Die Politik muss laut Barbara Prainsack erst wieder Vertrauen aufbauen

Forscherin: Politik muss verlorenes Vertrauen zurückgewinnen

Sonntag, 21. November 2021 | 06:05 Uhr

Der erneute bundesweite Lockdown bedeute für viele Menschen im Land “eine echte Katastrophe”, so die Politikwissenschafterin Barbara Prainsack zur APA. Vielfach müsse nun das Vertrauen in Maßnahmen und politische Entscheidungsträger erst wieder aufgebaut werden. Gegen das fortschreitende gesellschaftliche Auseinanderdriften brauche es ein faires, effektives und schlüssiges Maßnahmenpaket – und mehr als nur eine Entschuldigung, so die Forscherin.

Die Politik sollte nach dem pandemischen Schlingerkurs danach trachten, wieder Vertrauen in sich und die angeordneten Maßnahmen aufzubauen. Denn auch unter jenen 85 bis 90 Prozent der Bevölkerung, die grundsätzlich einsehen, dass es Eindämmungsmaßnahmen gegen das SARS-CoV-2-Virus braucht und die sich auch daran halten würden, gebe es mittlerweile einige Menschen, die durch das verkorkste Pandemiemanagement abgeschreckt würden, so die Forscherin von der Universität Wien, die federführend am Austrian Corona Panel Project (ACPP) mitarbeitet.

Grundsätzlich gebe es aber immer noch Verständnis. Im Zuge der wiederkehrenden Erhebungen sehe man etwa, dass in den vergangenen Monaten die Zustimmung zu einer Impfpflicht gestiegen sei. Eine allgemeine derartige Impfpflicht unterstützten im Oktober bereits rund 40 Prozent der Befragten – “das ist sehr viel”, sagte Prainsack. Auch 3G am Arbeitsplatz oder 2G bei Veranstaltungen oder der Gastronomie werde in der Regel viel Zustimmung entgegengebracht. “Unter den Geimpften gab es eine hohe Zustimmung zum Boostern.”

Das Einhalten von Maßnahmen sei aber keine Ja/Nein-Frage. Bis Anfang November wurden im Rahmen einer Solidaritätsstudie Interviews mit zahlreichen Menschen geführt. Hier zeige sich, dass “immer das Maßnahmenpaket als Ganzes bewertet wird”. Wird dieses als fair, effektiv und in sich schlüssig verstanden, gebe es eher Bereitschaft zur Einhaltung, so die Wissenschafterin. Verbessert wird das, wenn das Vertrauen in die politische Elite möglichst hoch ist.

Aber gerade letzteres befindet seit dem Frühsommer 2020 im Sinken und sei mittlerweile in einem “katastrophalen Zustand”. Das habe viel mit der Kommunikation zu tun, aber auch damit, dass “das Maßnahmenbündel überhaupt nicht mehr als fair, effizient und schlüssig wahrgenommen wurde”. Außerdem sehe man eine starke Polarisierung zwischen verschiedenen Werthaltungen. Die kleine Gruppe der extremen Verweigerer und die Mehrheit “driften so weit auseinander, dass es keine Bezugspunkte mehr gibt”. Das sei in einer Krise zwar nicht unüblich, aber trotzdem sehr problematisch.

Zum größeren Teil der Bevölkerung könne man durch klare Regelungen, die nicht ständig geändert werden und von Bundesland zu Bundesland verschieden sind, wieder einen Draht aufbauen. “Durch das Hickhack verliert man sie aber”, so Prainsack. Das hinge aber auch damit zusammen, dass viele nicht das Gefühl hätten, dass die Abläufe fair seien.

Dieses Schema wiederhole sich mit dem aktuellen Lockdown, bei dem wieder der Ruch mitschwingt, dass vor allem auf die Wirtschaft geschaut wird. “Man schaut oft nicht in derselben Intensität darauf, wie es den Leuten geht”, so Prainsack. Denn “die große Debatte darüber, wie man etwa die Frauen unterstützt, auf die die Doppelbelastung in erster Linie wieder zukommt”, werde nicht geführt: “Da wird sowohl die Kommunikation als auch das Regelwerk von vielen als nicht fair angesehen”.

