Antibiotika in Tiermast oft massenhaft eingesetzt

EU-Parlament lehnt strengere Antibiotika-Regeln für Tiere ab

Donnerstag, 16. September 2021 | 16:00 Uhr

Das EU-Parlament hat einen Vorstoß der Grünen für einen strengeren Einsatz von Antibiotika bei Tieren abgelehnt. Konkret sollten fünf der für die Menschen wichtigsten Antibiotikagruppen nur noch in Ausnahmefällen für Tiere verwendet werden dürfen. Damit wollten die Grünen dem massenhaften Einsatz von Antibiotika in der Tiermast ein Riegel vorschieben und die Gefahr von Resistenzbildungen verringern. Das EU-Parlament sprach sich in einem Votum am Mittwochabend dagegen aus.

Nun bleibt es bei den ursprünglichen Plänen der EU-Kommission: Diese will bisher keine konkreten Stoffe nennen, die auf die Liste von sogenannten Reserveantibiotika kommen sollen. Die Behörde präsentierte stattdessen Kriterien für deren Auswahl: etwa eine hohe Bedeutung für die menschliche Gesundheit und ein “nicht-essenzieller” Bedarf in der Tiermedizin.

Reserveantibiotika sind Medikamente, die bei Infektionskrankheiten verwendet werden, wenn normale Antibiotika nicht mehr wirken. Ziel ist ein möglichst restriktiver Einsatz dieser Mittel, um ihre Wirksamkeit durch sich entwickelnde Resistenzen nicht zu gefährden. Der Grund: Je mehr ein Antibiotikum eingesetzt wird, desto eher setzen sich resistente Erreger-Subtypen durch. Solche Resistenzen sind gefürchtet: Laut EU-Kommission sterben jedes Jahr in der EU 33.000 Menschen, weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr wirken. Resistente Keime aus den Ställen können etwa über Fleisch zum Menschen gelangen.

Der Entschließungsantrag hatte im Vorfeld für hitzige Debatten gesorgt. Tierarztverbände machten dagegen mobil. Den Weg, im Voraus generell Wirkstoffe zu verbieten und dann Ausnahmen schaffen, lehnt der österreichische Tierärztekammer-Präsident Kurt Frühwirth strikt ab. Es müsse einzeln geprüft und wissenschaftlich bewiesen werden, wieso in bestimmten Fällen der Wirkstoff nicht mehr einzusetzen sei, etwa anhand eines Kriterienkatalogs, forderte Frühwirth.

In Deutschland warnte der Verband praktizierender Tierärzte unterdessen vor allem, dass auch Haustiere künftig nicht mehr adäquat mit Antibiotika behandelt werden könnten. Die Grünen widersprachen dieser Darstellung.

ÖVP-EU-Abgeordnete Alexander Bernhuber stellte sich mit Verweis auf den bereits auf den Tisch liegenden Kommissionsvorschlag ebenfalls gegen den Grünen-Vorstoß. Er betonte weiters: “Österreich ist bereits jetzt ein Vorzeigeland beim Einsatz von Antibiotika. So wurde in der Nutztierhaltung in den vergangenen 10 Jahren der Einsatz von Antibiotika um mehr als 30 Prozent reduziert.”

Die Grünen zeigten sich naturgemäß von dem Votum enttäuscht: “Es ist eine vertane Chance. Zum einen bedeutet dies, dass es in Zukunft keine Einzeltierbehandlung mit als Reserveantibiotika eingestuften antimikrobiellen Mitteln geben wird. Zum anderen könnte die Liste der Reserveantibiotika so dünn ausfallen, dass sie nicht wirklich eine Lösung zur Bekämpfung der zunehmenden Entwicklung von Multiresistenzen von Bakterien ist”, erklärte Sarah Wiener von den österreichischen EU-Grünen.

Welche Stoffe am Ende auf die EU-Liste der Reserveantibiotika kommen, muss die Kommission nach Angaben aus dem Büro des deutschen EU-Grünen Martin Häusling bis zum 28. Jänner 2022 klarstellen. Diese Mittel sollen dann aber aller Voraussicht nach wirklich nur für Menschen erlaubt sein – eine Einzelbehandlung kranker Haustiere, wie Häusling sie gefordert hatte, schloss die Kommission zuletzt aus. Damit habe sich der Tierärzte-Verband ins eigene Knie geschossen, sagte er.

