EU-Ratspräsident Michel nimmt an den Gesprächen mit China teil

EU-Spitzen “ernsthaft besorgt” über Hongkong-Gesetz

Montag, 22. Juni 2020 | 18:59 Uhr

Die obersten Vertreter der EU haben gegenüber der chinesischen Regierung Kritik an deren Plänen für Hongkong geäußert. “Wir haben unsere ernsthaften Sorgen über das nationale Sicherheitsgesetz für Hongkong zum Ausdruck gebracht”, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel im Anschluss an Videokonferenzen mit Chinas Regierungschef Li Keqiang und Staatspräsident Xi Jinping am Montag.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen unterstrich, dass “Menschenrechte und Grundfreiheiten für die EU nicht verhandelbar sind”. Das umstrittene Sicherheitsgesetz stellt nach Ansicht von Kritikern einen massiven Eingriff in den halbautonomen Status Hongkongs dar und gefährdet demokratische Bürgerrechte. Unter anderem dürften dem Gesetz zufolge chinesische Sicherheitskräfte auch in der Finanzmetropole tätig werden.

Dabei sei es gerade der hohe Grad an Autonomie gewesen, “der es Hongkong erlaubt hat, aufzublühen und so erfolgreich zu sein”, sagte von der Leyen. In den Gesprächen hätten sie und Michel daher auch angemerkt, dass “China sehr negative Konsequenzen riskiert, sollte es mit der Einführung dieses Gesetzes fortfahren”. “Wir haben sie dazu aufgerufen, das zu überdenken.”

Hintergrund des Gesetzes sind die monatelangen, mitunter gewalttätigen Proteste der Hongkonger Demokratiebewegung im vergangenen Jahr gegen den wachsenden Einfluss Chinas in der Millionenmetropole. Das Gesetz soll “Abspaltung”, “Subversion”, “Terrorismus” und die “Gefährdung der nationalen Sicherheit” unter Strafe stellen.

Die Gipfel-Gespräche zwischen Brüssel und Peking fanden vor dem Hintergrund wachsender Spannungen im europäisch-chinesischen Verhältnis statt. Neben der Lage in Hongkong hatte die EU China zuletzt vorgeworfen, eine breit angelegte Desinformations-Kampagne zur Corona-Pandemie initiiert zu haben. Auch der Bau neuer Kohlekraftwerke in China ist der EU vor dem Hintergrund des Pariser Klimaschutzabkommens ein Dorn im Auge.

Von der Leyen und Michel betonten das Interesse der EU an einem umfassenden Investitionsabkommen mit China. Die Verhandlungen darüber stecken nach Angaben aus EU-Kreisen jedoch fest. Die EU besteht auf strikten Regeln und Transparenz bei staatlich gestützten chinesischen Unternehmen in Europa. Auf der anderen Seite sollen europäische Unternehmen in der Volksrepublik vor der erzwungenen Offenlegung ihres Know-hows geschützt werden.

Von der Leyen lobte generell die Gespräche mit den Regierungsvertretern. “Aber ich muss sagen, dass es am wichtigsten ist, jetzt Fortschritte zu machen.” Der Gipfel sei “nur ein Startpunkt” gewesen. Eine gemeinsame Gipfel-Erklärung gab es nicht. Von chinesischer Seite habe es auch kein Interesse gegeben, eine gemeinsame Pressekonferenz abzuhalten, hieß es aus EU-Kreisen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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5 Kommentare auf "EU-Spitzen “ernsthaft besorgt” über Hongkong-Gesetz"


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Kompatscher
Kompatscher
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage

Die Eu sollte zuerst vor der eigenen Haustür kehren, in Spanien gibt es politische Gefangene.

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Superredner
1 Monat 15 Tage

Wer ist und falls ja warum in Spanien politisch gefangen?

Marc
Marc
Tratscher
1 Monat 15 Tage

Aber wenns um die Wahlen in anderen EU ländern geht und um die Beschränkung der Meinungs und Pressefreiheit drückt sie ein Auge zu… zweifelhaft!

Erika0202
Erika0202
Grünschnabel
1 Monat 15 Tage

Wo denn bitte? Es gibt nirgendwo Einschränkungen der Meinung… die EU hat sehr menschliche Gesetze. Du darfst quasi alles tun was du möchtest, solange du niemanden schadest. Mehr Freiheit gibts nicht….

Marc
Marc
Tratscher
1 Monat 14 Tage

@Erika0202 schau nach Serbien! Vucic Wahlsieger obwohl die Meinubgsfreiheit stark eingeschränkt wurde und das mit Billigung der EU wegen der Hoffnung das Herr Vucic den Streit zwischen Serbien und Kosovo entlicv löst…
Ungarn sieht auch nicht sehr demokratisch aus!

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