Leider wurden zuletzt viele Entscheidungen “wider bessere Evidenz” getroffen, wenn etwa sehr rasch niederschwelligere Maßnahmen wie das Maskentragen aus populistischen Gründen zurückgenommen wurden. Die am Freitag zumindest leise geäußerte Entschuldigung seitens mancher politischer Vertreter könne in der aktuellen Situation eher keine Wunder bewirken. Eine ehrliche Ansage diesbezüglich hätte noch im vergangenen Jahr vermutlich einen besseren Effekt gehabt. Prainsack: “Ich weiß nicht, ob die Menschen das jetzt verzeihen können.”

Die angekündigte Impfpflicht nach dem “leider jetzt notwendigen Lockdown” bezeichnete die Politikwissenschafterin als “extrem schwieriges und riskantes Politikinstrument”. Hier hänge vieles von der Ausgestaltung ab. So dürfe sie nur wenige Ausnahmen beinhalten. Eine “Angst vor der Spritze” dürfe hier etwa nicht gelten. Prainsack: “Sonst weicht man das auf und braucht keine Impfpflicht machen.” Etwaige Strafen müssten so bemessen sein, dass sie etwa von Impfgegnerorganisationen nicht aus der Portokasse bezahlt werden. Außerdem brauche es eine Kontroll- und Durchsetzungsmöglichkeit. Nur wenn diese drei Faktoren erfüllt werden, “ist eine generelle Impfpflicht in meinen Augen in Erwägung zu ziehen”, so die Forscherin, die den Vorstoß als “notwendige Strategie” vorsichtig begrüßt.

Von: apa

Kommentare

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31 Kommentare auf "Forscherin: Politik muss verlorenes Vertrauen zurückgewinnen"


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bislhausverstond
bislhausverstond
Superredner
8 Tage 14 h

Endlich amol a bericht mit hond und fuass, genau so isches….die politik mog lei so weitermochn mit de widersprüchlichn massnahmen, man sigs in rotterdam…wearn schun unbedingt an bürgerkrieg auabeschwörn welln😬 noar hunderte von sanitätspersonal suspendiern, wo sell dovor schun mehr wia kaputt gsport wor. I bin dopplt geimpft, fühlat mi obor ba an getestetn ungeimoftn orzt viel sicherer wia ba an ungetestetn geimpftn

Krabbe
Krabbe
Tratscher
8 Tage 14 h

Aufrichtigen Dank, hab seit langem keinen so sinnvollen und intelligenten Kommentar im Forum gelesen.

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
8 Tage 12 h

@Krabbe Na ja. Wer die Niederlande kennt, weiß auch, dass viele der Jugendlichen dort frustriert sind und wie im Bericht steht, waren viele jung. Das hat dann nicht vorrangig mit der Pandemie zu tun. Auch aber..!

Privatmeinung
Privatmeinung
Tratscher
8 Tage 14 h

Das Vertrauen ist da, es braucht andere Politiker.

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
8 Tage 12 h

Privatmeinung@ Habe schon so viele kommen und gehen gesehen,aber es änderte sich nie null komma nichts.
Um so grösser die Sprüche und Versprechen,um so tiefer meist der Fall.

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
8 Tage 12 h

@Privatmeinung Das glaube ich nicht und ist, wie im Bericht steht, bewiesen! Man brauch sich nur die Wahlbeteiligung anzusehen, die spricht Bände!
Die Politik spricht nicht mehr die Sprache des Volkes! Darum versteht sie keiner mehr.
Politiker alten Schlages, wie Durni oder in Deutschland Schröder, wären verstanden worden, wie auch immer man sonst zu ihnen steht. Bin überzeugt, die hätten ne anständige Ansage ans Volk gerichtet und hätten damit mehr Menschen überzeugt als das Wischiwaschi Gerede, Plakate, Überzeugungskraft und der gesamte restliche Unsinn der zur Zeit abläuft!

