Grüne wirft Politik in Südtirol "Einknicken vor Lobbys" vor

Fehlt Südtirol tatsächlich der Mut?

Dienstag, 06. September 2022 | 16:49 Uhr

Bozen – In den letzten Jahren wurde in Südtirol sehr viel über Nachhaltigkeit gesprochen. Meistens ging es und geht es um Nachhaltigkeitsstrategien, um Visionen und Ideen, um Ziele. Heute fangen in Südtirol die Sustainability Days an, vier Tage lang wird an der Messe Bozen erneut viel über Nachhaltigkeit gesprochen.

Elide Mussner von den Grünen äußert sich kritisch zur Nachhaltigkeit in Südtirol. Man sei von den gesteckten Zielen im Klimaplan weit weg. “Das Konzept der Nachhaltigkeit ist eine sehr komplexe Angelegenheit. Es geht um eine konsequente Haltung auf allen Ebenen der Gesellschaft. Nachhaltigkeit soll sozial, ökologisch und ökonomisch, sein. Der Sinn der Sustainability Days ist gut nachvollziehbar, es geht darum beim Bewusstsein anzusetzen und dieses Bewusstsein aufzubauen. Die Sustainability Days bieten aber auch Gelegenheit darüber nachzudenken, wie nachhaltig Südtirol nun mal wirklich ist.”

“2011 wurde der Klimaplan Energie – Südtirol 2050, verabschiedet. Dieser Plan ist sehr ambitioniert. Bis 2020 hätte man unter anderem die CO2-Emissionen pro Kopf von ca. 7,5 Tonnen auf vier Tonnen pro Kopf, senken und den Deckungsgrad der erneuerbaren Energie auf 75 Prozent, erhöhen sollen. Diese Ziele wurden nicht erreicht. Heute deckt die erneuerbare Energie 63 Prozent des Energiebedarfs und die CO2-Emissionen sind bei ca. 7,5 Tonnen (laut Klimahausagentur), gleich geblieben. Davon sind rund 56 Prozent dem Verkehr, 20 Prozent der Gebäudeheizung, 18 Prozent der Landwirtschaft und 15 Prozent der Verbrennungsprozessen, geschuldet. Der Konsum an Strom hat sich im Dienstleistungssektor in den letzten 20 Jahren verdreifacht. Wir sind von den Zielen des Klimaplans noch sehr weit entfernt”, so Mussner.

Der Wassernotstand vom heurigen Sommer, die Plage der Borkenkäfer, der Einsturz an der Marmolata und der Felssturz am Latemar seien nur ein paar der klaren Zeichen, dass die Situation mehr als ernst ist. “Ich würde mir mehr Zielstrebigkeit wünschen, denn Südtirol hat alle Voraussetzungen um nachhaltiger zu wirtschaften, nur fehlt der Mut zu klaren politischen Entscheidungen”, meint Elide Mussner, Tourismusreferentin der Gemeinde Abtei und Kandidatin der Grünen für die Mitte-Links-Allianz im Kammerwahlkreis Meran-Bozen-Unterland.

Bettenobergrenze als Beispiel

So sei etwa durch Druck der Lobbys, aus der verkündigten Bettenobergrenze letztendlich eine Bettenmultiplikation geworden. “Der Tourismus ist ein wesentlicher Wirtschaftssektor für unser Land, aber auch jener Sektor, der einen gravierenden Druck auf Land, Landschaft und Ressourcen hat. Hier braucht es Transparenz bezüglich Kostenwahrheit und klare gemeinsame Ansätze um den Tourismus nachhaltiger zu gestalten”, sagt Elide Mussner.

