Die Schäden aus der Nacht werden begutachtet

EU will Hilfskonvoi in Bürgerkriegsstadt Aleppo schicken

Sonntag, 02. Oktober 2016 | 19:14 Uhr

Angesichts der katastrophalen Lage in der umkämpften syrischen Stadt Aleppo bringt die EU eine Nothilfe-Initiative auf den Weg. Es gehe darum, Hilfsorganisationen den Einsatz zu ermöglichen und Zivilisten zu schützen, teilten die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini und der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe, Christos Stylianides, am Sonntag in Brüssel mit.

Die Vereinten Nationen seien ebenfalls mit im Boot. Aleppo hat in den vergangenen Tagen die heftigsten Kämpfe und Luftangriffe seit Beginn des Krieges vor fünf Jahren erlebt.

Ein Hilfskonvoi steht nach EU-Angaben im Westen Aleppos bereit, um medizinische Güter, Wasser und Lebensmittel in den Ostteil der Stadt zu liefern. Der Konvoi könne bis zu 130.000 Menschen versorgen. Gleichzeitig sollen Kranke und Verletzte aus dem Osten Aleppos evakuiert werden, insbesondere Frauen, Kinder und ältere Menschen.

Die EU rief die Konfliktparteien dazu auf, die nötigen Schritte zu ermöglichen und kündigte an, man werden “in den nächsten Stunden und Tagen” intensiv darauf hinarbeiten. Die Durchführung solle allein bei humanitären Organisationen liegen. Evakuierungen aus medizinischen Gründen auch aus anderen belagerten Gebieten müssten ermöglicht werden, forderten die EU-Vertreter. Die EU sei bereit, falls nötig auch eine Behandlung von Menschen in Europa zu ermöglichen. Zudem kündigten sie ein 25 Millionen Euro schweres Hilfspaket an.

Unterdessen haben die syrischen Streitkräfte Regierungs- und Oppositionsangaben zufolge ihren Vormarsch in und um Aleppo fortgesetzt. Im Norden der Metropole hätten Einheiten von Machthaber Bashar al-Assad weitere Geländegewinne verzeichnet, erklärte die oppositionsnahe “Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte” am Sonntag. Unter den Rebellen habe es “schwere” Verluste gegeben.

Die Führung der syrischen Armee rief zudem alle Aufständischen im Osten der geteilten Stadt dazu auf, die belagerten Viertel zu verlassen. Die Armee werde einen sicheren Abzug garantieren, berichtete die syrische staatliche Nachrichtenagentur Sana. An der Front, die die Stadt zwischen den Regierungstruppen und den Aufständischen teilt, habe es heftige Gefechte gegeben. Bereits in der Nacht seien Dutzende Geschoße in dem Rebellengebiet eingeschlagen, so die Beobachtungsstelle.

Die Kämpfe in Aleppo waren vor knapp einer Woche erneut entbrannt, als eine von Russland und den USA vereinbarte Waffenruhe scheiterte. Die Offensive der Armee wird von Syriens Verbündeten Russland mit Luftangriffen unterstützt. Anrainern zufolge waren die jüngsten Bombardements auf Aleppo schwerer als je zuvor. Die Lage werde immer dramatischer.

Von: APA/dpa/ag.