Reaktionen aus Südtirol

Südtirol-Freund Alois Mock [82] ist tot

Donnerstag, 01. Juni 2017 | 15:37 Uhr

Der legendäre Außenminister und frühere ÖVP-Obmann Alois Mock ist im Alter von 82 Jahren verstorben. Mocks historisch wohl größte Leistung war Österreichs EU-Beitritt, den er führend vorantrieb. Die wohl berühmteste mit ihm verbundene Szene ist, als er am 27. Juni 1989 mit seinem ungarischen Amtskollegen Gyula Horn bei Sopron symbolisch den Eisernen Vorhang durchschnitt.

Zahlreiche politische Funktionen wurden von Mock ausgeübt, etwa jene des Vizekanzlers, des ÖVP-Obmanns, des Klubchefs der ÖVP sowie des Außen- und des Unterrichtsministers. Abgeschlossen wurde seine politische Karriere im Nationalrat. Schon während seiner politischen Tätigkeit litt Mock an einer Nervenkrankheit, wegen der er sich in den vergangenen Jahren auch zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzog. Mock hinterlässt Ehefrau Edith, mit der er über 50 Jahre verheiratet war.

ÖVP-Chef Sebastian Kurz zeigte sich tief erschüttert. Mit Mock verliere Österreich einen zutiefst verantwortungsbewussten Menschen, eine überzeugende Persönlichkeit, einen großen Österreicher und einen glühenden Europäer. “Sehr traurig” stimmt Vizekanzler Wolfgang Brandstetter (ÖVP) der Tod von Mock, der ihm auch persönlich nahe gestanden sei. Österreich verliere mit dem früheren Vizekanzler und Außenminister eine herausragende, charismatische und staatsmännische Persönlichkeit von europäischem Format.

Auch Bundeskanzler Christian Kern reagierte mit Betroffenheit. Mit Mock verliere das Land einen Mann, der sich bedeutende Verdienste um Österreich erworben habe. So habe der frühere Außenminister auch einen wichtigen Beitrag für den EU-Beitritt geleistet, meint der SPÖ-Vorsitzende.

APA/APA (Archiv/Jäger)/ROBERT JAEGER

Tief betroffen zeigt sich Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Mock sei ein Vater des EU-Beitritts und ein großer Europäer gewesen. Als Parteiobmann der ÖVP und Vizekanzler sei Mock ein auf Konsens ausgerichteter Politiker gewesen, der sich stets bemüht habe, das Gemeinsame über das Trennende zu stellen.

Für Niederösterreichs Alt-Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) hat das politische Wirken Mocks “das Blau-Gelb Niederösterreichs mit dem Blau-Gelb Europas verbunden”. Niederösterreichs Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) meinte zum Tod ihres näheren Landsmanns und Parteifreunds, Mock habe die Geschichte der Republik wesentlich geprägt und mitgeschrieben. Sein unermüdlicher Einsatz, seine politische Hingabe und seine Liebe zu Österreich und Europa würden unvergesslich bleiben.

Mock habe stets nach festen Überzeugungen und Werten gelebt, mit staatsmännischer Weitsicht gehandelt und mit Hartnäckigkeit seine Ziele verfolgt, betonte ÖAAB-Obmann August Wöginger in seiner Würdigung. Sein Lebenswerk werde Österreich und besonders den ÖAAB immer begleiten, schrieb er im Gedenken an den ÖAAB-Ehrenringträger Mock.

Auch zahlreiche weitere Repräsentanten aus der ÖVP und ihrem Umfeld drückten ihre Trauer über Mocks Tod aus und kondolierten seiner Ehefrau, etwa Klubobmann Reinhold Lopatka, Generalsekretärin Elisabeth Köstinger, Frauenchefin Dorothea Schittenhelm oder der österreichische Cartellverband, dessen Katholisch-akademischer Verbindung Norica Mock angehörte.

Mit Mock verliere Österreich einen Politiker, der das Land entscheidend mitgeprägt habe, betonte FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache. Mock sei stets zu seinen Überzeugungen und Idealen gestanden und habe über Handschlagqualität verfügt. Mock sei ein Politiker der alten Schule gewesen, der stets den Dialog gesucht und einen respektvollen Umgang mit den politischen Mitbewerbern gepflegt habe.

