Eurofighter-Beschaffung wird weiter durchleuchtet

Eurofighter-U-Ausschuss – Dritte Auflage steht vor der Tür

Donnerstag, 22. März 2018 | 23:15 Uhr

Zwei Untersuchungsausschüsse zum Kauf der Eurofighter hat es bereits gegeben, nun steht ein dritter vor der Tür: Der Geschäftsordnungsausschuss des Nationalrats gab am Donnerstag grünes Licht für einen entsprechenden Antrag der NEOS gegeben. Zuvor wurde der Untersuchungsgegenstand allerdings noch umformuliert und um die Amtszeit von Ex-Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) erweitert.

Die endgültige Entscheidung über die Einsetzung trifft der Nationalrat, er tritt am 17. April zu seiner nächsten Sitzung zusammen. Alle erforderlichen Beschlüsse im Ausschuss erfolgten einstimmig, berichtete die Parlamentskorrespondenz.

Begründet wird die Notwendigkeit eines neuerlichen Eurofighter-Untersuchungsausschusses damit, dass der in der vergangenen Gesetzgebungsperiode eingerichtete U-Ausschuss seine Arbeit aufgrund der vorgezogenen Neuwahlen vorzeitig beenden musste und viele Punkte offen geblieben sind. In diesem Sinn wollen die Abgeordneten weiter der Frage nachgehen, ob es im Zuge des Kaufs der Kampfflugzeuge unzulässige Zahlungsflüsse gegeben hat.

Zudem geht es ihnen um die Informationslage beim Abschluss des Kaufvertrags, die Entscheidungsgründe für die Typenwahl sowie um die Frage, inwieweit den beiden bisherigen Eurofighter-Untersuchungsausschüssen von der jeweiligen Bundesregierung alle Informationen vorgelegt wurden. Die meisten Punkte wurden – mit Ausnahme des I. Untersuchungsabschnittes – eins zu eins aus dem Untersuchungsgegenstand des letzten Eurofighter-Untersuchungsausschusses übernommen.

Beschlossen wurde der Antrag der NEOS in Form eines Abänderungsantrags, den der Antragsteller Michael Bernhard am Donnerstag gemeinsam mit der ÖVP und der FPÖ einbrachte. Durch diesen Abänderungsantrag wird der Untersuchungszeitraum auf Ende 2017 – anstatt Ende 2016 – ausgedehnt. Außerdem wird sichergestellt, dass auch die Tätigkeit der von Doskozil eingesetzten Sonderkommission des Heeres “Aktive Luftraumüberwachung” in den Untersuchungsgegenstand miteinbezogen wird. Demgegenüber wurden sämtliche Unterpunkte des dritten Untersuchungsabschnitts, bei dem es um korrekte Aktenübermittlungen an die ersten beiden Eurofighter-Untersuchungsausschüsse geht, gestrichen.

Zusammensetzen wird sich der insgesamt 24. Untersuchungsausschuss der Zweiten Republik aus 18 Abgeordneten. Die ÖVP ist mit sechs, SPÖ und FPÖ mit jeweils fünf Mandataren vertreten. Je einen Abgeordneten stellen die NEOS und die Liste Pilz. Daneben wird es, mit dem gleichen Verteilungsschlüssel, 18 Ersatzmitglieder geben. Den Vorsitz im Untersuchungsausschuss führt gemäß der Verfahrensordnung Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka, er kann sich aber auch von seinen beiden Amtskolleginnen Doris Bures und Anneliese Kitzmüller vertreten lassen.

Kontinuität wird es bei den Verfahrensrichtern und den Verfahrensanwälten geben. Wie beim letzten Eurofighter-U-Ausschuss wird der frühere Vizepräsident des Obersten Gerichtshofs, Ronald Rohrer, als Verfahrensrichter fungieren und in dieser Funktion unter anderem den Nationalratspräsidenten bei der Vorsitzführung unterstützen und die Erstbefragung von Auskunftspersonen durchführen. Als sein Stellvertreter wurde erneut der frühere Vizepräsident des Landesgerichts Salzburg, Philipp Bauer, gewählt. Aufgabe von Verfahrensanwalt Andreas Joklik ist es, über die Einhaltung der Grund- und Persönlichkeitsrechte von Auskunftspersonen zu wachen. Der Rechtsanwalt wird dabei im Bedarfsfall von seinem Berufskollegen Michael Kasper vertreten.

Wenig geändert hat sich auch, was die zur Aktenlieferung verpflichteten Stellen und die angeforderten Akten betrifft. Anders als beim letzten Eurofighter-Untersuchungsausschuss gehört der von Norbert Darabos abgeschlossene Vergleich mit EADS und die von ihm eingesetzte Task Force allerdings nicht mehr zum Untersuchungsgegenstand.

Die Dauer des Untersuchungsausschusses ist laut Verfahrensordnung grundsätzlich auf 14 Monate beschränkt, im Bedarfsfall kann er allerdings auf bis zu 20 Monate verlängert werden.

Von: apa

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