Bis zu seiner Pensionierung wären es nur noch zwei Tage gewesen

Ex-FBI-Vize McCabe zwei Tage vor Pensionierung gefeuert

Samstag, 17. März 2018 | 13:47 Uhr

Nur zwei Tage vor seiner Pensionierung ist der frühere FBI-Vize Andrew McCabe gefeuert worden. “Andrew McCabe GEFEUERT, ein großartiger Tag für die hart arbeitenden Männer und Frauen beim FBI – ein großartiger Tag für die Demokratie”, schrieb US-Präsident Donald Trump am Freitag (Ortszeit) im Kurzbotschaftendienst Twitter.

Durch den Zeitpunkt der Entlassung droht McCabe der Verlust höherer Pensionsansprüche. Trump hatte in der Vergangenheit bereits höhnische Bemerkungen zu der bevorstehenden Pensionierung gemacht.

Trump hatte McCabe seit langem im Visier, entlassen wurde der ehemalige Ex-FBI-Vize letztlich vom US-Justizministerium. In einer Erklärung begründete das Justizministerium die Entscheidung mit “schlechtem Verhalten” McCabes. Interne Ermittlungen hätten ergeben, dass dieser eigenmächtig Informationen an die Medien weitergegeben habe und dem Generalinspektor des Justizministeriums gegenüber “mehrfach” nicht vollkommen ehrlich gewesen sei.

McCabe wies ein Fehlverhalten im Umgang mit den Medien und mit dem Generalinspektor umgehend zurück. Seine Entlassung sei “vom Präsidenten selbst” betrieben worden. Ziel sei es nicht nur, seinen Ruf zu zerstören und ihm seine hart erarbeiteten Pensionsansprüche möglicherweise vorzuenthalten, sondern auch, das FBI und die Strafverfolgungsbehörden an sich zu verunglimpfen. Berichten zufolge will McCabe gegen seine Entlassung vorgehen.

“Das FBI erwartet von jedem Mitarbeiter, sich an die höchsten Standards von Ehrlichkeit, Integrität und Verantwortung zu halten”, erklärte Justizminister Jeff Sessions nach der Entlassung. Die Entscheidung sei “nach einer umfassenden und fairen Untersuchung” getroffen worden. Details zu den Ermittlungen wurden nicht bekannt, es ging dabei aber um den Umgang des FBI mit den Ermittlungen gegen Trumps Gegenkandidatin bei der Präsidentschaftswahl 2016, Hillary Clinton.

Trump hatte McCabe und dem früheren FBI-Chef James Comey unter anderem wiederholt vorgeworfen, Clinton vor Strafverfolgung wegen der Nutzung eines privaten E-Mail-Kontos als Außenministerin geschützt zu haben. Trump war zudem wütend darüber, dass McCabe Comey verteidigte. Trump hatte Comey im Mai 2017 im Zusammenhang mit den FBI-Ermittlungen zur mutmaßlichen Zusammenarbeit zwischen Trumps Wahlkampfteam und Russland gefeuert.

Trump hatte Sessions wiederholt gedrängt, gegen McCabe vorzugehen. Angesichts des Drucks trat McCabe Ende Jänner zurück, blieb aber weiter beim FBI angestellt. In der kommenden Woche sollte er aus dem Dienst ausscheiden. Am Sonntag wird McCabe 50 Jahre alt, dann hätte er Anspruch auf eine höhere Pension gehabt. Das Justizministerium kann ihm diese Ansprüche nun vorenthalten.

Schon im Dezember hatte Trump sich über die bevorstehenden Pensionsansprüche McCabes lustig gemacht: “FBI-Vize-Direktor Andrew McCabe führt einen Wettlauf gegen die Zeit, um mit vollen Ansprüchen in Pension zu gehen. Noch 90 Tage?!!!”, twitterte Trump am 23. Dezember.

Nach Comeys Entlassung hatte McCabe kommissarisch die Behördenleitung übernommen, bis im August der neue FBI-Chef Christopher Wray sein Amt antrat.

Trump nahm McCabe jedoch früh ins Visier. Hinter den Kulissen soll er ihn als Mann der oppositionellen Demokraten bezeichnet haben. Das Weiße Haus hatte nach McCabes Rücktritt im Jänner erklärt, die Entscheidung sei “nicht im Weißen Haus getroffen worden”.

McCabes Entlassung erfolgt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Untersuchungen von Sonderermittler Robert Mueller in der Russland-Affäre zunehmend auch den inneren Zirkel um Trump ins Visier nehmen. Mueller untersucht etwa, ob Trump mit der Entlassung von FBI-Chef Comey versuchte, dessen Ermittlungen zu behindern. McCabe wäre dabei ein wichtiger Zeuge.

Von: APA/ag.