Ratspräsident Michel: Auch "juristische Mittel" möglich

EU macht wegen Verzögerungen Druck auf Impfstoff-Hersteller

Sonntag, 24. Januar 2021 | 15:20 Uhr

Die EU warnt die Hersteller von Corona-Impfstoffen angesichts von Lieferverzögerungen vor möglichen Konsequenzen. “Wir erwarten, dass die von den Pharmaunternehmen bestätigten Verträge eingehalten werden”, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel am Sonntag dem französischen Sender Europe 1. Um die Einhaltung der Verträge zu gewährleisten, könne die EU auch “juristische Mittel” nutzen.

Nach der Pharmaunternehmen-Kooperation aus Biontech und Pfizer hatte am Freitag auch der Hersteller Astrazeneca angekündigt, zeitweise weniger Impfstoff liefern zu können als ursprünglich geplant. Grund sei eine geringere Produktion an einem Standort in der europäischen Lieferkette, hieß es. Die Zulassung dieses Vakzins wird in Kürze erwartet. Nach Angaben aus der EU-Kommission soll es nun an diesem Montag ein weiteres Treffen des Lenkungsausschusses zur EU-Impfstrategie zu den Verzögerungen geben.

Man verstehe, dass es Probleme geben könne, erklärte Michel am Sonntag. Es brauche aber Klarheit über die Gründe. So habe Pfizer anfangs Verzögerungen von Impfstofflieferungen von mehreren Wochen angekündigt. Nachdem man mit der Faust auf den Tisch gehauen habe, sei es dann aber nur noch um eine Woche gegangen.

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides hatte zuvor mitgeteilt, es gebe in der Kommission und in Mitgliedstaaten große Unzufriedenheit über von Astrazeneca angekündigte Lieferverzögerungen im ersten Quartal. Man habe bei der Sitzung des Lenkungsausschusses am Freitag darauf bestanden, dass es einen genauen Lieferplan gebe, auf dessen Grundlage die Mitgliedstaaten ihre Impfprogramme planen könnten. Die EU-Kommission werde weiter auf mehr Zuverlässigkeit bei den Lieferungen dringen und auf eine beschleunigte Verteilung der Dosen.

Ob Astrazeneca auch in Großbritannien im ersten Quartal weniger Impfstoff ausliefern will als geplant, war zunächst nicht bekannt. Das britisch-schwedische Unternehmen hat sein Präparat zusammen mit der britischen Universität Oxford entwickelt. Er wird in Großbritannien bereits genutzt. Für diese Woche wird auch eine Zulassung in der Europäischen Union erwartet.

Die Brüsseler Behörde geht eigentlich davon aus, dass die Mitgliedstaaten mit den von ihr eingekauften Impfstoffen bis Ende des Sommers mindestens 70 Prozent der erwachsenen Bevölkerung impfen können. EU-Ratspräsident Michel räumte am Sonntag nun ein, dass dieses Ziel nur schwer zu realisieren sein dürfte.

Der EU-Kommission wird seit längerem vorgeworfen, sich nicht rechtzeitig genug ausreichend Impfstoff gesichert zu haben. Die Brüsseler Kommission argumentiert hingegen, dass zum Zeitpunkt der Vertragsverhandlungen noch gar nicht klar gewesen sei, welche Impfstoffe am Ende überhaupt zugelassen werden können. Deswegen sei es richtig gewesen, auf unterschiedliche Anbieter und Konzepte zu setzen.

Nach eigenen Angaben hat die Kommission bisher sechs Verträge über 2,3 Milliarden Dosen künftiger Impfstoffe genehmigt. So gibt es beispielsweise mit Biontech/Pfizer Abmachungen über 600 Millionen Dosen und mit Astrazeneca über bis zu 400 Millionen Dosen.

Bereits in einigen Monaten werde man in Europa mehr Impfstoffe haben als man brauche, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zuletzt. Allein mit den bereits zugelassenen Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna werde man 380 Millionen EU-Bürger impfen können. Dies seien 85 Prozent der EU-Bevölkerung.

