Erdogan forderte die Auslieferung der Verdächtigen

Fall Khashoggi: USA sorgen sich um Anti-Iran-Achse

Samstag, 27. Oktober 2018 | 14:45 Uhr

Der gewaltsame Tod des regimekritischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudiarabischen Konsulat von Istanbul bedroht nach Einschätzung der USA die Stabilität in der gesamten Nahost-Region. US-Verteidigungsminister Jim Mattis sagte bei einer Sicherheitskonferenz am Samstag in Bahrain, die Nichtbeachtung fundamentaler Werte wie Rechtsstaatlichkeit unterminiere die regionale Sicherheit.

Das saudische Herrscherhaus lehnte unterdessen die Auslieferung der Tatverdächtigen an die Türkei ab. “Mit Blick auf unser kollektives Interesse an Frieden und dem unerschütterlichen Respekt für Menschenrechte muss uns der Mord an Jamal Khashoggi in einer diplomatischen Vertretung alle beunruhigen”, sagte Mattis in Manama, der Hauptstadt von Bahrain. Wenn ein Staat darin scheitere, internationale Normen und rechtsstaatliche Prinzipien zu beachten, werde die regionale Stabilität in einer Zeit untergraben, in der es besonders nötig sei, sagte Mattis. Den saudi-arabischen Kronprinzen Mohammed bin Salman, der im Verdacht steht, die tödliche Attacke auf den Journalisten angeordnet zu haben, nannte Mattis nicht beim Namen.

Mattis machte anhand zahlreicher Beispiele deutlich wie wichtig der US-Regierung eine Einhegung des wachsenden Einflusses des Iran in der Region ist. Dieser torpediere die politische Stabilität in zahlreichen Ländern, kritisierte Mattis. Die bisher eher zögerliche Reaktion der USA auf die Tötung Khashoggis hängt auch mit der überragenden Bedeutung Saudi-Arabiens in der US-Strategie gegen den Iran zusammen.

Deutschlands Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen forderte bei der Konferenz, die Tötung Khashoggis müsse ungeachtet möglicher politischer Folgen aufgeklärt werden. Dies sei eine Frage der menschlichen Würde und gleichzeitig eine Chance, Glaubwürdigkeit und Vertrauen wiederherzustellen.

Der saudi-arabische Außenminister Adel al-Jubeir spielte die Bedeutung der Tötung Khashoggis vor den Konferenzteilnehmern herunter. Um den Tod des regierungskritischen Journalisten habe sich eine “Medien-Hysterie” entwickelt, sagte er. Zugleich lehnte er die von der Türkei geforderte Auslieferung der als tatverdächtig Festgenommenen ab. Sie würden im Königreich zur Rechenschaft gezogen. Der Prozess werde in Saudi-Arabien stattfinden und die Ermittlungen würden eine gewisse Zeit in Anspruch nehmen, sagte der Minister. Die Türkei hatte am Freitag die Auslieferung der 18 Verdächtigen gefordert.

Al-Jubeir bemühte sich um Beschwichtigung der USA: Die Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien seien unzerstörbar. Sein Land sei ein Leuchtturm des Lichtes, während der Iran die Dunkelheit verkörpere, sagte er.

Khashoggi war Anfang Oktober im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul getötet worden. Auch ein saudi-arabischer Staatsanwalt hatte das Verschwinden Khashoggis zuletzt als Mord bezeichnet. Ursprünglich hatten die Behörden in Riad abgestritten, etwas mit dem Verschwinden Khashoggis zu tun zu haben. Später hieß es, der 59-Jährige sei bei einer Schlägerei in dem Konsulat ums Leben gekommen.

Die Tötung des Journalisten hat weltweit für Empörung gesorgt und stellt die Beziehungen Riads zu Washington und anderen westlichen Staaten auf die Probe. Al-Jubeir gelobte jedoch, “wir werden das überstehen”.

In Deutschland wird unterdessen die Diskussion um ein Waffenembargo gegen Saudi-Arabien weitergeführt. FDP-Vize Alexander Graf Lambsdorff begrüßte am Samstag im Deutschlandfunk die Entscheidung der Bundesregierung, vorerst keine Genehmigungen für Rüstungsexporte in das Golf-Königreich zu erteilen. Gleichzeitig sprach er sich für europäische Standards in der Rüstungskontrolle aus. Die Gespräche über diesen Prozess müssten “dringend beginnen”, sagte Lambsdorff.

Am Freitag waren Meinungsverschiedenheiten zwischen Berlin und Paris hinsichtlich der Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien zutage getreten. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die deutsche Position eines vorläufigen Waffenembargos bekräftigte, sprach Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit kaum verhohlener Kritik an Deutschland in diesem Zusammenhang von “reiner Demagogie” und forderte eine “europäische Lösung”.

Er stellte sich mit seinen Äußerungen auch gegen die Position von Außenministerin Karin Kneissl (FPÖ), die sich gegenüber der deutschen Zeitung “Die Welt” für einen EU-weiten Stopp von Waffenlieferungen an Saudi-Arabien ausgesprochen hatte

Der Chef des saudisch-türkischen Medienverbandes, Turan Kislakci, mahnte Deutschland und die EU unterdessen zu “echten Konsequenzen” im Fall Khashoggi. “Merkel sollte dafür sorgen, dass der Waffenhandel aus Deutschland und auch aus anderen Ländern in Europa mit Saudi-Arabien gestoppt wird”, sagt er der “Bild”-Zeitung.

Von: APA/ag.

Kommentare

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7 Kommentare auf "Fall Khashoggi: USA sorgen sich um Anti-Iran-Achse"


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Ralph
Ralph
Superredner
21 Tage 8 h

hat jemand etwas anderes erwartet??

josef.t
josef.t
Tratscher
21 Tage 5 h

Die Amerikaner machen das genau so !

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
21 Tage 6 h

Übrigens :
Warum konnte ein saudischer Terrortrupp ungehindert in die Türkei einreisen.
Mr. Erdogan, bitte erkläre es.

werner66
werner66
Superredner
21 Tage 7 h

ein empfehlenswerter Artikel dazu:

http://www.voltairenet.org/article203606.html

traktor
traktor
Universalgelehrter
21 Tage 6 h

das sagt alles …
die mörder werden vom scheich beschützt um ihn nicht zu verpfeifen…

Kurt
Kurt
Universalgelehrter
21 Tage 6 h

. Die große Frage ist doch : Warum ii st ein saudischer Terrortrupp ungehindert in die Türkei eingereist, Mr. Erdog

Blaba
Blaba
Tratscher
21 Tage 6 h

I tat’s ihm vergunnen, in saudischn Kronprinz, wenn er amol teiflisch oans af dr Nos kriaget… der moant jo, er konn mit dr gonzn Welt Wagala fohrn…
Obr er schiab eh olls lai af seine Schergn o… de wern a Freid hobn- zerscht die Drecksorbet mochn und drnoch von Auftroggeber a nou hintergongn werdn… logisch hot dr guate Salman iatz Schiss, dass do oaner in Mund auftuat…

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