In Irland hat das Abtreibungsverbot Verfassungsrang

Exit Poll: Iren klar für Aufhebung des Abtreibungsverbots

Freitag, 25. Mai 2018 | 23:17 Uhr

Die Iren haben offenbar mit großer Mehrheit für die Aufhebung des seit über drei Jahrzehnten geltenden strikten Abtreibungsverbots gestimmt. Eine entsprechende Verfassungsänderung sei am Freitag in einer Volksabstimmung von 68 Prozent der Iren gutgeheißen worden, geht aus einer Wählerbefragung des Instituts IPSOS für die “Irish Times” hervor.

Die Befürworter der Verfassungsänderung hatten sich zuvor durch die hohe Stimmbeteiligung ermutigt gezeigt. Die Abschaffung der im Jahr 1983 in der Verfassung verankerten absoluten Abtreibungsverbotes war von einer Bürgerversammlung empfohlen worden. Keine Parlamentspartei hatte sich gegen den Vorschlag gestellt. Ministerpräsident Leo Varadkar will nun eine Fristenlösung nach dem Vorbild anderer europäischer Staaten einführen.

Die Kampagne gegen das Abtreibungsverbot erhielt Auftrieb durch den Fall von Amanda Mellet, die für die Abtreibung eines tödlich missgebildeten Fötus ins benachbarte Großbritannien ausweichen musste – wie viele andere Irinnen auch. Mellet brachte den Fall vor die UNO-Menschenrechtskommission, welche die Angelegenheit als Verstoß gegen die Grundrechte einstufte.

Im irischen Parlament gibt es eine Mehrheit für das Ende des Abtreibungsverbots. Auch Ministerpräsident Leo Varadkar ist dafür, die Bevölkerung ist allerdings gespalten. Die katholische Kirche hielt sich in der Kampagne sehr zurück. Die Regierung plant im Falle eines Siegs des Ja-Lagers, Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen straffrei zu stellen. Bei bestimmten Indikationen soll sie bis zum sechsten Monat erlaubt sein.

Die irische Bevölkerung ist gespalten, die Kampagne wurde sehr emotional geführt. Anders als vor dem Referendum 1983 hielt sich die katholische Kirche diesmal zurück – mehrere Skandale um Kindesmissbrauch hatten den Einfluss der einst in Irland übermächtigen Institution zuletzt schwinden lassen.

Im Falle eines Siegs des Ja-Lagers würde zunächst der achte Zusatzartikel aus der Verfassung gestrichen. Die Regierung müsste dann alles Weitere gesetzlich regeln. Ihr Entwurf sieht vor, Abtreibungen in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen straffrei zu stellen. Bei bestimmten Indikationen soll sie bis zur 24. Woche erlaubt sein.

Nachdem die Iren 2015 in einem Referendum für die Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe gestimmt hatten, ist das Abtreibungsreferendum nun ein weiterer Gradmesser für den großen gesellschaftlichen Wandel in Irland: Während die meisten europäischen Länder den Schwangerschaftsabbruch nach und nach entkriminalisierten, stimmten bei dem Referendum 1983 noch zwei Drittel der Iren für die Aufnahme des Abtreibungsverbots in die Verfassung.

Von: APA/ag./dpa

Kommentare

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2 Kommentare auf "Exit Poll: Iren klar für Aufhebung des Abtreibungsverbots"


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bergeistod
bergeistod
Tratscher
28 Tage 9 h

Willkommen in der kranken dekadenten Welt wo Mütter und Väter rechtmäßigen Infantizid betreiben können indem sie sich vorgaukeln, dass Ihr kleines ungeborenes Mädchen/Junge weniger Wert sei als ein Stück Sch****. Kompliment zu so viel Modernität. Pfui

Waltraud
Waltraud
Superredner
26 Tage 9 h

bergeistod

Ich sehe Abtreibung auch mit gemischten Gefühlen. Wer nicht schwanger werden will, muss es auch nicht. Dazu stehe ich. Aber wie sieht es aus, wenn eine Frau, ein Mädchen durch Vergewaltigung schwanger wird. Ich möchte da nicht sagen müssen, dass sie nicht abtreiben darf.

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