Die Polizei nahm weitere Verdächtige fest

Fehler vor Anschlägen: Sri Lankas Polizeichef muss gehen

Mittwoch, 24. April 2019 | 15:41 Uhr

Sri Lankas Regierung hatte bereits Fehler bei der Weitergabe von Geheimdienstinformationen vor den Anschlägen vom Ostersonntag mit 359 Toten eingeräumt. Jetzt hat sie erste Konsequenzen gezogen. Staatspräsident Maithripala Sirisena wies den Polizeichef und einen hochrangigen Beamten im Verteidigungsministerium am Mittwoch an, ihre Kündigung einzureichen, wie sein Büro mitteilte.

Präsident Sirisena hatte am Dienstagabend angekündigt, innerhalb von 24 Stunden die Führung der Sicherheitsbehörden des Landes auszutauschen. Hinweise von ausländischen Geheimdiensten auf Anschlagspläne seien nicht an ihn weitergegeben worden, sagte er zur Begründung.

Die Regierung gab am Mittwoch einige Details über die Attentäter bekannt, die Hintergründe blieben aber größtenteils ungeklärt. Mutmaßlicher Drahtzieher der Anschläge könnte der islamische Prediger Zahran Hashim sein. In dem am Dienstag von der Jihadistenmiliz “Islamischer Staat” (IS) veröffentlichten Bekenner-Video steht Hashim offenbar im Zentrum. Ein schwarzes Tuch um den Kopf geschlungen und ein Gewehr im Arm, leitet Hashim die mutmaßlichen Angreifer in einem Treueschwur auf IS-Führer Abu Bakr al-Bagdadi an.

Sri Lankas Regierung hatte Hashim bereits indirekt für die verheerende Anschlagserie am Ostersonntag auf drei christliche Kirchen und drei Luxushotels verantwortlich gemacht, als sie die Tat der einheimischen Islamistengruppe National Thowheeth Jama’ath (NTJ) zuschrieb. Der Kleriker gilt als Anführer der Gruppe.

Sieben sri-lankesische Selbstmordattentäter hatten sich am Ostersonntag nahezu gleichzeitig in drei Kirchen in mehreren Städten und drei Luxushotels in der Hauptstadt Colombo in die Luft gesprengt. Einige Stunden später gab es zwei weitere Explosionen in einem kleinen Hotel und in einer Wohngegend in Vororten Colombos. Ein weiterer Anschlag auf ein Fünf-Sterne-Hotel scheiterte.

Die Zahl der Toten lag nach Polizeiangaben vom Mittwoch bei 359 – darunter waren laut Außenministerium 34 Ausländer, 14 wurden noch vermisst. Österreicher kamen nach den bisherigen Angaben nicht zu Schaden. Mehr als 400 Verletzte wurden nach Angaben der Polizei noch in Krankenhäusern behandelt. 60 Menschen waren laut Polizei am Mittwoch in Gewahrsam, alle seien Sri Lankesen.

Vize-Verteidigungsminister Ruwan Wijewardene sagte am Mittwoch, die meisten der Attentäter seien gebildet gewesen und hätten der oberen Mittelschicht angehört. Sie hätten im Ausland studiert – einer von ihnen vermutlich in Großbritannien und Australien. Insgesamt seien neun Selbstmordattentäter an den Anschlägen beteiligt gewesen, darunter eine Frau. Acht von ihnen seien bisher identifiziert worden, sagte Wijewardene. Mögliche Verbindungen zur Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) würden geprüft.

Der IS hatte die Selbstmordanschläge für sich reklamiert. Die Echtheit der Nachricht ließ sich nicht unabhängig überprüfen. Als Täter macht Sri Lanka eine einheimische Islamistengruppe verantwortlich, die aber Hilfe aus dem Ausland gehabt haben müsse. Nach Einschätzung der Regierung waren die Anschläge als Vergeltung für den Anschlag auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch im März gedacht.

Nach Angaben von Sri Lankas Premierminister Ranil Wickremesinghe waren noch einige Verdächtige auf der Flucht, manche von ihnen seien im Besitz von Sprengstoff. Mehrere verdächtige Gegenstände wurden am Mittwoch in der Hauptstadt Colombo kontrolliert gesprengt. Es handelte sich aber um Fehlalarme.Fehler vor den Anschlägen: Sri Lankas Polizeichef muss gehen

Von: APA/ag.

Kommentare

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5 Kommentare auf "Fehler vor Anschlägen: Sri Lankas Polizeichef muss gehen"


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denkbar
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Kinig
1 Monat 1 Tag

Die Welt muss zusammenhalten im Kampf gegen den Terror und im Einsatz für den Frieden und die Verteidigung der Menschenrechte und sich nicht spalten lassen!
Die weltweite Anteilnahme und Trauer lassen hoffen, dass jene die solche Verbrechen begehen niemals siegen.

typisch
typisch
Kinig
1 Monat 1 Tag

Glaubst du die gegenüberliegende seite denkt auch so?

denkbar
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Kinig
1 Monat 1 Tag

@typisch . Wichtig ist, was ich glaube und dafür einzustehen. Insofern ist Ihr Kommentar nur der verzweifelte Versuch meinen zu diskreditieren.

zombie1969
zombie1969
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

9-11 ist noch nicht vergessen. Dies war auch ein mehrfacher Angriff auf die westliche Kultur und das Christentum, mit ähnlichen Hintergründen und Finanziers wie in Sri Lanka. Der Daesh (IS) ist nicht besiegt und hat seine Ziele nicht verändert, sondern lediglich seine Taktik und seine Einsatzgebiete.
Aktuell läuft gerade “Die dritte Angriffswelle auf Europa”
https://www.welt.de/politik/article815914/Die-dritte-Angriffswelle-auf-Europa-rollt.html

Andre
Andre
Grünschnabel
26 Tage 15 h

Wir müssen den Islamismus gemeinsam politisch und aufmerksam bekämpfen. Liebe und Vertrauen sind langfristig der Schlüssel. Krieg war nie die Lösung, sondern wurde zu einem temporären Feuerlöscher, der die Situation verschlimmern könnte.

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