Bulgarin hofft auf Beurteilung nach ihrer Leistung

EU-Kommissarin Georgiewa glaubt an Chance auf Ban-Nachfolge

Samstag, 01. Oktober 2016 | 14:12 Uhr

Die Bulgarin Kristalina Georgiewa rechnet sich trotz ihrer späten Kandidatur Chancen auf die Nachfolge von UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon aus. “Ich hoffe, dass ich nach meiner Leistung und nicht nach der Dauer meiner Kampagne beurteilt werde”, sagte die Vizepräsidentin der EU-Kommission im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP.

Die 63-jährige Ökonomin war unter anderem als Vizepräsidentin der Weltbank und als EU-Kommissarin für humanitäre Hilfe tätig. 2014 übernahm sie den Posten der EU-Haushaltskommissarin. Am Montag stellt sich Georgiewa der UNO-Vollversammlung zu einer zweistündigen Fragerunde.

Sie verfüge über eine “breite Erfahrung in den Bereichen internationale Entwicklung und humanitäre Hilfe”, sagte Georgiewa der AFP. Am Samstag veröffentlichte die international erfahrene Kandidatin ein kurzes Konzept für die Neuorientierung der Weltorganisation. Darin ruft sie zur Suche nach neuen Quellen zur Finanzierung von Friedenseinsätzen und Flüchtlingshilfe auf. Die Vermeidung von Konflikten und die Bekämpfung des Klimawandels sind weitere Schwerpunkte Georgiewas.

Die bulgarische Regierung hatte in dieser Woche mitten im Verfahren ihre bisherige Kandidatin ausgetauscht und schickt anstelle der UNESCO-Generalsekretärin Irina Bokowa nun Georgiewa ins Rennen. Zur Begründung hieß es, die Erfolgsaussichten Georgiewas würden höher eingeschätzt. Bokowa hatte in der fünften Wahlrunde für die Nachfolge Bans am Montag lediglich Platz sechs belegt.

Angesichts der Forderungen, erstmals einer Frau den höchsten UNO-Posten zu übertragen, gilt Georgiewa als aussichtsreiche Bewerberin. Zudem stammt sie aus Osteuropa, der einzigen Region, die bisher keinen UNO-Generalsekretär stellte. Es sei an der Zeit, dass eine Frau den Job übernehme, sagte Georgiewa. Die acht Männer in dem Amt hätten in den vergangenen Jahrzehnten “nur die Hälfte der Welt” repräsentiert.

Als Favorit gilt derzeit der frühere Chef des UNO-Flüchtlingshochkommissariats (UNHCR), António Guterres. Der ehemalige portugiesische Regierungschef lag bisher in allen Runden vorn, allerdings wurde zuletzt über ein mögliches Veto Russlands gegen ihn spekuliert.

Die nächste Phase der Auswahl beginnt am 5. Oktober, wenn die fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder Kandidaten per Veto aus dem Rennen werfen können. Während Georgiewa dem Vernehmen nach von einigen EU-Ländern unterstützt wird, ist fraglich, ob Russland ihre Kandidatur gutheißt. Erst am Mittwoch telefonierte der bulgarische Ministerpräsident Boiko Borissow mit Russlands Präsident Wladimir Putin, dabei soll es auch um die Ban-Nachfolge gegangen sein.

Von: APA/dpa/ag.