa-Informationen liegt der vereinbarte Preis je Dosis aber in der Größenordnung, die Bulgariens Ministerpräsident Boiko Borissow zuletzt genannt hatte: etwa 19,50 Euro je Dosis. Der in Medienberichten genannte Preis von 23,50 Euro liege indes zu hoch, hieß es in Brüssel. Die Summe je Dosis sei “unter 20 Euro”.

Die EU-Kommission verteidigte, dass der Preis höher ausfallen werde als bei den vorherigen Verträgen mit Biontech/Pfizer. Es gebe strengere Liefervereinbarungen, andere Haftungsregeln und Vereinbarungen zur Anpassung des Impfstoffes an neue Virus-Varianten, hieß es aus der Behörde. Außerdem zahle die EU künftig kein Geld mehr zur Produktionsförderung.

Von der Leyen hatte am 14. April angekündigt, dass mit dem deutschen Unternehmen Biontech und dessen US-Partner Pfizer über die Lieferung der Riesenmenge verhandelt wird. Die Gespräche zogen sich dann länger hin als gedacht. Dem Vernehmen nach hatte Frankreich Einwände. Letztlich unterstützten dann aber alle 27 EU-Staaten den Deal, wie die EU-Kommission bereits am Freitag mitteilte. Daraufhin stimmten im schriftlichen Verfahren auch alle EU-Kommissare zu. Nun läuft noch offiziell eine Einspruchsfrist von fünf Werktagen, bis die Unterschrift unter den Vertrag gesetzt werden kann.

Die EU-Kommission erwartet, dass für Auffrischungen und die Impfung von Kindern 2022 und 2023 zusammen rund 700 Millionen Dosen nötig werden. Tritt eine Mutation des Coronavirus auf, gegen die die bisherigen Impfungen nicht helfen, bräuchte man 640 Millionen Dosen, um 70 Prozent der EU-Bevölkerung völlig neu zu immunisieren. Für die laufende Impfkampagne hat die EU bereits zwei Rahmenverträge mit Biontech/Pfizer über 600 Millionen Impfdosen, die seit Ende 2020 nach und nach ausgeliefert werden. Allein von Anfang April bis Ende Juni erwartet die EU 250 Millionen Impfdosen der Hersteller.

Deren mRNA-Impfstoff war der erste, der in Europa zugelassen wurde. Er gilt als sehr wirksam und sehr sicher. Ein Vorteil der neuartigen mRNA-Technologie ist, dass Impfstoffe relativ schnell an Virenmutationen angepasst werden können. Als Nachteil gilt, dass das Präparat bei sehr tiefen Temperaturen gelagert werden muss und vergleichsweise teuer ist. Hersteller wie Astrazeneca und Johnson & Johnson nutzen eine andere Wirkweise mit Hilfe sogenannter Adenoviren. Teil der Vereinbarung eine vollständige Herstellung in der EU sein werde – nicht nur des Impfstoffs, sondern auch aller wesentlicher Bestandteile. Bisher sind die Lieferketten für die Rohstoffe weltweit vernetzt. Teils bangten Hersteller um Nachschub wichtiger Bestandteile wie Lipide, die für mRNA-Impfstoffe notwendig sind.

Der Ministerrat in Wien hatte am Dienstag beschlossen, 800 Millionen Euro (mit einer Option auf Aufstockung) für den Ankauf von 42 Millionen Impfdosen bereitzustellen. Davon entfielen 35 Millionen auf Pfizer/Biontech, drei Millionen auf Moderna und vier Millionen auf Johnson & Johnson.Angaben zu den Kosten der einzelnen Dosen wurden nicht gemacht. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) wies aber darauf hin, dass alle anderen Maßnahmen in der Pandemie teurer seien als Impfungen. Bei einem Preis von 23,20 Euro würden 35 Millionen Dosen des Pfizer/Biontech-Impfstoffs insgesamt 812 Millionen Euro kosten.

Biontech teilte am Samstag mit, man wolle armen Ländern beim Preis entgegenkommen. “Wir werden weiterhin Länder mit niedrigem oder unterem mittleren Einkommen mit unserem Impfstoff zu einem nicht gewinnorientierten Preis versorgen”, teilte das Unternehmen am Samstag in Mainz mit.