Staenkerer
8 Tage 12 h

sell sich i onderst, de politiker, egal von welcher partei und ob staats- oder londespolitiker hobn long schun in droht zum kloanen, orbeitenden fußvolk verlorn, des de weitaus größte mehrheit ausmocht! poliltverdrossenheit isch nit mit den viris aufkemmen, ober des wöchentliche ummergeweibe, mit xmol geänderte und neue dekrete hot es vertrauen auf null gschrauft!
i sog es no amoll: wos nutzn dauernt geänderte, verschärfte vorschrift und gebote wenn nit konntroliert werd?

Do Teldra
Do Teldra
Tratscher
7 Tage 17 h

@N. G. Iz glabis… Do easchte gscheide Kommentar vo die… 😲😲😲

Sag mal
Sag mal
Kinig
7 Tage 15 h

@Supergscheider bist Du Keiner. Gebt einer anderen Partei eineChance und Ihr werdet sehn dass Es auch anders geht.

Sag mal
Sag mal
Kinig
7 Tage 15 h

@Supergscheider Wen hast Du kommen u. gehn sehn wenn hier seit 60 Jahren immer die Gleiche Partei am Hebel ist.

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
7 Tage 13 h

Das mit dem Supergscheiden geb ich dir Recht,deswegen auch der Name.
Das mit den Parteien ist meine Erfahrung und die Geschichte gibt mir Recht.
Kann mich aber gut an den Rentenskandal oder die 5 Sterne Bewegnung erinnern als kleines Beispiel.

Tigre.di.montana
5 Tage 17 h

@Sag mal:
“wenn hier seit 60 Jahren immer die Gleiche Partei am Hebel ist.”
Vielleicht weil deren Politik und deren Vertreter den Menschen gefallen?
Ich würde die SVP oder die Freiheitlichen nicht wählen, aber sie berühren einen wichtigen Punkt: die Identität.
“Um Südtiroler bleiben zu können wähle ich SVP” – das ist der Punkt.

Supergscheider
Supergscheider
Superredner
8 Tage 14 h

Bravo,endlich ist es sogar wissenschaflich bewiesen,das wir “Ihnen” nicht trauen .
Einen Löwenanteil an der Misere gestehe ich aber den Medien zu. Durch arrogantes ,abgehobenes Framing kann man diese.Schlacht nicht gewinnen und andersdenkende mit Beleidigungen nicht umstimmen.
Schon das so viele der Politik und den Medien all dieses Vorgehen gegen das eigene Volk zutrauen,müsste diese doch vor Scham im Erdboden versinken lassen.

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
8 Tage 12 h

Wo sind die Blut, Schweiß und Tränen Reden vergangener Tage. Die haben immer mehr gebracht als das feingeschliffene, schmierig ablaufende Gesülze von heute!

Gianna
Gianna
Grünschnabel
7 Tage 15 h

👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍👍

Korl
Korl
Grünschnabel
8 Tage 13 h

Mit folsche Versprechungen und unsinnigen regelungen isch des Vertrauen holt eppes schwieriges

Horti
Horti
Superredner
8 Tage 11 h

Vertrauen kann man nur zurückgewinnen wenn man im vorhinein welches hatte. Das ist bei diesen Politikern nicht der Fall.

So ist das
8 Tage 11 h

Dann müssten neue und ehrliche Politiker her. Das erstere ist möglich, das zweite wohl nicht 😂😂😂

zorro1972
zorro1972
Tratscher
8 Tage 10 h

Die Politiker sollte in einer Demokratie vom Volk gewählt werden. Wenn der Wähler mitbestimmen könnte, dann dürften wir nicht wählen. Es hat keinen Sinn zu wählen, wenn danach doch andere an die Macht kommen. Nur ein Beispiel: es wird ganz Europa zu wählen aufgerufen, danach passt der gewählte Kandidat nicht und es wird jemand anderes von der Elite auserwählt. In diesem konkreten Fall Frau Ursula von der Leyen. Sie war nicht einmal nominiert. Es gibt noch unzählige solcher Beispiele. Warum sollte ich also der Politik vertrauen?