Mock sei gleichzeitig ein begeisterter Österreicher und ein begeisterter Europäer gewesen, der sich für ein verantwortungsvolles Miteinander eingesetzt habe, betonte Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ). Mocks ganzes politisches Handeln sei stets in aufopfernder Weise und ohne Rücksicht auf seine eigene Gesundheit ausschließlich dem Wohl der Republik gewidmet gewesen, befand der Zweite Präsident Karlheinz Kopf (ÖVP). Der Dritte Präsident Norbert Hofer (SPÖ) sah in Mock eine vorbildliche Persönlichkeit, die Österreichs Politik über viele Jahre geprägt habe.

Die Grüne EU-Parlamentarierin und designierte Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek zollte Mock großen Respekt für seinen europäischen Horizont, seine Weitsicht, sein Beharrungsvermögen und seine Durchsetzungskraft im österreichischen EU-Beitrittsprozess, womit er nicht zuletzt bis an die Grenzen seiner körperlichen Leistungsfähigkeit gegangen sei. NEOS-Obmann Matthias Strolz betonte, dass Österreich einen glühenden Europäer sowie eine große Persönlichkeit mit Weitblick und Menschlichkeit verloren habe: “Wie kaum ein anderer Österreicher hat er das vereinte Europa vorangetrieben, Zäune durchschnitten und Brücken gebaut.” Team Stronach-Klubobmann Robert Lugar würdigte Mock als einen Politiker, “der stets den Konsens gesucht hat” und dadurch auch international große Anerkennung erlangt habe.

Wirtschaftskammer-Präsident Christoph Leitl (ÖVP) betonte, es gelte Mocks Erbe “für ein starkes Österreich in einem starken Europa zu kämpfen” weiterzutragen. Arbeiterkammer-Präsident Rudolf Kaske unterstrich, Mock sei es großteils zu verdanken, dass Österreich den Weg in die EU gefunden habe und jetzt bei den wichtigen Entscheidungen für die Menschen in Österreich und Europa dabei sei.

Der Vorsitzende der Landeshauptleute-Konferenz Günther Platter (ÖVP) schrieb von einem “großen Staatsmann”, wie ihn die Welt besonders in bewegten Zeiten brauche. Mit ausprägtem politischen Gestaltungswillen, Konsequenz und Prinzipientreue sowie Verantwortungsbewusstsein und humanitärem Engagement sei Mock in Politik und Gesellschaft geschätzt worden, erklärte der Tiroler Landeshauptmann.

Auch von diversen anderen Organisationen trafen Trauerbekundungen ein, etwa vom ÖGB oder dem Mittelschüler-Kartell-Verband, der um eines seiner verdienstvollsten Mitglieder trauerte. Caritas-Präsident Michael Landau würdigte, dass Mock trotz seiner vielen politischen Funktionen immer ein bescheidener Mensch geblieben sei.

Südtiroler Volkspartei trauert um Alois Mock

Die Südtiroler Volkspartei trauert um den ehemaligen österreichischen Vizekanzler, Außenminister und ÖVP-Bundesparteiobmann Alois Mock. „Mit der Trauer verbinden wir den Dank an diesen großen Österreicher, der mit untrüglicher Überzeugung die Anliegen Südtirols vorangebracht und sich maßgeblich um die Streitbeilegungserklärung 1992, mit welcher die Erfüllung des Südtirol-Pakets erklärt wurde, verdient gemacht hat“, erinnert Obmann Philipp Achammer.

In seiner sehr langen politischen Laufbahn war Südtirol für Alois Mock ein echtes und glaubhaftes Anliegen. „Schon als sehr junger Unterrichtsminister hat er sich um die vielfältigen Probleme auch Südtiroler Studierender gekümmert“, erinnert Obmann Achammer an die Anfänge der Beziehungen Mocks zu Südtirol. Sowohl in dieser als auch seinen weiteren politischen Stationen habe Mock immer wieder zum Ausdruck gebracht, wie wichtig ihm die Bindung zwischen Südtirol und dem Vaterland Österreich war. Dabei habe Mock Südtirol immer als „innerösterreichische Angelegenheit“ betrachtet, die Schutzfunktion Österreichs für Südtirol war ihm wahres Herzensanliegen.