Von: APA/dpa

Kommentare

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13 Kommentare auf "EU macht wegen Verzögerungen Druck auf Impfstoff-Hersteller"


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der_jolly
der_jolly
Neuling
1 Monat 1 Tag

Anfangs meckern die Hersteller darüber, dass die EU zu wenig bestellt hat und jetzt sind sie nichtmal im Stande das zu liefern.🤔

falschauer
1 Monat 1 Tag

wenn bei dir jemand 10.000 einh. bestellt und du programmierst deine produktion entsprechend, dann möchte er statt der bestellten menge 30.000 einh. was machst du dann?

Doolin
Doolin
Superredner
1 Monat 1 Tag

…i will endlich amoll geimpft werden…wie lang dauert denn des no…
😁

Reitiatz
Reitiatz
Universalgelehrter
1 Monat 23 h

dia impfstoffe sein mit insere gelder entwicklt gwordn, a patent drauf mochn isch a frechheit, do muaß die eu umbedingt durchgreifn. 🧐

Jiminy
Jiminy
Kinig
1 Monat 23 h

@Reitiatz
ganz genau! 👏👏👏👏👏👏👏 Millionen UNSERE Gelder!!! Wie kann es bei einer Pandemie mit Millionen Tote Patente und Herstellerrechte geben?!?! Die ganze Welt verzichtet auf alles Mögliche und Bigpharma tut als nichts wäre! Schwache Politik, starke Lobbies!!

Jiminy
Jiminy
Kinig
1 Monat 1 Tag

vergangene Woche hat Zaia einen Angebot der Pizer genacht, sie könnten die grossen Farmaindustrien im Veneto benutzen um mehr Impfstoff zu produzieren. Man hätte schon in November!!! andere Farmaindustrien miteinbeziehen können, denn schon damals war alles schon startklar!
Es ist zum Schämen, dass die hohe natiomale und internationale Politik uns Bürger alle Rechte einschränkt und von einem Tag auf dem anderen nimmt, aber Pfizer kann tun und nicht tun was sie will!! Und dazu noch mit MILLIARDEN ÖFFENTLICHE Steuergelder!!

Kingu
Kingu
Grünschnabel
1 Monat 1 Tag

Dieses mal ist man halt durch das Patentrecht und der Abhängigkeit leider komplett am Versagen. Das Epislon-Ribosom und Einschleußungsprotein wurden patentiert, ohne diese könnte man wahrscheinlich in einem Monat genug Impfungen herstellen.

Jiminy
Jiminy
Kinig
1 Monat 1 Tag

und dieser Impfstoff wurde durch Milliarden öffentliche Gelder hergestellt (so wie auch der ISS bestätigt, was auch ein wesentlicher Grund war wieso man diese Impfung schneller herstellen konnte). Öffentliche Gelder, UNSERE Gelder!!

faif
faif
Superredner
1 Monat 1 Tag

…ich werde das gefühl nicht los, dass da vielleicht einige länder mehr bezahlen um mehr impfstoff zu bekommen.
dass die eu dann am ende weniger abbekommt wäre nur logisch.

eisern
eisern
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Ich denke das die Politiker etwas versprochen haben was von Anfang an nicht haltbar war und jetzt werden die Hersteller angegriffen. Die Glaubwürdigkeit ist zerstört.Hersteller und Politiker sollten bei der Wahrheit bleiben wenn es um Menschenleben geht .

einer wie ihr
einer wie ihr
Grünschnabel
1 Monat 22 h

Könnte sein dass Pfizer noch etwas nachbessern muss und deshalb nicht liefert…?

selwol
selwol
Superredner
1 Monat 10 h

@einer wie ihr
Ja da könntest du recht haben, das wir aber sicher nicht an die grosse Glocke gehängt

Roger01
Roger01
Grünschnabel
1 Monat 22 h

Jetzt geht es darum wer zahlt am meisten für den Impfstoff derjienige soll ihn auch bekommen In welcher Welt leben wir……. ist das der dritte Weltkrieg in Biologischer Form ????

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