Nach Mitterlehner geht auch Glawischnig

Eva Glawischnig tritt als Grünen-Chefin zurück

Donnerstag, 18. Mai 2017 | 15:13 Uhr

Jetzt hat es auch Eva Glawischnig gereicht: Von interner Kritik und öffentlichen Anfeindungen angeschlagen, gab die Grünen-Chefin am Donnerstag den Rückzug aus allen politischen Funktionen bekannt. Kurz vor der Nationalratswahl ist das der dritte personelle Umbruch in Österreichs Parteienlandschaft, diesmal aber ohne logischen Nachfolger. Wie es weitergeht, beraten die Grünen am Freitag.

Durchgesickert war es bereits in der Nacht, Donnerstagvormittag machte Glawischnig den Rücktritt dann öffentlich: “Ich werde all meine Funktionen zurücklegen: die Bundessprecherin, die Klubobfrau und auch mein Nationalratsmandat”, sagte sie in einer eilig einberufenen Pressekonferenz im Parlament.

“Den Job eines Parteichefs, einer Parteichefin kann man nicht ewig machen. In Zeiten dieser medialen Zuspitzung reibt das jeden Menschen einfach auf”, erklärte sie. Die Entscheidung sei über längere Zeit gereift. “Ich habe eine Familie, ich habe zwei wunderbare Kinder und es hat körperliche Warnsignale gegeben, die ich ernst nehmen muss”, erinnerte sie an ihre kürzlich allergiebedingt notwendig gewordene Auszeit.

Glawischnig war nach dem ausbleibenden Aufschwung nach der Bundespräsidentenwahl, aber auch nach dem Rausschmiss der Jungen Grünen aus der Bundespartei parteiintern unter Druck geraten. Rücktrittsgerüchte hielten sich zuletzt hartnäckig.

Zum – teils recht emotionalen – Abschied erinnerte Glawischnig an den Erfolgslauf der Partei unter ihrer Leitung seit 2008, nutzte die Gelegenheit aber auch zur Warnung vor dem “Wunsch und Konzept des sogenannten starken Mannes” in der Politik und zur Kritik an “sexistischen Machos” in den Medien.

Zu ihrer Nachfolge wollte sie nicht äußern, dies sei Entscheidung der Parteigremien, die am Freitag in Salzburg tagen. “Ich werde mich nicht mehr zu Wort melden”, sagte Glawischnig, zeigte aber eine klare Präferenz für Frauen in Führungspositionen.

Als potenzielle Nachfolgerinnen werden unter anderen die Tirolerin Ingrid Felipe und EU-Mandatarin Ulrike Lunacek genannt, beide sagten am Donnerstag zumindest nicht Nein. Kampagnenmanager Lothar Lockl winkte hingegen ab. Unklar blieb, ob schon am Freitag eine Festlegung erfolgt. Gewählt wird die neue Parteichefin Ende Juni auf einem Bundeskongress, wo auch über die Spitzenkandidatur für die Nationalratswahl im Oktober 2017 entschieden wird.

Von den anderen Parlamentsparteien erntete Glawischnig für ihren Schritt Respekt und Anerkennung. SPÖ-Chef Christian Kern würdigte ihr Engagement, ebenso wie der designierte ÖVP-Chef Sebastian Kurz. FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache zollte der Person Glawischnig Respekt, kritisierte aber die Partei scharf. NEOS-Chef Matthias Strolz sah einen nachvollziehbaren Schritt, und Team Stronach-Klubobmann Robert Lugar zeigte sich “persönlich betroffen”. Dank gab es auch von ihrem Amtsvorgänger, dem nunmehrigen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen.

Nach dem Rückzug übernahmen Felipe und Werner Kogler interimistisch die Leitung der Grünen. Ihr Nationalratsmandat legt Glawischnig erst mit der nächsten Plenarsitzung zurück. Stellvertretende Klubchefs sind Gabi Moser und Albert Steinhauser.

Von: apa

Kommentare

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4 Kommentare auf "Eva Glawischnig tritt als Grünen-Chefin zurück"


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thomas
thomas
Superredner
7 Tage 23 Min

oh je…alles Gute weiterhin!

forzafcs
forzafcs
Tratscher
7 Tage 18 Min

Gscheider war die Partei zusperren..

matthias_k
matthias_k
Universalgelehrter
6 Tage 2 h

…. du hast aber ein tolles Demokratie-Verständnis, wow …. 

Tabernakel
6 Tage 21 h

Ist Ausland. Uninteressante Meldung.

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