Der SPÖ-EU-Abgeordneter Günther Sidl forderte ebenfalls einen “restriktiveren Ansatz” von der EU-Kommission. “Auch wenn es heute nicht gereicht hat, unterstützt die SPÖ weiterhin sämtliche Maßnahmen zur Reduzierung und für einen effizienteren Einsatz von Antibiotika in der industriellen Tierhaltung”, so Sidl.

Von: APA/dpa

Kommentare

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35 Kommentare auf "EU-Parlament lehnt strengere Antibiotika-Regeln für Tiere ab"


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shanti
shanti
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Wie kann man sowas nur ablehnen?

Fritzfratz
Fritzfratz
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Frag mal die Besitzer der 200.000.000 Haustiere in der EU wieso eine derartige Regelung abzulehnen ist. Weil die geldgeilen Fleischproduzenten Antibiotiker seit Jahrzehnten ohne Hirn und Kontrolle einsetzen, darf ich meinen Vierbeinern wenn sie mal krank sind keine Antibiotiker geben und soll sie sterben lassen… 🤬

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

die nächste Pandemie ist schon vorprogrammiert !

Soundgeist
Soundgeist
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Die Massentierhaltung ist das Problem

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Nein ist es nicht. Solche wie du sind ein Problem

So ist das
1 Monat 7 Tage

Weil es nur ums Geld und die Lobbys geht, nicht um die Gesundheit.
Dieses Parlament ist eine reine Geldverschwendung.

der echte Aaron
der echte Aaron
Universalgelehrter
1 Monat 6 Tage

@Fritzfratz
deswegen sollen 33.000 Menschen sterben??…..ist ein Tierleben mehr wert als ein Menschenleben? …und man kann ja das Antibiotikum auf Rezept für Haustiere frei geben.

Fritzfratz
Fritzfratz
Tratscher
1 Monat 6 Tage

@der echte Aaron, wenn der Vorschlag durchgegangen wäre hätten die Tierärzte für Haustiere 90% der aktuellen Antibiotiker eben nicht mehr auf Rezept verschreiben können. Wäre wohl etwas sinnvoller in der Fleischproduktion nicht bereits vorsorglich tonnenweise Antibiotika zu verschwenden und sogar die Reserve Arzneien unnötig zu verschiessen. Abgesehen davon brauchen wir Zweibeiner auch nicht bei jedem Schnupfen gleich ein Antibiotikum.

mair2
mair2
Neuling
1 Monat 7 Tage

Einheimisches Fleisch kaufen da wird auch kein Antibiotika eingesetzt…

World
World
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

Da bin ich mir nicht so sicher.

PuggaNagga
1 Monat 7 Tage

@Mair
Meinst du das Ernst?
Des Bauern bester Freund ist der Tierarzt!
Ist der Tierarzt gut geht es auch dem Bauern gut!
Oder was gibt unser „doiger Tierarzt“ etwa den Rindern? Hustensirup und Globuli?

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Das glaube ich nicht.

Stolzz
Stolzz
Tratscher
1 Monat 6 Tage

Als Nebenerwerbsbauer und “Fleischproduzent” kann ich dir sagen: In der Südtiroler Berglandwirtschaft wird garantiert kein Antibiotika vorbeugend eingesetzt. Wenn aber ein Tier krank ist, wird für das Wohlergehen des Tieres ein gezieltes Antibiotika eingesetzt, damit das Tier wieder gesund wird. Je besser die Lebens- und Haltungsbedingungen für die Tiere sind, umso gesünder sind sie. Es lohnt sich also, darauf zu schauen, wie die Tiere gehalten werden!

Sag mal
Sag mal
Kinig
1 Monat 7 Tage

Tiere Artgerecht halten und nur solches Fleisch kaufen!! Massentierhaltung abschaffen indem Jeder viel wenigerFleisch isst!