Noch am gestrigen Mittwoch haben Landeshauptmann Arno Kompatscher und Obmann Philipp Achammer im Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres in Wien an den Strategiegesprächen in Erinnerung an die Streitbeilegungserklärung vom 19. Juni 1992 teilgenommen. „Die Streitbeilegungserklärung trägt ganz wesentlich die Handschrift von Alois Mock, von 1987 bis 1995 Außenminister Österreichs, der damit gemeinsam mit dem ehemaligen SVP-Obmann Roland Riz und weiteren Verbündeten Geschichte geschrieben und bleibende Spuren für Südtirol hinterlassen hat“, erinnert Philipp Achammer an das besondere Verhandlungsgeschick Mocks.

„Für historische Verdienste um den gesicherten Fortbestand der österreichischen Minderheit in Südtirol“ wurde Alois Mock von der Südtiroler Volkspartei im Jahr 2002 die höchste SVP-Auszeichnung, das Große Goldene Ehrenzeichen mit Urkunde verliehen. „Die Südtiroler Volkspartei und mit ihr das Südtiroler Volk verliert mit Alois Mock einen Verbündeten und Freund, der vorbehaltlos immer zu Südtirol und seinen Anliegen gestanden ist“ erklärt Philipp Achammer. „Die Südtiroler Volkspartei trauert um ihn.“

LH Kompatscher würdigt ehemaligen Außenminister Mock

Tief betroffen zeigt sich Landeshauptmann Arno Kompatscher über den Tod des ehemaligen österreichischen Außenministers Alois Mock.

“Der ehemalige Unterrichtsminister, Vizekanzler und Außenminister Alois Mock hat sich weit über Österreich hinaus verdient gemacht”, erklärt Landeshauptmann Arno Kompatscher, der in Wien von dessen Ableben erfahren hat. Der Name Alois Mock ist verbunden mit dem Fall des Eiserenen Vorhangs, mit dem EU-Beiritt Österreichs aber auch in besonderer Weise mit dem Zusammenwachsen Europas.

Für Südtirol sei Alois Mock aus zweierlei Gründen eine Schlüsselfigur, zum einen wegen der Abgabe der Streitbeilegungserklärung, die sich in diesem Juni zum 25. Mal jährt, zum anderen wegen des Abbaus der Brennergrenze. “Alois Mock hat sich dabei als weitsichtiger Politiker und überzeugter Europäer bewiesen”, so Landeshauptmann Kompatscher, “der ein ausgezeichnetes Verhältnis zu allen österreichischen Nachbarn gepflegt hat.” Das Land Südtirol werde Mock ein ehrendes Andenken bewahren.

BürgerUnion: Alois Mock hat Südtirol näher zu Österreich gebracht

“Gestern saßen wir noch im Wiener Außenministerium im Alois-Mock-Saal anlässlich der Strategiegespräche zur Südtirol-Autonomie heute betrauern wir den Tod des großen ehemaligen Außenministers, Alois Mock”, so der Landtagsabgeordnete der BürgerUnion, Andreas Pöder. “Abgesehen von seinem Einsatz im Zusammenhang mit der Südtirolautonomie hat er als einer der maßgeblichen Architekten des EU-Beitritts Österreichs Südtirol durch diesen EU-Beitritt Südtirol näher ans Vaterland gebracht”, so Pöder.
Außenminister Mock nannte die Südtiroler auch in offiziellen Reden stets “Landsleute” und bezeichnete das Selbstbestimmungsrecht als “unverzichtbar.”

Denkwürdig die Erklärung von Alois Mock im Nationalrat anlässlich der Entschließung zur Streitbeilegungserklärung zwischen Österreich und Italien vor 25 Jahren:
Außenminister Alois Mock (ÖVP) während der Nationalratsdebatte: „Für Österreichs Südtirol-Politik stellt das Autonomiestatut sicher keinen Schlußpunkt dar. Auch was das Verhältnis zu unseren Südtiroler Landsleuten betrifft, schlagen wir ein neues Kapitel auf. Auch nach der Abgabe der Streitbeilegungserklärung bleibt Österreich natürlich die Schutzmacht Südtirols, dessen Selbstbestimmungsrecht unverzichtbar ist.“

„Ein großer Österreicher und Europäer ist nicht mehr“ – Landeshauptmann Günther Platter zum Tod von Alois Mock

“Mit dem Tod von Alois Mock verlieren Österreich und Europa einen der profiliertesten und angesehensten Politiker unseres Landes“, zeigt sich Tirols Landeshauptmann Günther Platter, Vorsitzender der Landeshauptleutekonferenz, vom Tod des ehemaligen Außenministers und Vizekanzlers betroffen. Mock verstarb im 83. Lebensjahr.

