Innovative Therapien immer schwerer zu finanzieren

Forum Alpbach: Medizin muss leistbar bleiben

Montag, 21. August 2017 | 11:30 Uhr

Die Preise für innovative Arzneimittel – beginnend mit revolutionären Hepatitis-C-Therapien und Krebsmedikamenten – sind zeitweise so hoch, dass selbst die reichsten europäischen Staaten Probleme bekommen haben. Möglicherweise bedürfe es neuer Finanzierungs- und Preisfindungsmodelle, hieß es am Montag bei den Alpbacher Gesundheitsgesprächen (bis 22. August).

“Konflikt und Kooperation” lautet in diesem Jahr das Generalthema des Europäischen Forum Alpbach. Heftige Diskussionen, Konflikte – und in Österreich neuerdings auch eine schärfer greifende gesetzliche Regelung dazu – gab es in jüngster Zeit in vielen Staaten über die Finanzierbarkeit innovativer Medikamente und Therapien. “Die medikamentöse Hepatitis-C-Therapie hat die Situation verändert. Innovation ist speziell in der Pharmaindustrie von größter Bedeutung”, sagte Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner.

Der Hintergrund: Revolutionäre Anti-Virus-Medikamente können seit wenigen Jahren eine potenziell lebensgefährliche chronische Hepatitis C bei 90 und mehr Prozent der Patienten binnen drei Monaten heilen. Die Kosten in Österreich betrugen zu Beginn rund 70.000 Euro. Laut Industrie sind sie mittlerweile für einen Behandlungszyklus bei einer Hepatitis C vom leichter behandelbaren Genotyp 1 auf rund 10.000 Euro gesunken, bei der Hepatitis C vom schwerer behandelbaren Genotyp 3 auf unter 50.000 Euro gesunken. Kosten von bis zu 70.000 bis 150.000 Euro pro Monat entstünden bei manchen neuen Immuntherapien bei Krebs, hieß es bereits am Sonntag in Alpbach.

“Wir müssen aber allen Menschen gleichen Zugang zu Therapien schaffen”, sagte Rendi-Wagner. In jüngerer Vergangenheit hätten die Preise für eine Reihe von innovativen Arzneimitteln die Nachhaltigkeit im Gesundheitssystem auf die Probe gestellt. “Das ist ein Effekt sogar in den reichen Staaten und Ländern mit mittlerem Bruttoinlandsprodukt in Europa.”

Die quasi rein privatwirtschaftliche Preisgestaltung von internationalen Pharmakonzernen für patentgeschützte und bis zum Vorhandensein von Konkurrenzprodukten singulär vorhandenen neuen und wirkungsvollen Arzneimitteln greife möglicherweise zu kurz. “Laut OECD beträgt der Anteil der öffentlichen Gelder in der Entwicklung von Pharmaka rund ein Drittel. Aber haben wir Einfluss, wie diese Gelder verwendet werden?”, stellte die Ministerin fest. Neue Strategien seien zu überlegen.

Von: apa