Russisches Öl gelangt über eine Pipeline in eine ungarische Raffinerie

EU-Staaten ringen weiter um Öl-Embargo gegen Russland

Samstag, 07. Mai 2022 | 16:32 Uhr

Die EU-Länder können sich weiter nicht auf ein Öl-Embargo gegen Russland einigen. Hintergrund ist ein Streit um Ausnahmen für einige Staaten, die in besonderem Maße von russischem Öl abhängig sind. Eine nächste Verhandlungsrunde der ständigen Vertreter der Staaten wurde für Sonntag angesetzt, wie die französische EU-Ratspräsidentschaft auf Twitter mitteilte. Insbesondere Ungarn legt sich beim Lieferstopp quer.

Die EU-Kommission hatte zuvor einen Kompromiss vorgeschlagen, der Ungarn, der Slowakei und Tschechien mehr Zeit für die Umsetzung des Embargos geben würde. Von Diplomaten hieß es, dass bilaterale Gespräche mit Ungarn und anderen Ländern liefen. Die Länder hatten demnach weitere Zugeständnisse gefordert – mehr Zeit, aber auch finanzielle Unterstützung. Unter anderem Bulgarien will ebenfalls eine Ausnahmeregelung.

Damit das Sanktionspaket umgesetzt werden kann, müssen alle Länder zustimmen. Ziel ist es, das Paket noch am Wochenende zu beschließen – ob das gelingt, ist noch unklar.

Ungarn, Tschechien und die Slowakei sind stark von russischem Öl abhängig, das komplett über die Pipeline “Druschba” (Freundschaft) geliefert wird. Tschechien deckte 2021 nach Angaben der nationalen Statistikbehörde rund die Hälfte seines Ölverbrauchs aus russischen Quellen. In Ungarn kommen der Regierung zufolge 65 Prozent aus Russland. Für die Slowakei ist Russland nach Angaben der nationalen Betreibergesellschaft Transpetrol die einzige Ölquelle. Der EU-Kommission zufolge machen die Lieferungen an diese Länder aber nur einen sehr kleinen Anteil der gesamten EU-Importe russischen Öls aus. Österreich kommt eigenen Angaben zufolge seit März ohne russisches Gas aus.

Von: APA/dpa

Kommentare

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7 Kommentare auf "EU-Staaten ringen weiter um Öl-Embargo gegen Russland"


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Hustinettenbaer
18 Tage 21 h

Bei Erdgas ist die Umgehung der Embargos wegen der Pipelines schwieriger.
Mit Erdöl-Schmuggel (und damit verbundener Geldwäsche) haben KGB, FSB, Putin seit ca. den 70er-Jahren Erfahrung. Wenn Ausnahmestaaten wie Bulgarien… zugelassen werden, können wir das Öl-Embargo in die Tonne kloppen.

traktor
traktor
Universalgelehrter
18 Tage 21 h

wir können uns nicht selbst ins knie schiessen, sondern putin. unsere wirtschaft muss gestärkt werden, nicht geschwächt

AnWin
AnWin
Superredner
18 Tage 18 h

……des werd ins Geld kosten!!!

Hustinettenbaer
18 Tage 8 h

Ja, das wird teuer. Es wird ein weiterer Schwarzmarkt entstehen, wie bei den Drogen. Ich sehe schon die Dollar-Zeichen in den Augen der Dealer: Russland, Belarus…Staaten mit Raffinerien, Zwischenhändler… Bestechungsgelder.
Das zahlen wir Verbraucher. Wenn wir weiter Öl-süchtig bleiben.

olli
olli
Grünschnabel
18 Tage 20 h

das heisst Abschied von Moskau-Öl!

Hustinettenbaer
18 Tage 8 h

Heisst es leider nicht. Es ist zur Zeit unmöglich, die Rohöl-Herkunft “zu dentifizieren, wenn es anderswo raffiniert und als ein Produkt aus diesem Land weiterverkauft werde, sagte Shell-Chef Ben van Beurden. Sein Kommentar unterstreicht die Schwierigkeit der Durchsetzung eines Boykotts gegenüber russischem Öl. Denn globale Lieferketten sind komplex.
„Zu diesem Zeitpunkt haben wir kein System auf der Welt, mit dem wir zurückverfolgen können, ob ein bestimmtes Molekül aus einer geologischen Formation in Russland stammt”
https://www.businessinsider.de/wirtschaft/shell-chef-sagt-es-gaebe-kein-system-um-russisches-oel-zurueckzuverfolgen-das-in-anderen-laendern-raffiniert-wurde-a/

So ist das
18 Tage 9 h

Bei Ungarn kein Wunder, das Land ist ja auf dem Weg zu einem Staat, das dank seines Präsidenten demokratische Regeln immer mehr einschränkt, am liebsten abschaffen möchte.

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