Polizei suchte ICE-Strecke nach Stahlseil-Vorfall ab

Festnahmen in Wien nach Anschlägen auf Züge in Deutschland

Mittwoch, 27. März 2019 | 17:46 Uhr

Im Zusammenhang mit Anschlägen auf ICE-Züge in Deutschland sind am Montag in Wien ein mutmaßlicher IS-Sympathisant und seine Ehefrau festgenommen worden. Der in Wien wohnhafte 42-jährige Iraker stehe “im dringenden Verdacht, im Oktober und Dezember 2018 in Deutschland terroristische Anschläge auf Bahnstrecken durchgeführt zu haben”, teilte die Staatsanwaltschaft Wien am Mittwoch mit.

Auch die Ehefrau des Mannes wurde am Mittwoch wegen des Verdachts der Beitragshandlung festgenommen. Nina Bussek, die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, bestätigte einen entsprechenden Bericht des Kurier (Online-Ausgabe) vom Mittwochnachmittag.

Die Razzia am Montag in Wien-Simmering war bereits am Dienstag bekannt geworden, erst am Mittwoch wurde aber bestätigt, dass der festgenommene Iraker zwei Anschläge auf Bahnstrecken in Deutschland durchgeführt haben soll. Konkret geht es um zwei Fälle: Am 7. Oktober war in Bayern auf der ICE-Strecke zwischen Nürnberg und München ein Stahlseil über die Bahngleise gespannt, zudem wurden mit Metallteilen verstärkte Holzkeile auf den Gleisen angebracht, um einen Zug zum Entgleisen zu bringen. Ein ICE überfuhr die Hindernisse und wurde dabei leicht beschädigt. Die Polizei Berlin hatte am 24. und 25. Dezember von einem vergleichbaren Eingriff an einer Bahnstrecke in Berlin-Karlshorst berichtet. Menschen kamen durch die Anschläge nicht zu Schaden.

Nur aufgrund eines technischen Fehlers sei es nicht zur geplanten Tötung von Menschen gekommen, teilte die Staatsanwaltschaft Wien mit. Der Iraker habe sich tatsachengeständig gezeigt, bestreite jedoch einen terroristischen Hintergrund, hieß es. In der Nähe des Tatorts wurden damals Schriftstücke in arabischer Sprache sowie eine IS-Flagge gefunden. Die Einlieferung in die Justizanstalt Josefstadt wurde angeordnet.

Dem 42-Jährigen wird “das Verbrechen der terroristischen Straftat des versuchten Mordes, der terroristischen Straftat der schweren Sachbeschädigung, der terroristischen Vereinigung und der kriminellen Organisation zur Last” gelegt. Dafür gilt eine Strafdrohung bis zu lebenslanger Freiheitsstrafe, teilte die Staatsanwaltschaft Wien mit. Vom Amtsgericht München gibt es außerdem einen Haftbefehl wegen versuchten Mordes in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Bahnverkehr.

Die Ermittlungen laufen gemeinsam mit deutschen und europäischen Behörden. Bayerische und Berliner Ermittler sind derzeit in Wien, um an der Vernehmung teilzunehmen und die österreichischen Ermittler zu unterstützen, wie die Generalstaatsanwaltschaften von München und Berlin sowie die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) und Berlin am Mittwoch in einer gemeinsamen Aussendung mitteilten.

Laut “Kronen Zeitung” (Mittwoch-Ausgabe) war der Terrorverdächtige ein anerkannter Flüchtling und arbeitete als Mitarbeiter einer Security-Firma unter anderen vor Supermärkten und in Fußballstadien. Demnach soll der Iraker 15 Jahre lang in der irakischen Armee gedient haben.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann lobte die hervorragende Arbeit der Ermittler. “Dank der hervorragenden internationalen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Österreich konnte damit der vermutlich hochgefährliche Täter aus dem Verkehr gezogen werden”, erklärte Hermann in einer Aussendung. “Die Ermittlungen werden jetzt mit Hochdruck fortgeführt, um die weiteren Hintergründe aufzuklären”, kündigte Herrmann an. Das betreffe insbesondere einen möglichen Bezug der Taten zum “Islamischen Staat” und die Frage, ob es Hintermänner gegeben haben könnte.

Der mutmaßliche IS-Sympathisant war unbescholten. Er war nicht vorbestraft, erklärte die Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, Nina Bussek, am Mittwoch gegenüber der APA. Über die Verhängung der Untersuchungshaft muss das Landesgerichts für Strafsachen Wien bis Donnerstagabend entscheiden, wie die Gerichtssprecherin Christina Salzborn auf Anfrage mitteilte.

Von: apa