“Mobilität erfordert ebenfalls Mut”

Auch in Sachen Mobilität brauche es mehr Mut für konsequente Entscheidungen. “Südtirol ist mit mehr als ein Auto pro Kopf immer noch weit entfernt von einer übergreifenden alternativen Mobilität. 75 Prozent der Gäste reisen mit dem Auto an. Wir brauchen einen maßgeblichen Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs vor allem in den Tälern, eine Lösung für das Verkehrsproblem auf den Dolomitenpässen ist schon längst ausständig. Die Gemeinden müssen im Ausbau des Fahrradwegnetzes und in der Gestaltung der ‘Last Mile’, besser unterstützt werden, damit eine nachhaltige Mobilität kapillar möglich wird”, so Elide Mussner.

Von: luk

Bezirk: Bozen

Kommentare

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7 Kommentare auf "Fehlt Südtirol tatsächlich der Mut?"


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So ist das
27 Tage 19 h

Die Politik ist vor den Lobbys schon längst eingeknickt, das merkt man bei vielen Massnahmen 🤔

Doolin
Doolin
Kinig
27 Tage 18 h

…da braucht es keinen Mut, sondern nur Knete…SVP die Partei der Bauern und Hoteliere…das Fussvolk darf dann “zusammenhalten”…
😆

Rosenrot
Rosenrot
Superredner
27 Tage 19 h

Südtirol fehlt der Mut, ganz klar, hier haben andere das Sagen. Zur Eindämmung des Massentourismus ein Beispiel dafür, wie unser Land niemals werden darf. Hier ein Bericht, der zum Nachdenken anregen sollte: dw.com/de/mallorca-opfer-des-eigenen-erfolgs/a-63021415

N. G.
N. G.
Kinig
27 Tage 18 h

Den Südtirolern fehlt Mut und Weitsicht!
Was könnte man aus unserem Land machen, gerade unserem! Potenzial ohne Ende aber es fehlen die wirklichen Macher. Reden können wir schon lange gut, mehr aber auch nicht!
Hauptursache ist leider, dass die Bevölkerung nicht einsieht das uns das alles erst mal viel Geld kosten würde, uns aber letztendlich viel mehr brächte und darum trauen sich Politiker nicht an die Sache ran.

pingoballino1955
pingoballino1955
Superredner
27 Tage 2 h

N.G.ihr Kommentar ist in meinen persönlichen Gedanken nur teilweise berechtigt.Den Südtirolern fehlt nicht der Mut,sondern sie sind nicht fähig konkret darüber nachzudenken,was die Svp in den letzten 20 Jahren verbockt hat.Ich hoffe sie haben jetzt den Mut anders zu wählen und die Svp mit ihren VertuschungstaktikenSkandalen und Frechheiten gegenüber den Normalbprgern/innen abzustrafen.

N. G.
N. G.
Kinig
26 Tage 23 h

@pingoballino1955 Wenn die Abstrafung der SVP in Form von Grün und/oder Team K bestünde, dann wäre ich nicht nur dafür sondern für komplette Abwahl der SVP. Ansonsten das kleinere Übel! An Klüngelei, Vetternwirtschaft und Wirtschaft in die eigenen Taschen echt nicht mehr zu überbieten!
Leider würden diese zukünftigen Parteien, selbst wenn sie wollten, dazu sind sie in der Konstellation nicht für das Thema Zukunft wie im Bericht erklärt fähig! Dazu braucht es herausragende Persönlichkeiten mit Charisma, Mut und Verstand. Die sehe ich leider nirgends! Gäbe es so jemanden, hätten wir ihn /sie schon längst!

berthu
berthu
Universalgelehrter
27 Tage 3 h

Da geht das “Land” mit besonders schlechtem Beispiel voran:
Die Liste von Versagen vieler Ausschreibungen, Kostenvervielfachung, schlechter Ausführung (Kontrolle), Nacharbeiten, Fehlentscheidungen bei Windkraft, Solar -natürlich die Abhängikeit wegen Gas-, falschen Isoliermaterialien, Chaos bei Wohnbauförderung… Dazu all die Skandale um SEL, Flugplatz, uvm.
Soviel Unkosten und Schäden kann die Bevölkerung gar nicht gut machen. Das Wort “Nachhaltigkeit” in aller Politiker Munde ist genau das Gegenteil vom eigentlichen Sinn!

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