Brennertunnel wichtiges Detailthema

Europa will Patchwork von Verkehrssystemen zusammenführen

Donnerstag, 26. April 2018 | 11:05 Uhr

Europa kann nur zusammenwachsen, wenn die Verbindungen stimmen – im wirtschaftlichen Wortsinn die Transportverbindungen. Die EU versucht, die Investitionslücke im Verkehr zu schließen. Es braucht riesige Investitionen in vielfacher Milliardenhöhe, um das transeuropäische Transportnetzwerk (TEN-T) zu vervollständigen. Es geht um Verkehrswege zwischen Helsinki und Lissabon bzw. Glasgow und Athen.

Dieser Tage treffen sich in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana zu diesem Thema 2.000 Experten und zahlreiche Politiker von der EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc abwärts zu den TEN-T-Tagen 2018. Viele Verkehrsminister von EU-Staaten sind anwesend, Österreich ist auf dieser Ebene nicht vertreten. Auch EU-Budgetkommissar Günther Oettinger ist für den morgigen Freitag angekündigt.

Die Verkehrskommissarin sagte, es brauche in den Jahren 2021 bis 2030 Investitionen in der Höhe von 500 Mrd. Euro, um alle neun europaweiten Korridore fertig zu bauen. Sind diese 2030 fertig, würde sich das vielfach über die Wertschöpfung bezahlt machen.

“Mit der diesjährigen Ausgabe der TEN-T Days bringt die Kommission Menschen aus allen Teilen des Transportsektors zusammen, um den Austausch zu erleichtern und sicherzustellen, dass wir das europäische Verkehrsnetz der Zukunft aufbauen können. Die Kommission hilft hier mit ihrer Expertise und wenn möglich auch mit EU-Mitteln”, sagte Bulc vor internationalen Journalisten.

“Was wir in Europa haben ist ein Patchwork an Verkehrssystemen, die nicht ineinander integriert sind. Wir brauchen wirkliche Veränderungen”, sagte Herald Ruiters, Director Investment, Innovative & Sustainable Transport, vor internationalen Journalisten im Rahmen der Fachveranstaltung.

Zu den EU-Verkehrskorridoren – Österreich wird von vier solchen durchquert (werden) – sagte er, dass es hier nicht nur um den Transport gehe, sonder auch darum, sicher und nachhaltig zu reisen. Außerdem führten die Verbindungen zu einer verstärkten Zusammenarbeit der Mitgliedsstaaten und würden Menschen verbinden. Hochgeschwindigkeitszüge sollen verstärkt eine Konkurrenz zur Luftfahrt werden, nicht zuletzt daher sollen Betriebssysteme angeglichen werden, so Ruiters.

Von der APA zu den Zubringerstrecken zur Brennerstrecke in Deutschland und Italien befragt, zu denen aus Innsbruck bzw. Wien moniert wird, es gehe zu langsam, beruhigte Ruiters. Einerseits hätten Italien und Deutschland den Zeitdruck verstanden und andererseits würden alle Zubringerstrecken – sowohl im Norden und im Süden – fertig werden, bevor Kapazitätsgrenzen erreicht würden. Das werde in Deutschland bei allen Zuläufern spätestens 2034/35 der Fall sein, so Ruiters. Eine durchgängig flache Strecke von Deutschland nach Italien – über Tirol – sei 2026 sicher. Auch Bulc betonte neuerlich, wie vor wenigen Tagen bereits in Wien, die große Bedeutung des Brennertunnels für den europäischen Verkehr.

Die Transportnetzwert-Tage drehen sich auch um Straßenverkehr. Großes Thema ist die Elektromobilität und eine flächendeckende Lade-Infrastruktur. Gefeatured wird wegen des Veranstaltungsortes auch der Karawankentunnel zwischen Slowenien und Kärnten, bei dem derzeit eu-gefördert eine zweite Röhre um insgesamt rund 340 Mio. Euro gebaut wird. Die Asfinag und ihr slowenisches Pendant DARS haben zur Präsentation einen eigenen Messestand.

Von: apa

Bezirk: Wipptal

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