Überzeugter Europäer, glühender Patriot, unbeirrter Diplomat – „ein großer Staatsmann, wie ihn die Welt besonders in bewegten Zeiten braucht – das war Alois Mock. Er scheute keine Herausforderungen, vermittelte mit Standhaftigkeit seine Werte im Zeichen der Demokratie und hatte dabei stets das Wohl Europas und Österreichs vor Augen. Mit ausprägten politischen Gestaltungswillen, Konsequenz und Prinzipientreue sowie Verantwortungsbewusstsein und humanitärem Engagement wurde Mock in Politik und Gesellschaft geschätzt“, so LH Platter.

Ein Leben im Zeichen Europas

Als „Mister Europa“ schrieb er viele Seiten der europäischen Geschichte, als Brückenbauer versuchte er beharrlich zwischen den Fronten zu vermitteln. Bei seinem Amtsantritt als Außenminister im Jahr 1987 setzte er es sich zum Ziel, Österreich in die Europäische Gemeinschaft zu führen. „Ohne sein unermüdliches Engagement wäre der Beitritt Österreichs zur EU nie so zum Wohle unseres Landes erfolgt, wie es wir es heute schätzen. Trotz Rückschlägen und großen diplomatischen Herausforderungen verlor er sein Ziel nie aus den Augen. Es ist seinem großen Verhandlungsgeschick zu verdanken, dass wir heute als Teil der Europäischen Union sind. Als Motor der Beitrittsverhandlungen geht Alois Mock in die österreichische Geschichte ein“, zeigt sich LH Platter überzeugt.

Auch Südtirol hat dem Staatsmann Mock viel zu verdanken: Nur eine Kultur der Vergangenheitsaufarbeitung führt zu einem dauerhaften Frieden zwischen den Völkern in Europa – so die Überzeugung Mocks. Als zentrale Figur bei der Abgabe der Streitbeilegungserklärung zwischen Österreich und Italien im Jahr 1992 zeigte Mock bis heute großes Interesse an den Entwicklungen der Autonomie in Südtirol.

Kampf für Freiheit, Demokratie und Völkerrechte

In seiner Zeit als Außenminister fielen zudem weitere Ereignisse historischer Bedeutung: So bleibt uns Alois Mock als jener Außenminister im Gedächtnis, der gemeinsam mit seinem ungarischen Amtskollegen Gyula Horn am 27. Juni 1989 den Eisernen Vorhang durchschnitt. Im ehemaligen Jugoslawien hat Mock früher als andere die Gefahren erkannt und versucht, das Blutvergießen zu verhindern. Er engagierte sich für die rasche Anerkennung Kroatiens und Sloweniens als unabhängige Staaten – bis heute wird sein Wirken dort hoch geschätzt.

„Wir haben einen großen Menschen, einen großen Politiker verloren, der für viele weitere Generationen ein geschätztes Vorbild bleiben wird“, ist sich LH Platter sicher.

Juncker würdigt “Mr. Europa”

Nicht nur in Österreich wurde am Donnerstag um Alois Mock getrauert. Auch EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker würdigte Österreichs “Mr. Europa”: “Seine Verdienste als Europa- und Außenpolitiker, aber auch als international engagierter Christdemokrat suchen ihresgleichen”, Europa verliere einen “unbeirrbaren Garanten und engagierten Streiter” für die europäische Integration.

“Ohne ihn wär Österreichs EU-Beitritt nicht so erfolgt, wie er erfolgt ist. Österreich und Europa haben ihm viel zu verdanken”, betonte Juncker in einer Stellungnahme – und unterstrich Mocks “weitsichtiges, stets pro-europäisches Denken und Handeln”. Er, Juncker, sei dem Verstorbenen “vor allem aber auch wegen seines unermüdlichen Engagements zur Überwindung von Widerständen gegen das europäische Einigungswerk auf immer verbunden”.

Von: apa

Bezirk: Bozen