Tigre.di.montana
8 Tage 10 h

Die Politik muss gar nichts. Es liegt an jedem Einzelnen, durch sein Verhalten -Impfung, Vorsicht und Abstandsregeln – seinen Beitrag zum Wohl aller zu geben.
Wir sind erwachsen!

hundeseele
hundeseele
Superredner
8 Tage 8 h

Politik und Vertrauen — das klingt für mich wie eine Hure die behauptet noch Jungfrau zu sein(ja,viell.als Sternzeichen)

ghostbiker
ghostbiker
Superredner
8 Tage 9 h

sell glab i nimmer daß die Politik das schaft.schaugn olle lei af ihmene Gehalt u.sonst tun sie gor nix

Neumi
Neumi
Kinig
8 Tage 9 h
Die Warnungen gab’s schon lange, spätestens seit Ebola konkret. Auch in der Vergangenheit gab’s gefährliche Viren (wer erinnert sich noch an Vogelgrippe und SARS?), nur sind wir da immer leicht davon gekommen, haben uns in falscher Sicherheit gewägt. Wir verlangen immer von der Politik, alles besser zu machen, aber die können nur entscheiden, was andere dann umsetzen müssen. Und diejenigen und die davon betroffenen klagen dann erst mal oder starten Bürgerbewegungen oder sonst was. Die Maßnahmen werden als vollkommen überflüssig und überteuert und menschenrechtsverletzend usw. dargestellt. Wir kriegen gerade die Rechnung dafür, dass wir so lange mit maximal einem blauen… Weiterlesen »
N. G.
N. G.
Universalgelehrter
8 Tage 5 h

@Neumi Die Memschen verdrängen lieber als der Wahrheit uns Gesicht…
Es gibt am die 30 gefährliche Viren die Potenzial für eine Pandemie haben. Vor Jahten gabs eunige davon schon.
Alle haben gepennt und wenn Forscher gewarnt haben hat niemand zugehört!
Jetzt haben sie das Ergebnis und es wird sich wiederholen! Vielleicht noch viel schlimmer als dieses Mal!

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
8 Tage 13 h

Endlich ein Fortschritt, wenn ihn die Politiker auch umsetzen würde , was ich zu bezweifeln wage! Denn die Politik hat lange vor der Pandemie das Vertrauen verloren und nichts dagegen getan!
Auserdem, wenn den Bürgern politische Bildung fehlt, was man hier z. B. tagtäglich lesen kann, steht sie selbst beim Willen dazu auf verlorenem Posten.

N. G.
N. G.
Universalgelehrter
7 Tage 15 h

Sehr interessant! Zu dem Bericht hier habe ich 2 fast identische Kommentare geschrieben. Jedenfalls dem Sinn nach und einmal bekomme ich dafür viele positive Likes und beim anderen viele Negative.
Da erkennt man, dass die Leute oft den Sinn gar nicht verstehen.

....mah....
....mah....
Neuling
8 Tage 5 h

Erstaunlich wie leicht wir uns von dieser Politik spalten lassen! 🤔

H.M
H.M
Tratscher
8 Tage 8 h

booh sell wert schwierig…zem megn sie sich ober volle unstrengen…tat eher sogen dass in dei nia koaner mehr epas glaben wert

Sag mal
Sag mal
Kinig
7 Tage 15 h

Wie kann man nur soo… Engstirnig Sein!!!! Wählt Die jetzigen endlich ab u. Es wird Sich schnell verbessern. Aber genau daswollt Ihr anscheinend nicht.

Offline1
Offline1
Superredner
8 Tage 6 h

Ich warte gespannt auf die Posts, in denen Länder genannt werden, wo die BürgerInnen den Politikern vertrauen. Beste Grüße aus Sardinien 🌞 und bleibt gesund und optimistisch.

Sag mal
Sag mal
Kinig
7 Tage 15 h

Dazu braucht es eine Forscherin?!! Das hätt ich Euch auch sagen können. Aber das ist ganz typisch für Südtirol dass Menschen in Kategorien eingeteilt werden.

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