Man sei überzeugt, dass der kontinuierliche Ausbau der Produktionskapazitäten dazu beitragen werde, diese Pandemie zu beenden. “Um dies zu erreichen, müssen Regierungen, Hersteller sowie internationale und nationale Organisationen gemeinsam die Versorgung von Ländern mit niedrigem und niedrigem mittleren Einkommen aus den bereits bestehenden Produktionsstätten unterstützen und helfen, neue zertifizierte Standorte zu identifizieren.”

Eine Patente-Freigabe lehnte das Unternehmen jedoch ab. Patente seien “nicht der begrenzende Faktor für die Produktion oder Versorgung mit unserem Impfstoff”, sagte eine Sprecherin. Die Herstellung von Impfstoffen sei ein komplexer Prozess. Wenn die Anforderungen nicht erfüllt seien, könnten Qualität, Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffs leiden. Eine Meldung, wonach Biontech vorübergehend auf den Patentschutz für den Corona-Impfstoff verzichte, sei nicht zutreffend.

Von: APA/dpa/Reuters

Kommentare

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13 Kommentare auf "EU-Kauf von bis zu 1,8 Mrd. weiterer Biontech-Impfdosen fix"


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honsi
honsi
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Warum muss man Kinder gegen das Virus immunisieren? Ich verstehe es ja bei einem 70 Jährigen wo statistisch gesehen die Wahrscheinlichkeit höher ist an Corona zu sterben, als eine unerwünschte Nebenwirkungen vom Impfstoff zu erhalten. Und die klinischen Studien vom Impfstoff sind noch gar nicht abgeschlossen, geschweige denn die Langzeitwirkungen erforscht. Welche Gesellschaft mutet so etwas seinen Kindern zu?

ElenaBraunn
ElenaBraunn
Grünschnabel
1 Monat 9 Tage

Meines Erachtens nach werden die meisten Eltern werden ihre Kinder eh nicht impfen lassen.

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
1 Monat 9 Tage

Laut Bundesamt für Statistik in Deutschland sind an und mit Corona von den
0 – 30 Jährigen 40 Personen gestorben, da können wohl kaum viele Kinder dabei sein.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 9 Tage

Wohl die gleiche, die nicht möchte, dass die Kinder womöglich lebenslang Lungenschäden mit sich rumtragen, was äußerst verachtenswert ist. So eine Gesellschaft hat keinen Respekt vor chronischen Krankheiten.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 9 Tage

… aber ehrlich gesagt denk ich, dass Kinder noch eine sehr lange Zeit nicht drankommen werden. Der Rest ist noch lange nicht durch,

Pacha
Pacha
Superredner
1 Monat 9 Tage

Auffrischungen (wie viele?) und Impfung der Kinder 2022 und 2023, der helle Wahnsinn 🤦🏼‍♂️. Grippeimpfungen lassen Grüßen!

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
1 Monat 9 Tage

Na,
dass ist doch ein Wort! 👍
Gerade habe ich gelesen, dass Biontech auf den Patentschutz für den Impfstoff verzichten will.👍👌

Offline
Offline
Universalgelehrter
1 Monat 9 Tage

War wohl ein “Wunschdenken” und eine Falschmeldung der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Wurde laut Spiegel bereits wieder zurückgenommen.

Guennl
Guennl
Superredner
1 Monat 9 Tage

Bloß den Wunsch nicht denken. Warum sollte ein Labor in Zukunft noch etwas entwickeln wenn es danach enteignet wird.

Look_at_Yourself
Look_at_Yourself
Superredner
1 Monat 9 Tage

Stimmt.

Zugspitze947
1 Monat 9 Tage

Sehr kluge Entscheidung der EU Führung sicher auch mit Hilfe von der deutschen Regierung ! Denn der BESTE Impfstoff ist eben der von BioNTech :Made in Germany ! 👌😊👌

DontbealooserbeaSchmuser
1 Monat 8 Tage

1,8 Milliarden Impfungen für 450 Millionen Bürger …

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
1 Monat 8 Tage

Der nächste Winter kommt bestimmt. “Drosten: Auffrisch-Impfungen womöglich ab Winter”
https://www.ndr.de/nachrichten/info/Drosten-Auffrisch-Impfungen-womoeglich-ab-Winter,coronavirusupdate182.html

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