Ex-Präsident von Honduras festgenommen

Ex-Präsident von Honduras festgenommen: USA für Auslieferung

Dienstag, 15. Februar 2022 | 22:43 Uhr

Wenige Wochen nach Ende seiner Amtszeit ist Juan Orlando Hernández, der ehemalige Präsident von Honduras, nach einem Auslieferungsantrag der USA festgenommen worden. TV-Bilder zeigten, wie der konservative Politiker sich am Dienstag vor seinem Zuhause in der Hauptstadt Tegucigalpa den dort versammelten Sicherheitskräften stellte. Dem 53-Jährigen werden Korruption und eine Verwicklung in den Drogenhandel vorgeworfen.

Hernández wurden Hand- und Fußschellen sowie eine kugelsichere Weste angelegt. Das Außenministerium des mittelamerikanischen Landes hatte am Montag auf Twitter mitgeteilt, ein Schreiben der US-Botschaft, in dem die Festnahme eines honduranischen Politikers zur Auslieferung an die USA beantragt wurde, an den Obersten Gerichtshof weitergeleitet zu haben. Später bestätigte unter anderen Sicherheitsminister Ramón Sabillón vor Journalisten, dass es sich um Hernández handelte. Die Vorwürfe der US-Ermittler gegen ihn wurden zunächst nicht öffentlich gemacht.

Mit der Vereidigung seiner linken Nachfolgerin Xiomara Castro war Hernández am 27. Januar nach zwei vierjährigen Amtszeiten aus dem Amt des Staats- und Regierungschefs von Honduras ausgeschieden. Nach der Verfassung durfte er nicht erneut kandidieren. Honduras ist eines der Hauptherkunftsländer der Migranten, die bei der unerlaubten Einreise in die USA aus Mexiko aufgegriffen werden.

In einem Dokument der US-Botschaft, das der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag vorlag, hieß es, Hernández werde wegen der Beteiligung an einem Drogenhandel zwischen 2004 und 2022 gesucht. Der Politiker der Politiker der konservativen Nationalpartei (Partido Nacional de Honduras/PNH), der im Vormonat von der Linken Xiomara Castro als Präsident abgelöst worden war, hat sich zur Zusammenarbeit mit der nationalen Polizei verpflichtet. Er bestreitet aber jegliche Verbindungen zu Drogengeschäften.

Dem 53-Jährigen wird unter anderem vorgeworfen, an einer Operation teilgenommen zu haben, bei der Tonnen von Kokain aus Kolumbien und Venezuela in Honduras angeliefert wurden, heißt es in dem Dokument. Das Kokain sollte dann in die Vereinigten Staaten verschifft werden. Hernández – der von 2014 bis 2022 Präsident war – soll zudem Millionen von Dollar an Bestechungsgeldern erhalten haben, um die Drogenhändler vor Ermittlungen und Strafverfolgung zu schützen. Weitere Anklagen gegen Hernández lauten auf Tragen, Verwenden oder Beihilfe zum Verwenden von Waffen, einschließlich Maschinengewehren.

Das US-Außenministerium verwies Anfragen an das US-Justizministerium, das eine Stellungnahme aber ablehnte. Ein Sprecher der US-Staatsanwaltschaft in Manhattan äußerte sich ebenfalls nicht. Der Oberste Gerichtshof von Honduras, der über den Auslieferungsantrag entscheiden wird, trat am Dienstag zusammen und ernannte einen Richter, der den Fall überwachen soll. Nach Angaben von Hernández’ Verteidigung könnte das Verfahren zwei bis drei Monate dauern.

Einem seiner Anwälte zufolge hatte sich Hernández in seinem Haus verschanzt, das am späten Montag von etwa 100 Polizeibeamten umstellt worden war. “Die Nationalpolizei hat über meine Bevollmächtigten bereits die Nachricht erhalten, dass ich bereit bin, mit ihr zusammenzuarbeiten und freiwillig in ihrer Begleitung zu erscheinen, sobald der vom Obersten Gerichtshof ernannte Richter dies beschließt, um mich dieser Situation zu stellen und mich zu verteidigen”, sagte Hernández in einer Nachricht auf Twitter.

Nur wenige Stunden nach seinem Ausscheiden aus dem Amt war Hernández dem Zentralamerikanischen Parlament (PARLACEN) beigetreten, einem regionalen Gremium aus sechs Ländern, das seinen Mitgliedern Immunität vor Strafverfolgung gewährt. Die vom PARLACEN gewährte Immunität kann jedoch auf Antrag des Heimatlandes eines Mitglieds aufgehoben oder ausgesetzt werden.

Sicherheitsminister Ramón Sabillón sagte am Dienstag, dass Präsidentin Castro ihn angewiesen habe, das Gesetz einzuhalten und sie auf dem Laufenden zu halten. Eine Quelle der Präsidentschaft sagte, das Staatsoberhaupt werde sich nicht öffentlich äußern, bevor der Oberste Gerichtshof seine Entscheidung getroffen habe.

Der Bruder des Ex-Präsidenten, Juan Antonio Hernández, war im vergangenen März in New York wegen großangelegten Schmuggels von Kokain in die USA zu lebenslanger Haft verurteilt worden. In dem Verfahren wurde auch der damalige Präsident belastet – die Staatsanwaltschaft bezeichnete ihn als Mitverschwörer. Ihm wurde unter anderem von einem Zeugen vorgeworfen, von dem mexikanischen Ex-Drogenboss Joaquín “El Chapo” Guzmán eine Million US-Dollar für seinen Wahlkampf erhalten zu haben. Hernández bestritt die Vorwürfe.

Von: APA/Reuters/dpa