Alvarado bekam zwar die meisten, aber nicht genügend Stimmen

Evangelikaler Alvarado zieht in Stichwahl in Costa Rica ein

Montag, 05. Februar 2018 | 15:09 Uhr

Der konservative evangelikale Pastor Fabricio Alvarado hat mit seinem Kurs gegen die Homo-Ehe die erste Runde der Präsidentschaftswahl in Costa Rica gewonnen. Nach Auszählung von rund 87 Prozent der Stimmen kam er auf knapp 25 Prozent, wie das Oberste Wahlgericht des Landes mitteilte. Weil kein Kandidat die erforderliche Mehrheit von 40 Prozent erreichte, findet am 1. April eine Stichwahl statt.

In dieser werden sich die Wähler zwischen zwei extrem unterschiedlichen Polit-Entwürfen entscheiden müssen: Gegen den evangelikalen Aktivisten tritt der zweitplatzierte Regierungskandidat Carlos Alvarado an – ein Hobby-Rocksänger, der für liberale Positionen in gesellschaftlichen Fragen steht, und für den rund 22 Prozent der Wähler stimmten.

Der Wahlerfolg des Pastors Fabricio Alvarado zeichnete sich erst mit einem kometenhaften Aufstieg im Endspurt des Wahlkampfs ab, nachdem ein Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs für Menschenrechte (CIDH) für Aufruhr in dem konservativen Land gesorgt hatte. Das Tribunal verpflichtete jüngst alle Mitgliedstaaten zur Garantie der Rechte von Homo- und Transsexuellen. Alvarado machte sich die Empörung über die Anordnung, gleichgeschlechtliche Ehen zuzulassen, zunutze.

“Costa Rica hat den Politikern deutlich gesagt: Legt euch nie wieder mit der Familie und mit unseren Kindern an”, sagte er nach dem ersten Wahlgang. Eine “Bewegung der Werte” habe gewonnen. Der 43-Jährige ist Mitglied der erst vor wenigen Jahren gegründeten strengkonservativen Partei Restauracion Nacional (Nationale Restauration). Seine Kritiker sehen ihn als religiösen Fundamentalisten.

Sein Gegner ist erst 38 Jahre alt und war bis 2017 Arbeitsminister. “Ich bin optimistisch”, sagte Carlos Alvarado nach Bekanntgabe der Ergebnisse. Er will das Urteil des Interamerikanischen Gerichtshofs zur Homo-Ehe umsetzen. Carlos Alvarado tritt als politischer Erbe von Staatschef Luis Guillermo Solis an, der vor vier Jahren erstmals das höchste Staatsamt für die Mitte-links-Partei PAC eroberte.

Costa Rica galt bisher als Anker der Stabilität in der Region. Im Vergleich zu den Nachbarstaaten ist die Kriminalität niedrig. Die “Schweiz Mittelamerikas” ist auch regionaler Vorreiter bei der Nutzung erneuerbarer Energien. Zuletzt war das Land aber auch von einem schweren Korruptionsskandal erschüttert worden. Zahlreiche Politiker und Beamte sind in die “Cementazo”-Affäre um einen millionenschweren Kredit an einen Zementhändler verwickelt. Auch das hohe Haushaltsdefizit wurde zu einem zentralen Thema des Wahlkampfes.

Rund 3,3 Millionen Wahlberechtigte waren am Sonntag zudem aufgerufen, auch die 57 Abgeordneten des Parlaments für die kommenden vier Jahre zu wählen. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 68 Prozent.

Von: APA/ag./dpa