Slobodan Praljak wollte Urteil nicht akzeptieren

Ex-Kommandant Praljak tötete sich mit Zyankali

Samstag, 02. Dezember 2017 | 07:55 Uhr

Mit Zyankali hat sich der bosnisch-kroatische Ex-Militärkommandant Slobodan Praljak im Haager UN-Tribunal das Leben genommen. Das ist das vorläufige Ergebnis der Autopsie des Leichnams, wie die niederländische Staatsanwaltschaft am Freitagabend mitteilte. Der 72-Jährige hatte am Mittwoch während der Urteilsbestätigung aus einer kleinen Flasche getrunken und starb wenig später.

“Die vorläufigen Ergebnisse des toxikologischen Tests zeigten, dass Herr Praljak eine Konzentration von Zyankali im Blut hatte”, erklärte die niederländische Staatsanwaltschaft. “Dies führte zu Herzversagen, welches die vermutete Todesursache ist.”

Forensiker des renommierten niederländischen Instituts für Gerichtsmedizin in Rijswijk bei Den Haag untersuchten am Freitag den Leichnam Praljaks. Staatsanwältin Marilyn Fikenscher sagte der Nachrichtenagentur AFP am Abend, die Autopsie sei beendet. Nun müsse auf das endgültige Ergebnis gewartet werden. Wie hoch die Menge an Zyankali im Blut war, sagte Fikenscher nicht.

Nach Angaben eines Sprechers der Staatsanwaltschaft waren auf Ersuchen des UN-Tribunals zwei kroatische Experten als “Beobachter” bei der Autopsie dabei. Die niederländischen Behörden hatten Ermittlungen wegen Beihilfe zum Suizid und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz eingeleitet.

Der Internationale Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) will als Ergänzung dazu eine unabhängige Untersuchung einleiten. Die Ermittlungen unter der Leitung des Richters Hassan Jallow sollten sich auf interne Vorgänge bei dem Gerichtshof konzentrieren und Empfehlungen für künftige Verfahren ausarbeiten, teilte das UN-Tribunal in Den Haag mit. Die Untersuchung solle in der kommenden Woche beginnen, ihre Ergebnisse sollen bereits vor Jahresende veröffentlicht werden. Gerätselt wird vor allem, wie Praljak an die Chemikalie kommen konnte, wie er das Giftfläschchen trotz der strengen Sicherheitsauflagen in das Gericht schmuggeln konnte – und wer ihm geholfen haben könnte.

Praljak hatte am Mittwoch zunächst lautstark protestiert, als das UN-Tribunal in Den Haag in dem Berufungsverfahren die 20-jährige Haftstrafe gegen ihn bestätigte. Dann zückte er ein braunes Fläschchen und trank es aus. Zunächst wurde das Verfahren fortgesetzt, doch dann rief Praljaks Anwalt: “Mein Mandant sagt, er habe Gift genommen.” Das Verfahren wurde unterbrochen, der 72-Jährige wurde in Den Haag ins Krankenhaus gebracht, wo er kurze Zeit später starb. Es war das letzte Verfahren vor dem Strafgerichtshof für Ex-Jugoslawien, der zum Jahresende nach fast 25 Jahren seine Tätigkeit einstellt.

Praljak und fünf Mitangeklagte mussten sich in dem Berufungsverfahren wegen Kriegsverbrechen im bosnisch-kroatischen Krieg von 1993-1994 verantworten, der während des Bosnien-Krieges (1992-1995) aufgeflammt war. Praljak hatte sich 2004 gestellt. Die sechs Männer waren 2013 verurteilt worden. Praljak war unter anderem für schuldig befunden worden, im November 1993 die Zerstörung der alten Brücke von Mostar aus osmanischer Zeit angeordnet zu haben. Dadurch sei der muslimischen Zivilbevölkerung “unverhältnismäßig großer Schaden” entstanden, hatten die Richter im ersten Prozess geurteilt.

In Kroatien wird der Ex-Kommandant bis heute als Held verehrt. Das staatliche Fernsehen sendete am Freitag zur besten Sendezeit als Hommage an Slobodan Praljak einen von diesem gedrehten Film aus dem Jahr 1989. Im Film “Die Rückkehr der Katarina Kozul” geht es um eine Witwe aus Herzegowina, die nach Deutschland auswandert. Bevor er zum Militär ging, hatte Praljak beim Film und am Theater gearbeitet.

Von: APA/ag.

Kommentare

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16 Kommentare auf "Ex-Kommandant Praljak tötete sich mit Zyankali"


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denkbar
denkbar
Kinig
13 Tage 8 h

Empörend ist nur, wie er es geschafft hat, das Zyankali in den Gerichtssaal zu bekommen.

Sein Suizid ein Hinweis dafür, dass es sich um einen uneinsichtigen,
störrischen alten Mann handelte, der sich dem Gefängnis entzog. Wieder
eine feige Tat, womöglich mit der Absicht sich zum Märtyrer zu machen
und weiteren Unfrieden zwischen Bosnien und Kroatien zu produzieren.

Tschoegglberger.
13 Tage 6 h

ein Mörder bis zum lezten Atemzug

traktor
traktor
Superredner
13 Tage 8 h

er kämpfte wohl für sein volk…

Tschoegglberger.
13 Tage 6 h

das gibt kein Recht zum Abschlachten.

josef.t
josef.t
Tratscher
13 Tage 5 h

@Tschoegglberger. Genau; was sich da vor den Augen
der Blauhelme abgespielt hat (um die 8000Männer und
Knaben unbewaffnet einfach erschossen), ist Völkermord !
Atombombe auf Japan, Vietnam-Irak-Afghanistankrieg ist
auch Völkermord, diesen Verantwortlichen passiert aber
nichts ? Sind ja unsere Verbündete ?
 

tresel
tresel
Universalgelehrter
13 Tage 8 h

und das vor dem urteil im namen der gerechtigkeit oder des volkes??
wann wird assad oder dem herren aus der türkey der prozess gemacht??
muss bush die eiserne lady, obama, trump…. und deren generäle auch vor gericht, haben die doch nicht weniger menschen auf dem gewissen!!
sind die letzteren auf der guten seite und dürfen das???
welche ist die gute seite??

enkedu
enkedu
Universalgelehrter
13 Tage 6 h

Meist sind die Sieger die Guten 😂

tresel
tresel
Universalgelehrter
13 Tage 5 h

@enkedu so wirds sein 🤔

VES
VES
Neuling
13 Tage 9 h

Niemand hat das Recht zu gehorchen

witschi
witschi
Universalgelehrter
13 Tage 7 h

sein problem

wolke5
wolke5
Superredner
13 Tage 5 h

Feigling !!!!

der echte Aaron
der echte Aaron
Tratscher
13 Tage 5 h

Hat er wirklich 20 Jahre kassiert nur weil er eine Brücke im Krieg zerstört hat? Ist wohl bisschen übertrieben oder ist der Bericht nicht vollständig.

speckbrot
speckbrot
Tratscher
13 Tage 2 h

@ der echte Aaron
Ausschlaggebend war, wer die indirekten Opfer waren. 

Observer
Observer
Neuling
13 Tage 2 h

Gib den Leben keinen Sinn – Nimm 2

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
12 Tage 22 h

feigling,
dieser general und schlächter👎

nok
nok
Grünschnabel
12 Tage 1 h

Gut so. so sparen wor uns die Gefängnis kosten….

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