"Die Gerechtigkeit wird siegen", sagte Kronprinz Mohammad bin Salman

Fall Khashoggi – Kronprinz: “Abscheulicher Vorfall”

Mittwoch, 24. Oktober 2018 | 19:34 Uhr

Der saudi-arabische Kronprinz Mohammed bin Salman hat die Tötung des Journalisten Jamal Khashoggi als “abscheulichen Vorfall” verurteilt, nicht aber als “Verbrechen”. Bei einem Wirtschaftsforum in Riad sagte der Kronprinz am Mittwoch zu, den Fall aufzuklären. Die Hintermänner würden “zur Rechenschaft gezogen”, sagte er. “Die Gerechtigkeit wird siegen.”

Der Kronprinz sprach auf Arabisch nicht von “Verbrechen”, wie zunächst von manchen Medien vermeldet wurde, sondern von “Vorfall”. Seine Äußerungen wurden vom Simultandolmetscher als “Verbrechen” (crime) ins Englische übersetzt. Das von Mohammed benutzte arabische Wort bedeutet aber eher “Vorfall”.

Man werde in dem Fall Khashoggi mit der türkischen Regierung zusammenarbeiten, versprach er. Der Vorfall solle keinen Keil zwischen die Türkei und Saudi-Arabien treiben. Zuvor telefonierte der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan Regierungsmedien zufolge mit dem saudi-arabischen Kronprinzen Mohammad bin Salman. Es sei um “gemeinsame Anstrengungen zur Aufklärung des Mordes” am saudischen Regierungskritiker Khashoggi im Istanbuler Konsulat des Königreichs gegangen, berichtete die Nachrichtenagentur Anadolu am frühen Abend.

Am Vormittag hatte Erdogan erneut betont, sein Land werde dafür sorgen, dass der “Mord” nicht verschleiert werde. Riad besteht jedoch darauf, dass der Journalist versehentlich bei einer “Schlägerei” starb. Jede Verstrickung des Kronprinzen, der zunehmend die Regierungsgeschäfte führt, weist das Königshaus zurück. Am Vortag hatte Erdogan in einer landesweit übertragenen Rede zu dem Thema gesagt, er zweifele die Aufrichtigkeit König Salmans nicht an.

Türkische Medien hatten berichtet, Khashoggi sei am 2. Oktober im Gebäude des saudi-arabischen Konsulats in Istanbul ermordet und zerstückelt worden. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan sprach am gestrigen Dienstag von einem “barbarischen geplanten Mord”, äußerte sich aber nicht zu den näheren Umständen.

Die Regierung in Riad versicherte zunächst wochenlang, der Journalist habe das Konsulat wieder lebend verlassen. Am vergangenen Samstag wurde dann aufgrund von massivem internationalen Druck erklärt, Khashoggi sei Anfang Oktober im Konsulat bei einer “Schlägerei” zu Tode gekommen. Diese Darstellung stößt allerdings weltweit auf Skepsis.

Kronprinz Mohammed hat am Mittwoch erstmals die Tötung des regimekritischen Journalisten öffentlich verurteilt. Zuvor hatte er sich erst einmal zu dem Fall geäußert: In einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg Anfang Oktober hatte er noch die damalige offizielle Position Saudi-Arabiens vertreten, wonach Khashoggi lebend aus dem Gebäude des Konsulats gelangt war.

Die USA hatten erste Strafmaßnahmen im Zusammenhang mit der Tötung Khashoggis angekündigt. Seine Regierung werde den Saudi-Arabern, die in die Tat verwickelt seien, das Visum entziehen, sagte US-Außenminister Mike Pompeo am Dienstag in Washington. “Diese Strafen werden nicht unser letztes Wort sein”, fügte er hinzu. Als Reaktion auf die Tötung Khashoggis belegen die USA 21 Vertreter des Königreichs mit Einreisesperren. Die mutmaßlich in die Tat verwickelten Verdächtigen sollen nach Angaben des US-Außenministeriums vom Dienstag kein Visum erhalten, bereits erteilte Visa werden entzogen. “Diese Strafen werden nicht das letzte Wort der Vereinigten Staaten in dieser Angelegenheit sein”, kündigte US-Außenminister Mike Pompeo an.

Denkbar seien auch Finanzsanktionen gegen Einzelpersonen. Für die US-Regierung sei es nicht hinnehmbar, dass ein Journalist durch Gewalt zum Schweigen gebracht werde, sagte Pompeo. Die Verdächtigen entstammen demnach den “Geheimdiensten, dem Königshof, dem Außenministerium und weiteren saudischen Ministerien”.

Die saudi-arabische Führung empfing unterdessen in Riad enge Familienangehörige Kashoggis. König Salman und Kronprinz Mohammed bin Salman hätten Khashoggis Bruder Sahl und Khashoggis Sohn Salah bei dem Treffen im Palast kondoliert, meldete die staatliche saudische Nachrichtenagentur SPA am Dienstag. Die beiden Familienangehörigen hätten sich für die Beileidsbekundung bedankt.

Von: APA/ag./dpa

Kommentare

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5 Kommentare auf "Fall Khashoggi – Kronprinz: “Abscheulicher Vorfall”"


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Orschgeige
Orschgeige
Superredner
21 Tage 21 h

Diese Wüstenbande ist so brutal wie dumm. Um die Ermordung von Khashoggi via Skype anzuordnen und zu verfolgen muss man wirklich man sehr schlau sein, bei Microsoft haben sie alles auf ihren Datenspeichern.  

idenk
idenk
Grünschnabel
21 Tage 21 h

Hmmm der Mordfall reicht bis ins Königshaus hinein, oder hinaus…..🤔?

Mistermah
Mistermah
Kinig
21 Tage 16 h

Ist doch klar dass dies kein Unfall war. Warum er umgebracht wurde auch. Er war jahrelang engster vertrauter im Königshaus. Da weiß man eben sehr viel. Als unabhängiger Journalist war er zu gefährlich. Die Usa versuchte den saudis den Rücken zu decken. 1+1 dann weiß man warum. Aber diese stümper hinterließen zu viele Spuren. Intressant dass die Türkei hier nicht mitspielt. Die allgemeine Situation ist äußerst explosiv

idenk
idenk
Grünschnabel
21 Tage 18 h

Was für eine Ironie, Erdogans Rolle im diesen Mordfall des ermordeten Journalisten🤷🏾‍♂️

Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
20 Tage 13 h

Was mir am meisten sorgen macht sind die Waffenlieferungen des Westens dort hin, …..wenn wir ungläubigen das nicht mal bereuen…..es leben ja auch schon ziemlich viele unter uns,die freitags immer etwas geistig verwirrt werden…….

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