FPÖ-Spitzenkandidat Udo Landbauer

“Falter” sieht FPÖ-Politiker Landbauer in Nähe der Schoah

Dienstag, 23. Januar 2018 | 20:15 Uhr

Der “Falter” sieht Udo Landbauer, FPÖ-Spitzenkandidat für die NÖ Landtagswahl, in der Nähe der Schoah. Die Wiener Stadtzeitung berichtete von einem Liederbuch der Burschenschaft “Germania zu Wiener Neustadt”, in dem der Judenmord und das Naziregime verherrlicht würden. Landbauer, laut “Falter” stellvertretender Vorsitzender der “Germania”, stellte seine Mitgliedschaft nach dem Bericht ruhend.

Aus einem Lied der Burschenschaft wird im “Falter” zitiert: “Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'” und weiter “Da schritt in ihre Mitte ein schlitzäugiger Chines’: ,Auch wir sind Indogermanen und wollen zur Waffen-SS.'”

Landbauer reagierte “entsetzt” auf den “Falter”-Bericht. Er sei “schockiert über jene Text- und Liedpassagen, welche heute zum Gegenstand politischer Diskussionen geworden sind. Als dieses Buch gedruckt wurde, war ich elf Jahre alt. Ich erhalte davon heute zum ersten Mal Kenntnis und ziehe auch sofort die notwendigen Konsequenzen”.

“Im Konkreten bedeutet dies, dass ich meine Mitgliedschaft in diesem Bund (“Germania zu Wiener Neustadt”)umgehend ruhend stelle und die Einsetzung einer Untersuchungskommission mit allen auch rechtlichen Konsequenzen fordere, um diese skandalöse Angelegenheit restlos und umfassend zu klären, gegebenenfalls auch vor Gericht”, so Landbauer.

“Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit sind etwas sehr Hässliches und müssen auch nur in der kleinsten Dosis entschieden verurteilt und bekämpft werden”, betonte Landbauer. Gerade er, der selbst Migrationshintergrund habe, habe weder in der FPÖ noch in seinem Bund in den vielen Jahren seines Wirkens auch nur das geringste Maß an Fremdenfeindlichkeit oder Antisemitismus wahrgenommen. “Umso schmerzhafter ist es, wenn jetzt fünf Tage vor der niederösterreichischen Landtagswahl ein Bild erzeugt wird, das weder zu mir als Person, noch zur FPÖ, oder auch meinem Umfeld passt.” Er wolle und werde “persönlich mit Nachdruck die Klärung dieser Angelegenheit vorantreiben und nicht den leisesten Zweifel zurücklassen, dass weder ich, noch die FPÖ mit Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Totalitarismus, auch nur das Geringste am Hut haben”.

Die in Kritik geratene Burschenschaft Germania selbst distanzierte sich von den zitierten Liedtexten. Man lehne “jede Diskriminierung von Religionen zutiefst ab sowie jegliche Art von Antisemitismus”, hieß es gegenüber der APA.

“Die pennale Burschenschaft Germania distanziert sich von jeder Verherrlichung der Verbrechen der NS-Diktatur”, ließ die Burschenschaft wissen. Das Liederbuch sei vor 21 Jahren gedruckt worden. Warum überhaupt “derart menschenverachtende Liedertexte abgedruckt wurden beziehungsweise nicht restlos entfernt wurden”, soll bei einer Versammlung der Verbindung am Mittwoch geklärt werden, hieß es weiters.

Philip Wenninger, stellvertretender Obmann der Mittelschülerverbindung, erklärte gegenüber der APA, dass man seit Jahren das 1997 gedruckte Liederbuch erneuern wolle. Bisher habe es aber am Geld gefehlt, soll es doch ein ledergebundenes Buch werden. Wie die nun publik gewordenen Texte, in denen der Judenmord verherrlicht wird, in das Liederbuch kamen, sei nun zu klären. Die Germania zu Wiener Neustadt hat laut Wenninger rund 70 Mitglieder und wurde 1917 gegründet.

Die politische Konkurrenz zeigte sich von dem “Falter”-Bericht bestürzt. Die Vorwürfe gegen Landbauer seien “unglaublich schwerwiegend”, reagierte ÖVP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner. Sie müssten “jedenfalls restlos aufgeklärt werden”. Auch NEOS-Spitzenkandidatin Indra Collini zeigte sich schockiert. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, bleibe Landbauer “als einzige Konsequenz der Rücktritt”, teilte sie mit. Auch die SPÖ hat Landbauer zum Rücktritt aufgefordert. “Es muss Konsequenzen geben”, betonte Abg. Sabine Schatz, Sprecherin für Gedenkkultur.

Auch auf Bundesebene rief der Bericht Reaktionen hervor. Bundeskanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz meldete sich via Twitter zu Wort. “Die publik gewordenen Liedtexte der Germania sind rassistisch, antisemitisch und absolut widerwärtig”, erklärte Kurz. Dafür dürfe es in Österreich keinen Platz geben.

Auch SPÖ-Chef Christian Kern kritisierte die Causa auf Twitter: “Während Landbauer/FPÖ im Verdacht der Verhetzung und Wiederbetätigung steht, teilt Strache (Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, Anm.) Landbauers Werbevideo auf FB.” “Diesmal geht sich, ‘da war ich ja noch gar nicht auf der Welt’, nicht mehr aus.”, meinte Kern weiters.

Von: apa