PuggaNagga
1 Monat 7 Tage

Mach ich schon immer so.
Ich esse dafür nur gutes Fleisch.
Dafür bewusst und nur Qualität.

nuisnix
nuisnix
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Bravo EU!
Wosser predign und Wein saufn…

Der Konsument alleine kann den Markt bzw. den Produzenten nicht erziehen!
Dazu braucht es in erster Linie die Politik, die den Anstoß gibt!

mithirnundherz1
mithirnundherz1
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

wein krign die kio oltbewehrtis hausmittl…

Stefa
Stefa
Tratscher
1 Monat 7 Tage

An dem Punkt braucht sich keiner wundern wenn immer mehr Menschen den Fleischmarkt boykottierten….

wellen
wellen
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Noch ein Argument mehr, kein Fleisch mehr zu essen. Grausig.

halihalo
halihalo
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

ich graus mich auch immer mehr ,ein Skandal nach dem nächsten …man kann ohne Fleisch auch gut leben

doco
doco
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

diese Entscheidung versteh ich nicht hier hat sich wieder einmal die Lobby durchgesetzt und nicht die Politik.

Entequatch
Entequatch
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Wenn ein tier sich schwer verletzt, wieso darf es nicht behandelt werden? Derzeit ist es ja so, dass zb milch von kühen, die mit antibiotika behandelt sind, für x wochen nicht an milchöfen abgegeben werden kann

Soundgeist
Soundgeist
Tratscher
1 Monat 7 Tage

In der Massentierhaltung wird auf keiner Kuh individuell aufgepasst. Allen wird vorsorglich Antibiotika gegeben damit sie im vorhinein nicht Krank werden. Das kann nicht der richtige Weg sein.

Wiesodenn
Wiesodenn
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Eu = Lobbyverein

Entequatch
Entequatch
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Wie ist es denn mit den importierten produkten, fleisch etc durch die ganzen haldelsabkommen wird die “qualität” noch überprüft?

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Nein Deutschland will nur eines die Mercosurvertäge. Deutsche Autos gegen billige Lebensmittel aus Südamerika. Das ist die realität. Ich möchte nie ein Fleisch eines kranken Tieres essen. Lieber Antibiotika als infektiöses Fleisch

kitty
kitty
Grünschnabel
1 Monat 7 Tage

„Nichts wird die menschliche Gesundheit und das Überleben auf der Erde so begünstigen wie der Schritt zur vegetarischen Ernährung.“
Albert Einstein

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Albert Einstein hat das nie gesagt. Lügen sie immer so?

heris
heris
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Ohne Antibiotika wird wohl kein Zuchtbetrieb mehr auskommen der eine mehr der andere weniger.

Entequatch
Entequatch
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Wenn es den tieren die einnahme von antibiotika nicht gut tut dann sollte beim menschen dies als erstes verboten werden

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Ja das würde gut tun dann wären viele nicht mehr hier!

berthu
berthu
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

…gut tut…? Im Fall rettet Antibiotika Leben. Durch die massenhafte Anwendung in Milch- und Zuchtbetrieben kommt es ins Wasser, Feld und in Lebensmittel. Dadurch verliert es seine Wirksamkeit im Bedarfsfalle. Die Antibiotikaforschung ist auf Eis gelegt und es gibt fast keines mehr, das im Notfall wirklich helfen wird. Solch geldgierigen Pharmaunternehmen überläßt die Gesundheitsbehörde all die Entscheidungen, was gerade am meisten “Geld bringt”, nicht was für unsere Gesundheit besser ist.

berthu
berthu
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Tja: Europa-Lobby-Stadel! Das Gleiche bei den Landwirtschaftsförderungen und Umweltschutz. Man weiß zuverlässig, was da falsch läuft, wird aber eher verschlimmert als abgestellt. Große Misthaufen brauchen viel Geld für die Abdeckung…

Spiegel
Spiegel
Universalgelehrter
1 Monat 7 Tage

Antibiotika braucht es. Auch für Tiere. Und die meisten Antibiotika verbraucht der schwache Mensch selbst.

lalala
lalala
Tratscher
1 Monat 7 Tage

Man sollte jegliche art von antibiotika und pflanzenschutzmittel für private verbieten

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